Deutschlands größter, schwuler Autoclub nun auch in Sachsen & Thüringen

Heiße Flitzer, glänzende Cabrios, rostige Oldtimer - das ist die Domäne heterosexueller Männer, denkt man. Doch weit gefehlt - der schwule Autofreak ist eine Spezies auf der Überholspur: Immer mehr schwule Jungs und Männer lieben Kraftfahrzeuge aller Art und haben Spaß an gemeinsamen Unternehmungen mit Gleichgesinnten.

Seit 2002 finden schwule Autoliebhaber bei den Motorboys e.V. ihre Heimat. Mit den Motorboys Sachsen-Thüringen bildet der Club nun mit Abstand das größte Netzwerk. Das ist Waldi aus Dresden und Andreas aus Eisenach zu verdanken. Die beiden entdeckten die Aktivitäten der schwulen Automobilisten im Internet und waren Feuer und Flamme. Und da man ja nicht gern die Katze im Sack kauft, luden die Beiden einfach den ganzen Club nach Thüringen ein. Dem Ruf zur "Motorboys Deutschland Trophy" folgten Mitte Mai über 85 Teilnehmer, romantische Straßen des Thüringer Waldes im Rahmen einer Rallye zu erkunden.

Gegenpol sprach mit Waldi über die Sächsich-Thüringischen Motorboys:

Gegenpol: Wer kann bei Euch mitmachen?

Waldi: Wirklich jeder Autofan! Ob man selber schraubt oder nur schrauben läßt, ob man Bentley fährt oder Lada, ist egal. Vorraussetzung ist nur "schwul" und "autobegeistert"! Gefragt bei uns sind Enthusiasmus und Teamgeist.

Gegenpol: Man stöhnt ja immer: "Tunten und Technik...!" Reparieren die Motorboys auch ihre Autos?

Waldi: Natürlich gibt es auch bei uns Mitglieder mit den berühmten zwei linken Händen. Und das ist ja auch nicht weiter schlimm. Aber tatsächlich haben viele Motorboys ihre Preziosen in schlechtem Zustand gekauft und mit viel Mühe, Zeit und Geld restauriert. Natürlich tauscht man das Wissen aus und so mancher Motorboy hat durch Clubfreunde gelernt, kleine Wartungsarbeiten an seinem Liebling selbst durchzuführen. Allerdings steht bei uns die Geselligkeit an der Spitze unserer Interessen!

Gegenpol: Die Auftaktveranstaltung haben die Motorboys aus Sachsen und Thüringen hinter sich gebracht. Wie wurdet ihr mit Euren Fahrzeugen von der Bevölkerung aufgenommen?

Waldi: Wenn da 90 Schwestern mit Bentley, Jaguar "E-Type", Opel "Kapitän", Smart mit Wohnwagen, aber auch 311er-Wartburg und Trabant aufschlagen, fällt so manchem Zaungast die Kinnlade runter. Trotz unserer Rallyeschilder, die keinen Zweifel daran ließen, welche sexueller Orientierung der Fahrer hat, habe ich nie Ablehnung erlebt. Bis auf diejenigen, die sich ständig auf die eigenen Mundwinkel treten, haben alle gewunken oder gehupt und sich über unseren bunten Troß gefreut. Eine Oma kam an mein Autofenster und sagte zu mir in thüringischem Dialekt "Passen'se mir gut auf Ihren Trabi auf, und erhalten'se Ihn lange am Leben! Alles Gute!"

Gegenpol: Wieviele Mitglieder haben die Motorboys eigentlich in Sachsen? Was sind die nächsten Pläne?

Waldi: Noch sind wir die jüngste Sektion und somit noch klein. Momentan suchen wir nach einer Lokalität, die für die Sachsen und die Thüringer in ähnlicher Entfernung liegt. Ziel ist es zunächst, sich zweimonatlich zu treffen und bereits erste kleine Touren in zu organisieren, oder einfach ein paar schöne Stunden mit netten, autobegeisterten Menschen zu verleben.

Gegenpol: Wir danken für das Interview

Motorboys e.V.
Deutschlands Club für schwule Autofans
Website: www.motorboys.org
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Die Motorboys und ihre Autos...