Mein Mame ist Nick, Désirée Nick

Im Oktober gastiert Désirée Nick mit ihrem Programm "The Joy of Aging" in der Dresdner Komödie. Gegenpol sprach mit der Diva über ihr Rezept zum Thema Älterwerden und ihre teilsächsische Herkunft.

Désirée Nick Gegenpol Sehr geehrte Frau Nick, "The Joy of Aging" ist der Titel Ihres derzeitigen Programms. Worin liegt die Freunde am Älterwerden?

Désirée Nick Daß wir noch nie zuvor per antiaging- Therapie so viele Möglichkeiten hatten, mit Mitte Dreißig äußerlich zu stagnieren und innerlich mit der Weisheit des Alters angereichert zu sein. Wir haben die Chance, sowohl die Vorzüge reifer Jahre, als auch die Qualitäten des jugendlichen Aussehens zu verknüpfen.

Mit intaktem Humor und intakter Garderobe läßt sich jedes Elend meistern.

Gegenpol Steht es nicht im Gegensatz zum heutigen Jugend- und Schönheitswahn, der auch in der schwulen Szene verbreitet ist, Freude am Älterwerden zu zelebrieren?

Désirée Nick Wer schreibt denn bitte vor, was man tun soll? Wir leben in einer Demokratie und müssen uns nicht an das anpassen, was andere vorgeben. Jung sind wir nur ganze zehn Jahre, zwischen 20-30. Den größten Teil des Lebens ist man nun mal alt. Dies in Würde zu bewältigen, ist die vornehmste Aufgabe, die wir haben. Aber Tunten werden ja nicht älter, die werden gehässiger.

Außerdem nagt die Schwerkraft an den Männern im verborgenen, denn sie tragen ihre Genitalien gut verpackt mit sich herum. Was sich da offenbart, schlägt jede Hängetitte. Im Alter werden bei Männern die Glocken immer länger und das Seil immer kürzer. Schade eigentlich.

Gegenpol Welchen Ratschlag haben Sie für alle, die Angst vor dem Altern haben? Und haben Sie selbst ein Rezept, das Altern zu vermeiden?

Désirée Nick Man wird gar nicht älter, sondern man wird besser. Wenig essen, mit dem Alter lügen und die Partner wechseln, so bleibt man jung.

Meine Falten kommen nicht vom Altern, sie kommen vom Lachen!

Gegenpol Sie sind bekannt für Ihr schlagfertiges Mundwerk, für das Sie, wie viele behaupten, einen Waffenschein bräuchten. Wie gehen Sie mit Kritikern und persönlichen Angriffen um?

Désirée Nick Ich amüsiere mich über die verzweifelten Versuche der Leute, mir irgendwie an den Karren zu fahren, weil alle jene, die das tun, nur zu meinem Ruhm beitragen.

Sie bieten mir eine Plattform, an der ich mich mit meinen geistreichen Pointen abarbeiten kann. Im übrigen finde ich es sehr armselig, wenn man nichts besseres zu tun hat, als gegen Unterhaltung zu klagen oder diese zu bekämpfen. Schließlich mache ich nur meinen Job.

Gegenpol Mit Ihrem Programm sind Sie nun erstmals in Dresden zu Gast. Wie wird das sächsische Publikum auf Ihre "Berliner Schnauze" reagieren?

Désirée Nick Die Leute werden sich in mich verlieben, weil sie schlagartig erkennen werden, daß ich dank meiner Weimarer Herkunft mütterlicherseits eine tief-mitteldeutsche Seele habe.

Mein Vater hingegen kommt aus Sachsen, so daß ich dem Blute nach eine Ostzonale bin. Geboren in Berlin liegt hier das große Geheimnis meines berühmten Humors.

Ich trete ja auch als meine eigene Schwester aus Pirna auf, die in der DDR großgeworden ist, und zeige, was aus mir hätte werden können, wäre ich nicht ein West-Berliner-Mauerkind- Showstar geworden.

Ich weiß und ich achte, daß in Mitteldeutschland die Wiege der deutschen Kultur stand, und sowohl meine Oma als auch Mutter haben "gewandhaussächsisch" gesprochen. Schade, daß diese Tradition vielen Menschen nicht mehr bewußt ist.

Außerdem trete ich als mein eigener schwuler Bruder mit "Berliner Schnauze" auf, der in der Berliner Szene als Stricher arbeitet und ein übriggebliebenes Model der 80-er Jahre ist.

Also wenn man diese Show gesehen hat, kennt man mich schon sehr genau!

Gegenpol Frau Nick, wir bedanken uns für das Gespräch.

5. Oktober 2004
Komödie Dresden
präsentiert von Übersturz,
Dresden Hilton und der Komödie Dresden
VVK in der Komödie, Tel.: (03 51) 866 4114

Interview mit einer Diva