Mit einer modernen Kombinationstherapie kann die Vermehrung der HI-Viren meist über einen langen Zeitraum erfolgreich in Schach gehalten werden; eine HIV-Infektion ist damit zwar nach wie vor nicht heilbar, jedoch zu einer behandelbaren, chronischen Erkrankung geworden. Eine wesentliche Voraussetzung für den Therapieerfolg ist dabei die möglichst konsequente Einnahme der verordneten Arzneimittel. Häufig beeinträchtigen jedoch Nebenwirkungen und komplizierte Einnahmeschemata die Therapietreue (Adhärenz) der Betroffenen. Deshalb sind nicht nur wirksame und gut verträgliche, sondern auch einfach einzunehmende Behandlungskonzepte nötig, die die Lebensqualität der Patienten möglichst wenig mindern und so die Adhärenz erleichtern.

Seit Mitte der neunziger Jahre die sogenannte hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) eingeführt wurde, haben sich die Aussichten für HIV-Infizierte deutlich verbessert. Anhand von Studien konnte gezeigt werden, dass sich durch eine geschickte Kombination verschiedener Arzneimittel die Vermehrung des HI-Virus wesentlich besser in den Griff bekommen lässt als bei der Behandlung mit jeweils nur einer Substanz.

Grundzüge der Therapiestrategie

Die zur HIV-Therapie verwendeten Arzneimittel hemmen die Vermehrung des HI-Virus und greifen dabei - je nach Substanzklasse - an unterschiedlichen Stellen der Virusvermehrung ein. Derzeit kommen vier unterschiedliche Substanzklassen (Nukleosidische oder nukleotidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren [NRTIs], Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren [NNRTIs], Protease-Inhibitoren [PIs] und Fusionsinhibitoren) zum Einsatz. Bei einer HAART werden in den meisten Fällen mindestens drei Medikamente aus zwei verschiedenen Substanzklassen kombiniert: Man kombiniert zwei NRTIs, die gewissermaßen das Rückgrat der Behandlung bilden und in der Fachsprache als "Backbone" bezeichnet werden, mit mindestens einem weiteren Arzneimittel aus der Substanzklasse der PIs oder NNRTIs. Dabei werden die Protease-Inhibitoren "geboostert": Durch die Kombination mit einer niedrigen Dosis eines zweiten PIs (in der Regel Ritonavir) wird der Abbau des ersten PIs gehemmt. Die durch diesen Schritt ermöglichte Verwendung einer niedrigeren Dosis kann zu einer Verbesserung der Wirksamkeit und der Verträglichkeit, einer Vereinfachung der Einnahme (z.B. einer zweimal täglichen statt einer dreimal täglichen Einnahme) und einer Verminderung der Tablettenzahl führen.

Auch auf die Backbones kommt es an

Der Auswahl des Backbones kommt in der HIV-Therapie eine große Bedeutung zu. Zurzeit gibt es acht verschiedene Vertreter aus der Wirkstoffklasse der NRTIs, die sich hinsichtlich Effektivität und Nebenwirkungen mehr oder weniger deutlich unterscheiden. So zeichnen sich z.B. Tenofovir (Viread®) und Emtricitabin (Emtriva™) durch eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit aus. Seit Februar 2005 stehen die beiden Substanzen nun auch als fixe Kombination zur Verfügung (Truvada™). Der Vorteil dabei: Es muss nur eine Tablette pro Tag eingenommen werden, was bedeutet, dass die HIV-Therapie dann im günstigsten Fall aus insgesamt nur zwei Tabletten täglich (dem "Backbone" und einer weiteren Substanz) besteht. Dies erleichtert es dem Patienten, die Tabletten konsequent einzunehmen, was die Therapietreue erhöhen und wesentlich zum Behandlungserfolg beitragen kann.

Dr. Heiko Jessen
Gemeinschaftspraxis Dres. Jessen/Jessen
Motzstraße 19
10777 Berlin

Moderne HIV-Therapie verbessert Lebensqualität