"Marinus, warum hat Dir keiner geholfen?", fragt seine Mutter in "Der Kick" von Andres Veiel und Gesine Schmidt. Der authentische Stoff, der im Sommer 2002 für Schlagzeilen sorgte und der bereits im September letzten Jahres als Film erschien, wird Ende Februar unter der Regie von Heike Scharpff als Dokumentarstück auf der Bühne der Neuen Szene in Leipzig zu sehen sein.

Potzlow, 60 km nördlich von Berlin, im Sommer 2002. In der Nacht zum 13. Juli stirbt der 16jährige Marinus Schöberl. Die Täter ermorden ihn auf brutale Weise. Nach stundenlangen Mißhandlungen zwingen sie Marinus in eine Kante eines Schweinetrogs zu beißen. Marcel springt daraufhin dem Gepeinigten auf seinen Hinterkopf. Es scheint so, als hätte diese Tat ein Vorbild: den Film "American History X", in dem ein junger Mann mit einem Bordsteinkick hingerichtet wird. Nach vier Monaten wird die Leiche Marinus' in einer Jauchegrube gefunden. Die Motive für die Tat: Marinus färbte sich die Haare und trug, zumindest in den Augen der Täter, die falschen Hosen. Deshalb wurde er als minderwertig eingestuft und zum "Juden" erklärt. Damit hat der Mord einen rechtsradikalen Hintergrund.

Andres Veiel und Gesine Schmidt, die Autoren des Stückes, haben in Potzlow recherchiert, wollten herausfinden, wie es zu dieser Tat kommen konnte - soziale und kulturelle Hintergründe erforschen. Die an der Produktion beteiligten Theaterleute fragten im Vorfeld: "Und was kann und muß dagegen getan werden?" - Ein Dokumentarstück auf die Bühne bringen, die Menschen damit auch schockieren, ermuntern und aufklären.

MM

Der Kick
Premiere 24. Februar 2007, 20:00 Uhr
Schauspiel Leipzig, Neue Szene
mit anschließender öffentlicher Premierenfeier
Weitere Vorstellungen: 28.02. und 02.03., jeweils 20:00 Uhr