Philipp Hartin (KissKissBangBang Leipzig)

Hi Philipp, Du bist der Veranstalter von "KissKissBangBang" in Leipzig, darf man da nur bewaffnet rein?

Also eine Bewaffnung braucht man nicht, aber man muß zumindest eine dicke Haut für all die Obskuritäten der Nacht aufbringen. Verlorene Drags, hysterische Jungs und verruchte Mädels, alles fühlt sich bei uns zuhause und feiert dem Morgengrauen entgegen.

Anton Milagros aus Berlin macht die Fotos für die Flyer und Anzeigen, warum gerade er?

Das war eigentlich ganz lustig. Ich habe damals mit einem jungen Berliner Fashiondesigner für die Gestaltung meiner Flyer zusammengearbeitet, Anton und er wollten schon seit längerer Zeit ein Projekt gemeinsam bestreiten, denn eigentlich ist er ja Modefotograf. Seitdem arbeiten wir jeden Monat zusammen und haben von blutigen Zombies, über mordende Drags bis hin zu kleinen Prinzessinnen alles ausprobiert, was die Fantasie hergibt. Er ist in der Berliner Szene schon seit Jahren eine feste Größe und war schon für die Flyer der unterschiedlichsten Berliner Partys verantwortlich. Er macht das gewissermaßen als Ausgleich zu seinem Brotverdienst.

Du bietest jedes Mal ein ziemliches Star-Aufgebot, wissen die Leipziger das zu schätzen?

Anfangs bin ich der Sache ganz optimistisch begegnet, Berliner Szenegrößen, wie Nina Queer oder Biggy van Blond einzuladen, doch oft muß ich leider feststellen, daß man in Leipzig doch in einer ganz anderen Welt lebt. Die Leute gewöhnen sich aber mit der mittlerweile wachsenden Leipziger Szene an das ein oder andere Gesicht und selbst wenn die Stars noch nicht bekannt waren, machen spätestens wir sie zu Stars. Wir beschränken uns gewissermaßen auf ein oder zwei Hände voll Künstler, eben unsere Lieblinge, die wissen wie sie die Leute zum Glühen bringen.

Von Deinem persönlichen Style her hätte ich Dich eher in der Indie-Szene vermutet, gehst Du zu Pop und Electro auch ab?

Richtig erkannt. Ich bin persönlich auch ein Indie-Jungs-Liebhaber. Die Indie-Szene ist mittlerweile so sehr unter den Massen verbreitet, daß man wohl kaum noch von einer Independent-Szene reden kann. Ich bin über einige Umstände zu der Party gelangt und bin mittlerweile auch mit viel Ehrgeiz, Elan und durchgeknallten Ideen dabei. Ich glaube es ist sehr wichtig, daßs man in seiner Rolle als Partyveranstalter von der Norm abweicht und alles Verrückte ausprobiert; daß man eben independent ist und sich von anderen abhebt. Die richtige Mischung macht es aus. Die Leute wollen ein bißchen Abwechslung. Man sollte auch musikalisch einen guten Mix aus Pop, Electro und allem was das Herz begehrt, finden, so daß sich jeder im Morgengrauen glücklich und geschafft nach Hause begeben kann.

mb

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