Interview Andreas Trommler

"Mode ist tot – es lebe der Stil!" Zur Philosophie des Modedesigners Andreas Trommler gehört das Wissen und die Stärkung der Individualität seiner Kunden. Er versteht Mode nicht als bloße Körperverhüllung und das plakative Tragen gängiger Marken, sondern als die bewusste Abgrenzung und Offenbarung von Zugehörigkeiten.

Im Mai ist Andreas Trommler mit seiner Mode übrigens in Dresden zu Gast. Beim Partyevent Artexcess "Matrimonio" im Carolaschlößchen im Großen Garten gibt die Kreationen Trommlers zu erleben.

(C) Modedesign Andreas Trommler Der Wirtschaft geht es schlecht & überall wird gejammert, daß Geld fehlt. Ist das der richtige Zeitpunkt ein neues Projekt zu starten?

Auch in Zeiten schlechter Wirtschaft wollen Männer gut gekleidet sein. Dabei kommt es nicht auf den Wert der Investition an, sondern auf dessen Begehrlichkeit. Meine Kunden sind sich bewußt, daß sie etwas erwerben, was nicht dem Geschmack der großen Menge entspricht.

Sie identifizieren sich mit meiner Mode & fühlen sich wohl darin. Ich will niemanden verkleiden, sondern seinen individuellen Typ unterstreichen. Meine Mode soll selbstverständlich & lässig sein, aber doch immer klassisch.

Eine Gradwanderung, die eine Herausforderung ist, der ich mich gern stelle.

Ist der Standort Leipzig dabei eher hinderlich?

Leipzig ist in keiner Weise hinderlich für meine Tätigkeit. Sicherlich ist sie nicht die Hauptstadt der Mode. Aber sie ist eine sich ständig weiterentwickelnde Stadt, die auf Innovation & Kreativität setzt. Sie vermittelt ein sehr weltoffenes Lebensgefühl. Da passiert noch etwas, ist Entwicklung sichtbar & spürbar. Es ist ein sehr schöne & jugendliche Stadt mit viel Charme.

In diesem Umfeld zu leben & zu Arbeiten ist anregend.

Inwiefern sind die Ansprüche, die Männer an Mode haben, denn gewachsen?

Die Männer, vor allem junge, suchen sich ihre Mode heute selbst aus, kaufen bewußter & gezielter. Die Ansprüche in Bezug auf Qualität & Individualität sind gestiegen. Keiner will im gleichen Outfit wie Kollege oder Nachbar gesehen werden. Die Möglichkeit, sich nach seinem Geschmack zu kleiden, sind vielfältig. In allen Preiskategorien kann man wählen, was einem persönlich am besten gefällt. Anregungen sind überall zu finden. Man muß nur die Augen offen halten & Eindrücke auf sich wirken lassen.

Sind Schwule andere Kunden?

Schwule Männer unterscheiden sich von anderen männlichen Kunden, so zeigen es meine Erfahrungen, daß sie körperbewußter & kreativer im Umgang mit Mode sind. Sie entscheiden bewußter bei der Auswahl ihres Outfits.

Leider ist es nicht mehr der Fall, daß man Schwule als die Trendsetter bezeichnen kann. Zu viele versuchen dem Jugendwahn hinterherzulaufen & ernten dafür eher ein mitleidiges Lächeln. Wie bei allen Kunden gilt, man sollte sich seinen eigenen Stil suchen, diesen dann auch verfolgen & pflegen.

Was ist der Trend bei Schwulen im Jahr 2004?

Vorab muß ich sagen, daß ich nichts von Business-Mode halte. Für mich muß ein Anzug wie eine Jeans sein, ein Gebrauchsgegenstand, der alltagstauglich ist.

Zur Zeit sind die 30er Jahre für mich ein großes Thema. Meine Kollektion setzt auf Taille, dazu große Kragen & weite Hosen. Ein bißchen Uniformstil. Jeans in gerader Form am besten ungebleicht, weiße Shirts & taillierte Sakkos für die Freizeit sind perfekte Basics für Männer. Alles sollte mit Leichtigkeit & Bewußtsein getragen werden. Interview: Michael Rädel Andreas Trommler, Karl-Rothe-Straße 11, 04105 Leipzig, (0341) 222 98 34, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

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