Andreas Reimann feiert mann, buch und sich

"eines tags war ich schwul. es bedurfte keiner verführung, es sprach mein entsetzen äußerst gelassen: ach so ..." Diese Worte findet der Leipziger Lyriker und Liedermacher Andreas Reimann über sein Coming out.

Daß Männer Männer zu lieben vermögen, ist nicht erst seit der Antike belegt. Und trotz solcher Tatsachen und Gefühle, gereicht es nicht immer zu ehrendem Ansehen, wenn man sich mit dieser Sehnsucht offen der Welt stellt. Daß lyrische Hymnen solcher Erotik die Intimsphäre verläßt, liest man nicht oft und meist nur auf schmuddelig erregenden Seiten. "Die männlichen Zeitalter" von Andreas Reimann, erschienen im konkursbuch verlag, sind Liebesgedichte dieser anderen Art. Sie preisen die "Brüder all", die Muskelschwuchteln, Tuckertrinen, die Firmenfrettchen und Familienschwänzler und die Bitterlinge. Es ist das Hohelied des Schwanzes und all jener, die ihn tragen.

Andreas Reimann zeigt seine Liebe offen, aber er stellt sie nicht aus. Und Andreas Reimann hat außer dem Gefühl für Männer auch ein Gefühl für Sprache. Sein Buch ist Wortschatz im wirklichen Sinn. Anschauen kann man in diesem Buch auch Reimann'sche Grafik, die keine Lust im Detail spart. Und wer schaut nicht gern.

In diesem Jahr stehen Andreas Reimann gleich eine ganze Anzahl von Jubiläen ins Haus: der 60. Geburtstag und sein 15. Buch. Wir gratulieren, herzlichst. Aktuell erschienen sind ein Sammelband der "liebesgedichte" (Connewitzer Verlagsbuchhandlung) sowie die Italien-Sonette "und der rotwein rauscht an meiner seele süden" (Dr. Ziethen).

In der Buchstadt Leipzig ist Andreas Reimann in diesem Herbst übrigens noch mehrfach live zu erleben. Am 26. November gastiert er mit Hubertus Schmidt in der Moritzbastei mit den vertonten Liebeslieder aus dem Lyrikband "Die männlichen Zeitalter". Das nächste Werk ist im Druck. "Zwischen den Untergängen" stellt Andreas Reimann am 10. Dezember in Kanal 28 vor.

Schöner, ach schöner