Der neue Film von Gus Van Sant

Filmszene aus Elephant Gus Van Sant, der schwule Kultregisseur, ist mit diesem Film zu seinen unabhängigen Wurzeln zurückgekehrt, die er mit Mainstreamfilmen wie "Good Will Hunting" und "Finding Forrester" zwischenzeitlich verlassen hatte.

Er schildert darin ein fiktives Highschoolmassaker, das offensichtlich von realen Begebenheiten inspiriert wurde. In der ersten Hälfte des Films werden die unterschiedlichen Figuren bei alltäglichen Beschäftigungen eingeführt, die belanglos erscheinen, aber letztendlich nur den Nährboden für das Kommende liefern. Die Handkamera pickt sich die Teenager heraus und folgt ihnen wie ein unentdeckt bleiben wollender Beobachter. In diesen Szenen sehen wir mehr vom jeweiligen Umfeld der Figur als von dieser selbst. Da Van Sant aber immer wieder die Bezugsperson und somit die Perspektive wechselt, ergibt sich nach einiger Zeit ein stimmiges Gesamtbild.

Vorwürfe von Homosexuellenverbänden, "Elephant" hätte homophobe Tendenzen, weil sich die beiden männlichen Täter vor dem Massaker nackt unter der Dusche küssen, sind unberechtigt, weil Van Sant mit dieser Szene vielmehr die fehlende Nähe und Zuneigung innerhalb unserer Gesellschaft aufzeigen will und keinesfalls den schwarzen Peter einer Minderheit zuschiebt. Der Regisseur vermeidet es, eindeutig Stellung zu beziehen und zeigt uns auf provokative Weise gleich mehrere Erklärungsmöglichkeiten auf, die in ihrer Divergenz genau das erreichen, was Van Sant beabsichtigte: sie polarisieren und rütteln wach.

Frank Brenner

Elephant
Drama
USA 2003, 81 Min.
mit: Alex Frost, Eric Deulen, John Robinson, u.a.
Regie: Gus Van Sant
Kinostart: 8. April

Elephant