Gespräch mit dem RosaLinde e.V.

Es ist jetzt drei Monate her, daß der RosaLinde e.V. aufgrund wirtschaftlicher Probleme die zentral gelegene Räume am Brühl verlassen mußte. In dieser Zeit kann vieles geschehen. Gegenpol wollte hinter die Kulissen schauen und im Gespräch mit Vera vom Verein erfahren, was genau passiert ist und wie nun die Zukunft des RosaLinde e.V. aussieht.

Zunächst wollen wir noch einmal in die Vergangenheit blicken. Vera, warum mußte der Verein den Brühl verlassen.

Nachdem anfänglich guten Besucherzahlen kam es im Sommer aufgrund der Hitze und der Fußball-WM zu immensen Umsatzeinbußen, so daß es nicht länger möglich war, die vergleichsweise hohe Miete für die Vereinsräume am Brühl aufzubringen. Dazu muß man sagen, daß sich das Café als Wirtschaftsbetrieb selbst tragen mußte.

Glücklicherweise konnte recht schnell ein geeigneter Nachmieter gefunden werden, so daß wir den Mietvertrag vorzeitig auflösen konnten. Der Umzug war aufgrund der finanziellen Belastungen durch die Miete eigentlich zum Jahresende geplant und mußte nun aber vorgezogen werden, ohne daß wir eine neue geeignete Location gefunden hatten. Vorübergehend haben wir nun unser Büro im Kulturzentrum Werk II am Connewitzer Kreuz.

Konnte die Forderung des Finanzamtes (GP berichtete) inzwischen erfüllt wurden? Von wem kamen Spenden? Gab es Hilfe von anderen Betreibern schwul-lesbischer Einrichtungen?

Ja, die Forderungen des Finanzamtes konnten glücklicherweise fristgerecht zum 16. September erfüllt werden.

Ohne die vielen privaten Spenden, sogar teilweise aus anderen Bundesländern, wäre das nicht möglich gewesen. Finanzielle Unterstützung erhielten wir auch seitens der Politik, so zum Beispiel von Constanze Krehl, Monika Lazar und der Linkspartei/PDS. Zudem konnten wir auch auf die Hilfe des CSDinLE zurückgreifen. Durch das Organisationsteam, das sich aus Vertretern der Szene und Privatleuten zusammensetzt, konnten zum CSD Spenden gesammelt werden. Der LSVD leitete unseren Hilferuf an seine Mitglieder weiter. Allen Unterstützern möchten wir hier unseren herzlichen Dank aussprechen.

Wie hat die Leipziger Szene auf die Schließung des Cafés und den Umzug reagiert?

Viele Gäste waren enttäuscht und traurig, daß das Café geschlossen wurde, daß Veranstaltungen ausfallen mußten. Wir versuchen nun, Gruppentreffen und Veranstaltungen vorübergehend in Kooperation mit anderen Vereinen und Lokalitäten weiterzuführen und das gewohnte Programm nicht auf Null zu fahren. Das Donnerstagskino findet nun zur Zeit im Staubsauger e.V. statt, die Selbsthilfegruppen treffen sich im Café "Grüne Tomate" oder im Volkshaus. Das wird von den Leuten auch gut angenommen.

Hat der Verein inzwischen ein neues Domizil in Aussicht?

Bisher haben wir leider noch keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden.

Konnte der Verein sein erklärtes Ziel, sich wieder mehr auf die Beratung zu konzentrieren, erreichen?

Im Werk II haben wir vorübergehend ein Büro bezogen, in dem die Beratungen und sozialen Hilfsangebote durchgeführt werden. Mittlerweile finden erfreulicherweise immer mehr Ratsuchende den Weg nach Connewitz. Da der RosaLinde e.V. die einzige auf die Zielgruppe ausgelegte Beratungsmöglichkeit im Großraum Leipzig darstellt und die Beratungszahlen seit Jahren konstant hoch sind, ist es uns ein besonderes Anliegen, dieses Angebot mit Hilfe der öffentlichen Förderungen auszubauen.

Wie sehen die weiteren Pläne aus?

Im Winter wird es zwei Benefizpartys geben, damit der Verein zeitnah seine noch offenen Mietschulden begleichen kann. Da haben wir witzige Überraschungen vorbereitet, aber mehr wird jetzt noch nicht verraten. Wenn wir geeignete Räume finden, werden wir im Frühjahr einen neuen Vereinssitz beziehen und unsere Arbeit in vollem Umfang wieder aufnehmen können.

Vielen Dank für die Informationen. Gegenpol wünscht dem Verein für die nähere und weitere Zukunft viel Glück und Erfolg.

Das Interview führte MM.

Hinweis: Am Montag, den 11. Dezember, findet eine offene Vereinstagung über die Zukunft des RosaLinde Leipzig e.V. statt. Mitglieder, Aktive, Interessierte und FreundInnen sind unter dem Titel "Projekt 2007 - Was passiert mit der RosaLinde?" eingeladen in die Bar Cortex, Körnerstraße 45 (Tramstation Linie 9 Körnerstraße oder Linie 10/11 Südplatz).

Ein Verein im Umbruch