Die Leipziger Gaynight ist Geschichte

Drei Tage vor der Leipziger Gaynight im September wurde die Vorfreude auf eine geile Party durch die Nachricht getrübt, daß das 8. Jubiläum der Partyreihe gleichzeitig auch die letzte Feier sein wird. Damit geht eine der ältesten und erfolgreichsten Veranstaltungsreihen in Deutschland zu Ende.

Trotz der Vorabankündigung der letzten Party - oder gerade deswegen - feierten ca. 1.600 Leute eine rauschende Nacht in der Alten Hauptpost.

Über das Ende der Leipziger Gaynight sprach Myrko von blu - Dein neuer Gegenpol im Osten mit den Veranstaltern Mirko und Matthias von emotion works.

blu: Das Aus der erfolgreichen Partyreihe kam für alle überraschend. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Mirko: Diese Entscheidung fiel bereits schon im Mai dieses Jahres, kurz nach unserem Frühlings-Spektakel der Gaynight und dem Fakt, daß es in der Buddha Art Gallery nicht weiter gehen wird. Die Entscheidung ist lange und gut überlegt. Wir denken, daß wir mit der Leipziger Gaynight sehr lange die schwul-lesbische Fahne in Leipzig hoch gehalten haben und nun die Zeit für etwas Neues kommen muß.

blu: Warum beendet Ihr die Gaynight gerade jetzt?

Mirko: Wir wollten die Partyreihe auf ihrem Höhepunkt beenden und nicht bis zum letzten Atemzug auskosten. Die Suche nach einer neuen Location hätte mittelfristig zu keinem Ergebnis geführt. Unser Konzept ist auf diesem Niveau derzeit in Leipzig einfach nicht mehr umsetzbar. Wir wollten uns und unseren Gästen keine Leipziger Gaynight "Light" zumuten. Zudem müssen wir, zum Glück, zunehmend mehr Zeit und Kraft in die Projekte unserer Event-Agentur stecken. Das bindet und läßt nicht den Freiraum, der von Nöten wäre.

blu: Wie schätzt Ihr derzeit die bestehende Partyszene in Leipzig ein?

Matthias: Wir finden, daß Leipzig momentan viele Events und feste Locations zu bieten hat, die es so vor einem Jahr nicht gab. Die aktuelle Situation ist spannend. Das Angebot ist vielfältig und hat für die unterschiedlichsten Geschmäcker etwas zu bieten. Grundsätzlich muß man sich aber als Veranstalter eingestehen, dass auch in Leipzig die letzten Jahre eine Abkehr von der Szene und ihren Angeboten zu beobachten ist. Die Gründe sind vielschichtig. Zum einem emanzipieren sich viele der jungen Schwulen und Lesben bewußt von Rollenklischees, die noch aus den Gründerjahren der Szene herrühren und leben ihre Persönlichkeit individueller in vielerlei Sub-Szenen aus. Auf der anderen Seite verlor in den letzten Jahren der Club oder die Party zunehmend ihre Funktion als Partnerschaftsbörse. Diese Aufgabe übernimmt heutzutage das Internet, vielleicht nicht ganz so unterhaltsam, aber in jedem Fall effektiver.

blu: Bleibt Ihr als Organisatoren der Gayszene erhalten? Gibt's neue Projekte?

Mirko: Wir bleiben Leipzigs Szene sicherlich erhalten. Ob als Mitorganisatoren des Leipziger CSDs und Veranstalter des Prideballs, der offiziellen Abschluß-Party oder als Veranstalter des neuen PonyClubs.

blu: Bei welcher Party seid Ihr dann selbst anzutreffen?

Matthias: Einmal monatlich natürlich im Ponyclub ;-). Wenn es unsere Zeit zuläßt, sind wir in Leipzigs Clubs anzutreffen und auf Partys in diversen deutschen Großstädten unterwegs. Mirko feiert zum Beispiel auf der Sweethearts-Party in Dresden oder fährt zur Candy-Night nach Chemnitz. In Leipzig sind wir ab und an bei KissKissBangBang und bei der No No No!-Party unseres Freundes Zacker.

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