Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Ein Tag des Gedenkens an die Opfer der Erkrankung, der Solidarität mit den Betroffenen, aber auch der Warnung, daß AIDS noch immer eine tödliche Infektion darstellt. Trotz verlängerten Lebens bedeutet eine HIV-Infektion eine tiefgreifende Zäsur. Medikamente mit unterschiedlichen Nebenwirkungen müssen eingenommen werden. Die Lebensqualität sinkt. Vielleicht wenden sich sogar Freunde oder Familie von einem ab, sei es aus Furcht oder Intoleranz. Der Welt-AIDS-Tag steht daher auch ganz im Zeichen der Prävention. AIDS-Hilfen in ganz Sachsen werden Veranstaltungen anbieten, um wieder mit den Aktionen vermehrt über die Möglichkeiten des Schutzes vor AIDS, aber auch anderen Infektionskrankheiten wie Syphilis oder Tripper, aufzuklären.

Die AIDS-Hilfen und Gesundheitsämter schlagen wegen der gerade bei schwulen Männern in den vergangenen beiden Jahren wieder sprunghaft ansteigenden Zahl an Neuinfektionen Alarm. Auch in Sachsen kann und darf man sich nicht sicher fühlen, auch wenn die Zahlen im Vergleich zu Berlin, Frankfurt oder Köln vergleichsweise niedrig sind. Auch die sächsischen Szene wandelt sich, es gibt Barebackparties, schnellen Sex in Saunen oder Kinos, und eine Unbekümmertheit besonders junger Männer, die gerne mal für den geilen Kick auf Kondome verzichten. Gegenpol sprach mit Wolfgang Langhammer, einem Kenner der Dresdner Szene, über diese Situation und die Szene in Dresden im allgemeinen.

Gegenpol: Wolfgang, Du bist aus der Dresdner Szene nicht wegzudenken. Seit wann bist Du hier unterwegs?

Wolfgang: Eigentlich bin ich seit meinem Coming Out in den 80er Jahren Teil der Szene. Damals war ich in der Mokka-Bar und im Ring-Café anzutreffen, die Szene war eine Art Zuhause für mich. 1995 hatte ich dann den Tharandter Hof und seit 1996 betreibe ich mein Erotik-Studio "Cupido", da feiere ich gerade 10jähriges Jubiläum. Mit dem Roberto's bin ich ebenfalls für ein paar Jahre aktiver Teil der Szene gewesen. Aktuell engagiere ich mich ehrenamtlich in der AIDS-Hilfe und im Lederclub.

GP: Die Szene hat sich in den letzten Jahren verändert, wie siehst Du das?

WL: Im ersten Moment denke ich immer, die Szene ist geschrumpft. Aber das stimmt nicht. Es gibt doch einige Angebote, sie wechseln nur schneller als früher. Die Szene ist insgesamt auch viel jünger geworden. Was fehlt, ist ein Partyangebot für die über 30-Jährigen.

GP: Immer wieder hört man, daß auch in Sachsen Tripper, Syphilis und HIV auftauchen. Woran liegt das deiner Meinung nach?

WL: Viele haben die Meinung, "blank" geht besser. Ich werde auch oft im Studio angefragt, ob ich ohne Kondom arbeite. Mir fehlt da ein Gefühl von Verantwortung für die eigene Gesundheit und die anderer. Vor allem Jüngere bis 30 wollen Sex ohne Kondom. Für diese Gruppe sind HIV & Co. weit weg. Früher hieß das "Kavalierskrankheiten", aber das kennt kaum noch jemand. AIDS tauchte erst Mitte der 80er Jahre auf, da erfuhr man in der DDR wenig drüber.

GP: Was tust Du, um schwule Männer in deinem Umfeld wachzurütteln?

WL: Wenn ich meinen Job sehe, kann ich nur sagen, ich praktiziere konsequent Safer Sex. In meinem Studio liegen Flyer und Broschüren aus. Die Kunden fragen nach meiner Gesundheit und nach Übertragungswegen. Ich gehe regelmäßig zum Gesundheitsamt und lasse mich durchchecken. Bisher, toi toi toi, hatte ich keine einzige Infektion. Also ich übernehme hier Verantwortung für mich und meine Kunden. Wenn doch mal was sein sollte, kanns rechtzeitig behandelt werden.

GP: Hast Du einen Wunsch für die Dresdner Szene in den nächsten fünf Jahren?

WL: Ich wünsche mir ein Partyangebot für die über 30-Jährigen und daß die Szene konstanter wird und bleibt. Die Gäste sollten öfter mal raus gehen und den PC ausschalten. Das hilft den Wirten und man hat mehr persönlichen Kontakt. Den finde ich wichtig, davon lebt die Szene in Dresden.

Interview zum Welt-AIDS-Tag