Das Motto des diesjährigen CSD in Dresden lautet "Einheit in Verschiedenheit - selbstverständlich tolerant?!". Nun, das Fragezeichen im Satz läßt vermuten, daß die CSD-Organisatoren selbst nicht ganz sicher sind, ob die vielbeschworene Einheit der Szene existiert oder ob Toleranz wirklich so selbstverständlich ist.

Zum CSD-Umzug wird einmal im Jahr Einigkeit demonstriert. Das ist ohne Frage wichtig - Lesben, Schwule und Transen zeigen Öffentlichkeit und fordern Gleichbehandlung und Toleranz nicht nur von der Gesellschaft und Politik, sondern auch von den Menschen, mit denen sie täglich Umgang haben. Leider ist es mit unserer eigenen Toleranz auch nicht sonderlich weit her. Wir müssen und die Frage stellen: Wie gehen wir selbst mit anderen Menschen um? Der etwas ältere Mann ist in der Szenekneipe oder dem Club kaum akzeptiert. "Was glotzt der alte Sack so?", kann man gelegentlich (sogar wenig diskret) hören. Transen werden oft belächelt, manchmal als schmückendes Accessoire in einer Gruppe benutzt, oder bestenfalls ignoriert. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Auch Heteros haben es nicht immer leicht mit uns, auf "unseren" Parties wären manche lieber unter sich - dabei könnte man gemeinsam viel besser feiern. Vorausgesetzt, die Heteros kommen auch, um Spaß zu haben und nicht um Streß zu machen.

Toleranz. Sie stünde uns also gut zu Gesicht. Insofern kann das diesjährige CSD-Motto nicht nur Forderung an die Gesellschaft, sondern vielmehr eine Denkanregung für uns alle sein.

Übrigens: der CSD-Umzug in Dresden findet in diesem Jahr am 7. Juni statt. Schonmal rot im Terminkalender anstreichen.

Selbstverständlich tolerant?