Der DJ Jan Sun verkörpert die positiven Seiten von Exzess und Extase der Elektro und Techno Musik. Legendär sind die Sets des Dresdners, die nicht selten länger als sechs Stunden dauern. Er ist der Lieblings-DJ der Partyreihe "Think Pink" in Dresden. Viele Clubber feiern ihn als neuesten Geheimtip in der Dresdner Szene. Die härtere Gangart von Techno ließ er schon zur Jahrtausendwende hinter sich und konzentrierte sich seither eher auf die sanfteren Klänge der elektronischen Musik, was man unschwer an seinen beliebten Mix-CDs hören kann. Das Bestreben, in Dresden eine Plattform für experimentelle tanzbare Musik zu schaffen, spiegelt sich auch in seinen Projekten exzellent wieder. Derzeit bastelt und schraubt er wieder im eigenen Studio an neuen Sachen.

Wo auf der Welt fühlst Du Dich am wohlsten?

Na, wenns die Dubmission im E-Werk noch gäbe, dann sicher dort, schon wegen der Männer. Heute bin ich gern im Berghain mit Freunden. Stundenlang tanzen hält jung und ich denke auch fit. Wenn ich mal mit meinem Mann Urlaub mache, dann fast immer auf La Gomera. Dort hausen wir immer ohne Hotelzimmer einfach am Strand und laufen den ganzen Tag nackt herum. Solche Orte gibt's nicht viele auf der Welt. Nette Leute aus allen Ländern trifft man da, kocht, ißt und schläft gemeinsam in einer großen WG-Höhle. Einfach genial.

Wie siehst Du die Entwicklung der elektronischen Musik in Dresden?

Lange Zeit hat mich das nicht interessiert, wobei die vielen Künstler und DJs daran wohl keine Schuld haben. Viel mehr gebe ich den Veranstaltern schuld. Alle guten Locations wurden, aus welchem Grund auch immer, immer mehr zu Diskotheken und die Pattform für neue innovative Musik mußte den chicen Lounges und Disco-House Fuzzies weichen. Dabei spielt halt leider immer wieder das Geld eine Rolle. Ich distanziere mich davon und nehme gern die lange Autofahrt in andere Metropolen in Kauf. Aber seit einem Jahr verspüre ich irgendwie frischen Wind in Dresden. Es gibt einige Leute, die sich gegen die Eventmaschinerie positionieren und immer wieder wirklich nette Aktionen auf die Beine stellen. Respekt!

Gibt es Entwicklungen in der Clubszene die Dich stören?

Nicht wirklich. Ich fühle mich als Teil der Clubszene, habe viel erlebt und gesehen. Ich beobachte im Moment im Gegenteil sehr erfreut, daß viele Leute heute die Nacht durchfeiern können ohne jegliche Art von Drogenkonsum. Das ist eine schöne Entwicklung, es bleibt einfach viel mehr Raum für Kommunikation und Community.

Gibt es einen Lieblingsclub in dem Du einfach gerne auflegst?

Das ist nicht schwer zu beantworten. Die Alte Spinnerei auf der Strasse E, in der auch die "Think Pink" stattfindet, ist nach wie vor Kult, auch bei The Fire, am CityBeach der Showboxx und im Alten Wettbüro fühle ich mich sehr wohl. Es gäbe da sicher noch ein paar Locations, wo ich gern mal drehen würde, doch da ich eher ein ruhiger und zurückhaltender Typ bin und mich niemandem aufdrängen möchte, wird es sicher bei einigen wenigen in Dresden bleiben. Aber ich bin für Neues immer zu haben und freu mich auf das, was noch kommt.

Was ist an musikalischem Output in den nächsten Monaten von Dir zu erwarten?

Auf jeden Fall sehr melodische und minimale Techno-Sets und wenn alles gut läuft im Winter oder spätestens in Frühjahr 2007 eine Platte. Ich laß mich da nicht drängen. Eins kann ich schon mal vorweg sagen, Mike Dub und Alex Carbo werden jeweils einen Mix machen.

Was möchtest Du noch erreichen?

Ich möchte mit meinem Freund zusammen alt werden und so viel wie möglich von der Welt sehen. Wenn ich könnte würde ich den Weltfrieden anzetteln und alle Waffen vernichten, aber leider ist das nur ein Traum ...

Im Gespräch: Jan Sun