Ausstellung Matthias Hamann

Ein Vogelschwarm von Jungsbildern, keine Reihe und auch kein Tableau. Dazwischen, hier und da, Bilder von Sitzecken oder Pappeln am Hügel. Mehr assoziativ als analytisch, nicht linear und keinesfalls schematisch. Die Szenen unterschiedlich: Kurz vor dem Aufbruch oder mit Dosenbier in irgendeinem Keller. Im Bad, vorm Plattenschrank, beim Anziehen oder Garnichtstun. Vor dem Geschehen oder knapp daneben. Und trotzdem jedes Bild frontal in einen ganz und gar konkreten Augenblick hinein.

Matthias Hamanns Fotografien suchen nicht nach dem, was wir schon kennen. Klischees zerfallen unter der Unmittelbarkeit, mit denen Hamann sich seinen Akteuren nähert. Der Blitz dringt weit hinter die Oberfläche und schöner Schein bricht um in helle Authentizität. Die keinesfalls das Gegenteil von Schein und Schönheit ist: Beginnt die Inszenierung nicht schon dann, wenn Gesten gelernt, Frisuren getrimmt und Kleidung über den Körper gezogen wird? Und erst recht, wenn Kleidung wieder ausgezogen wird? Die Knabenkörper im musealen Skulpturenkabinett sind satt von Hybris und performen Selbstvergessenheit. Ein Schwanensee der Eitelkeit. Matthias Hamanns stellt "Eye against I" - die Sehgewohnheit gegen bloßes Sehen. Die Pappeln wachsen über den Horizont hinaus, darüber Vogelschwärme.

Arne Linde

Matthias Hamann
25.11.2006 - 13.01.2007

ASPN
Spinnereistraße 7, Haus 4
04179 Leipzig
http://www.ASPNgalerie.de/
Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr
Samstag von 11 bis 16 Uhr

Fotografie