Einer der berührendsten Filme über die Liebe zwischen zwei Frauen, der in Deutschland Mitte der achtziger Jahre nur kurz zu sehen war und leider in keinem deutschen Filmarchiv mehr vorhanden ist, kommt zum CSD in Leipzig nun doch wieder zur Aufführung. Mit Hilfe der ungarischen Botschaft und der Cinematheque Leipzig ist es den Organisatoren gelungen, den Film "Der andere Blick" aufzuspüren, so daß alle die einmalige Chance haben, diesen am 10. Juli um 10 Uhr in der naTo cinematheque zu erleben.

Vor den Nachwehen des Ungarn-Aufstands angesiedelt - der Film spielt 1958 - versucht Károly Makk aufzuzeigen, daß Toleranz eine unabdingbare Voraussetzung für Freiheit im gesellschaftlichen Leben ist. Und der Begriff des "Gesellschaftlichen" beinhaltet für Makk gleichermaßen die Sphäre des Öffentlich-Politischen wie des Privaten: Eva verliebt sich in ihre heterosexuelle Kollegin Livia, die beiden beginnen eine Liebesbeziehung. Der Ehemann Livias schießt dafür seine Frau nieder, die fortan querschnittsgelähmt ist. Eva läuft bei dem Versuch, über die Grenze nach Jugoslawien zu kommen, in die Gewehrsalven der Grenzbeamten und stirbt. Als der Film 1983 ins Kino kam, schrieb die Neue Zürcher Zeitung: "Wegen seiner Darstellung einer lesbischen Liebe hat der Film in Ungarn einen ,succès de scandale' erlebt; zu wünschen wäre, daß er hier vielleicht auch noch aus anderen Gründen Aufmerksamkeit zu erregen vermöchte".

Leipziger CSD 2008 - Film: Der andere Blick