Die Masche mit dem Blind Date

Woran denkt man wenn man das Schlagwort "Schwules Überfalltelefon" hört? Klingt irgendwie altbacken und überholt, oder? Doch dem ist nicht so. Sicherlich - von Überfällen auf Homosexuelle oder einfach nur auf Menschen, die ein wenig anders sind, war in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit nicht viel zu hören. Doch inzwischen ist vermehrt gezielte Gewalt gegenüber Schwulen in einer neuen, eher überraschenden Form zu beobachten.

Die Methode lautet "Blind Date". Dank Chat, Foren und vielerlei Anzeigen lernen sich inzwischen viele Homosexuellen über solche anonymen Wege kennen. Daß bei diesen täglich tausendfach stattfindenden Anbandelungen auch mal geschummelt wird, liegt auf der Hand. Doch leider gibt es auch Mitmenschen, die solche Treffen nur zum Zwecke eines Überfalls arrangieren. Dabei sind insbesondere junge Menschen, welche oftmals ihr Coming Out gerade hinter sich haben und nun gleichgeschlechtliche Kontakte suchen, von Übergriffen bedroht. Neben Vergewaltigungen sind mittlerweile auch Tötungsdelikte zu verzeichnen. Von Raub und Erpressung sind darüber hinaus vor allem ältere Opfer betroffen.

Gegen diese Vorfälle wurden inzwischen Präventivmaßnahmen eingeleitet. Unter dem Motto "Safer Surfen" arbeitet "Maneo – schwules Überfalltelefon und Opferhilfe" mit anderen vergleichbaren Institutionen und den meistbesuchten Chatportalen zusammen. Hauptanliegen sind Aufklärung über unterschätzte Risiken und Gefahren, außerdem gibt es Verhaltenstips. Daneben kann auch durch verstärkte Aktionen gegen gesellschaftliche Ausgrenzungen im realen Leben eine Flucht in die virtuelle, scheinbar diskriminierungsfreie Zone, vermieden werden. Deshalb ist auch hier Aufklärungsarbeit zu leisten.

Von solchen Vorfällen Betroffene sollten sich überwinden und den sicherlich schweren Weg zur Polizei auf sich nehmen. In größeren Städten gibt es dafür spezielle Ansprechpartner. Die Problematik ist hier zwar bekannt, jedoch können die tatsächlichen Ausmaße nur erahnt werden. Sollte eine Anzeige bei der Polizei dennoch nicht in Frage kommen, so hilft in jedem Fall ein schwules Überfalltelefon. Diese Seelsorge gibt es allein in Sachsen bei verschiedensten Verbänden – viele davon sind in der Rubrik "Adressen" dieses Heftes zu finden. Darüber hinaus empfiehlt sich die Nutzung einer Internet-Suchmaschine, beispielsweise mit dem Stichwort "Schwules Überfalltelefon Sachsen".

Weitere Informationen zum Projekt "Safer Surfen" unter www.maneo.de

sfx

Safer Surfen