EVA 2008 zeigt Regenbogenflagge

Das Dresdner Pfingstwochenende stand ganz im Zeichen des evangelischen Jugendfestivals "EVA 2008". Junge Menschen dachten darüber nach, wie in unserer Gesellschaft Verantwortung übernommen werden kann. Auf der Projektmeile zeigten 20 Jugendprojekte ihr verantwortungsbewußtes gesellschaftliches Engagement.

Auch die Arbeit des Projektes "Respekt beginnt im Kopf!" des Gerede e.V. Dresden wurde zum EVA-Projekt gekürt. "Respekt" vernetzt seit zwei Jahren die sächsische lsbt-Aufklärungsarbeit, bietet Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen an und bearbeitet derzeit Lehraufträge an zwei sächsischen Hochschulen im Fach Soziale Arbeit.

Noch Anfang des Jahres erhitzten sich die Gemüter, weil beim Bremer Pendant "Christival" ein Seminar zur "Heilung" homosexueller Gefühlsverirrungen stattfinden sollte. Das Seminar wurde aufgrund der Proteste abgesagt. Eine Woche nach dem Christival öffnete EVA seine Tore und diesmal mit der Regenbogenflagge. Widersprüchliche Signale, die deutlich machen, daß eine einheitliche Positionierung innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema lsbt-Lebensweisen nach wie vor aussteht.

Dieses spiegelten auch die Reaktionen am Stand von "Respekt" wider. Von offenem Zuspruch homosexueller Christinnen und Christen, über Diskussion um vermeintliche Wahrheiten, bis zu demonstrativer Ignoranz hatten sich die ehrenamtlich Tätigen manchen Gedanken zu stellen. Zwei Dinge wurden dabei deutlich: Eine konsensfähige Auseinandersetzung zu lsbt-Lebensweisen und Christentum wird so lange unmöglich bleiben, wie es nicht gelingt die individuell-emotionale Ebene zu verlassen, um einander aufmerksam an- und zuzuhören. Zweitens zeigte sich, daß ein "miteinander leben" (Pfingstpredigt Bischof Bohl) in demokratischer Vielfalt und gegenseitiger Akzeptanz in dem Maße die Basis verliert, wie fundamental ausgerichtete Religionszugehörigkeiten erstarken. Gespräche am Stand offenbarten die Brisanz eines evangelikalen (Un-)Verständnisses der christlichen Botschaft. Jedes Gedankengut kann zerstörerisch werden, wenn es sich zur Ideologie geworden gegen den Menschen richtet. Ein Thema, daß innerhalb der sächsischen Landeskirche nach wie vor eine nennenswerte öffentliche Debatte und kritische Positionierung vermissen läßt. Die christliche Kirche hat in der Vergangenheit hinsichtlich ihrer ideologischen Potenz mehr als einmal Lehrgeld zahlen müssen. Es ist Zeit Unsicherheit und Halbwissen abzulegen, einander annehmend zu begegnen und sich füreinander zu öffnen. Ein wichtiger Schritt mit Signalwirkung ist getan.

Text: Ricardo Wolske
lsbt = lesbisch-schwul-bi-trans

Respekt