Nach der Premiere im April finden die "Queer Days" im Kur- und Bäderort Templin jetzt noch einmal als Winter-Ausgabe statt. Beim "Regenbogen-Abend" in der Natur-Therme Templin beginnt der Einstieg in das Festival-Wochenende. Anschließend steigt im benachbarten Club "Aqua & Sol" die Party "Ice Nights".

Zwischen zahlreichen Freizeit- und Wellnessangeboten besteht am Samstag schließlich die Möglichkeit zur Stadterkundung oder einfach mal auszuspannen. Samstagabend gipfelt die Veranstaltung in der Queer Days-Weihnachtsfeier des UM.QUEER-Netzwerkes, die unter dem Motto "Ein Festival der Liebe" steht. Auf dem Programm stehen neben einem Gay-Bowling-Turnier u.a. die beliebte Disco-Nacht sowie eine Benefiz-Veranstaltung zum Welt-AIDS-Tag. Sonntag schließlich lässt der Nikolaus-Lauf zum Advents-Café das Festival ausklingen.

mb

blu sprach mit Christian Hartphiel, Leiter von UM.QUEER über das Queer Days Winterfestival in Templin.

Hallo, Christian, was kann man sich unter dem Netzwerk UM.QUEER vorstellen?

Im Frühjahr 2005 habe ich hier in Templin zum ersten Mal zu einem Stammtisch-Treffen für Schwule und Lesben eingeladen. Das ging damals nur durch Mundpropaganda und mit einer Anzeige in der lokalen Tageszeitung. In der dünn besiedelten ländlichen Provinz war das schon etwas besonderes. Tatsächlich folgten bereits damals 30 Schwule und Lesben aus allen Alters- und Berufsgruppen meiner Einladung und wagten somit den ersten mutigen Schritt an die Öffentlichkeit. Zeitgleich gab es dann auch zum ersten Mal in der lokalen Presse einen großen Artikel zum Thema "Situation homosexueller Menschen auf dem Lande". In einem Interview beantwortete ich damals ganz selbstverständlich und offen alle Fragen der Journalistin, auch wenn sie teilweise recht verkrampft waren. Das war der Beginn unserer Öffentlichkeitsarbeit hier in der Region, auf die wir noch heute sehr viel Wert legen. Denn die Bürger sollten sehen, dass homosexuelle Mitmenschen auch in ihrer direkten Nachbarschaft und nicht nur in den Großstädten leben. Schon einen Monat nach unseren ersten Presseauftritten meldeten sich weitere Schwule und Lesben aus der Region. Schon bald fusionierten wir mit weiteren Gruppen, die sich nach unserer Pionierleistung ebenfalls in Nachbarstädten unseres Landkreises Uckermark gründeten. Das war der Beginn des Netzwerkes UM.QUEER. Inzwischen bieten wir monatliche Veranstaltungen und Aktionen, aber auch Beratung und Kontaktvermittlung für mehr als 100 Interessierte aus der gesamten Region an. Damit wollen wir eine Alternative zur anonymen Großstadt Berlin bieten und der anhaltenden Landflucht etwas entgegensetzen.

Im April habt Ihr zum ersten Mal die "Queer Days" in Templin organisiert. Wie hat sich dieses Projekt ergeben, ist die doch recht kleine Stadt so ein Gay-Magnet?

Im Laufe der Jahre ist es uns durch mehr als 40 Veranstaltungen und Aktionen sowie gemeinnützige Projekte und mit Hilfe der regelmäßigen Berichterstattung in den lokalen Medien gelungen, als Gruppe und als wichtige Institution in der Region anerkannt und respektiert zu werden. Auch im Bereich Toleranz- und Demokratieentwicklung hat man unser Netzwerk als verlässlichen Kooperationspartner schätzen gelernt. Nachdem wir mehrere Jahre vorrangig für die eigene Zielgruppe Veranstaltungen organisiert haben, wollte ich nun den nächsten Schritt gehen. Ein überregionales Festival für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle, aber auch für heterosexuelle Mitmenschen, die keine Berührungsängste haben und gemeinsam mit uns ein Zeichen für ein friedliches und tolerantes Miteinander in der Gesellschaft setzen wollten. Für dieses Projekt fanden wir recht schnell viele Kooperationspartner vor Ort. Die Stadt Templin, mehrere kommunale Freizeit- und Kultureinrichtungen und einige Vereine und Unternehmen stiegen dann mit ins Boot. Zudem wurden unsere QUEER DAYS dann noch in das Programm der CSD-Brandenburg-Woche aufgenommen. Neben den Veranstaltungen in Cottbus und Potsdam war dann unser dreitägiges Festival eine dritte starke Säule der landesweiten CSD-Woche, die dann auch auf großes Interesse bei den Medien stieß. Templin ist als Kanzlerin-Heimatstadt inzwischen recht bekannt geworden. Aber auch als Kur- und Bäderstadt hat sie sich im touristischen Bereich seit den 90er Jahren einen guten Namen gemacht. Das QUEER DAYS FESTIVAL im April diesen Jahres wurde von allen Partnern als Erfolg gewertet. Die Stadt konnte sich als moderne, weltoffene und tolerante Gastgeberin behaupten. Was ursprünglich nicht unbedingt so geplant war, hat sich nun aber auf Wunsch vieler Beteiligter so ergeben - das Festival im Frühjahr war nur eine Premiere für eine kontinuierliche Festival-Reihe. Die Stadt Templin soll sich als Standort für das QUEER DAYS FESTIVAL hier im Norden Brandenburgs, in der Region zwischen Berlin und Ostsee, in den nächsten Jahren etablieren. Übrigens weise ich gern immer wieder darauf hin, dass Templin flächenmäßig die fünftgrößte Stadt Deutschlands ist.

Welche Reaktionen gab es?

Unterstützung kam von vielen Seiten. An Zuspruch für diese Idee hat es, wie auch in den letzten Jahren für unser Engagement, nicht gemangelt. Viele Kommunalpolitiker setzten ein Zeichen und nahmen am Festival teil. Im Nachhinein gab es von politischer Seite eine Menge Lob und die Empfehlung der Fortführung unseres Festivals. Man kann sicher nicht pauschal sagen, dass die gesamte Bevölkerung tolerant und wohlwollend gegenüber Homosexuellen eingestellt ist. Es gab sicher auch negative Kommentare. Aber das waren einzelne Fälle und das gibt es wohl überall. Die Polizeileitung bestand auf einem umfassenden Sicherheitskonzept und war unauffällig aber stark präsent. Was sich dann aber als unnötig herausstellte. Interessanterweise ist der Zuspruch von der älteren Generation in der Bevölkerung recht beachtlich. Viele können sich noch an die Zeit erinnern, als Homosexualität unter Strafe stand und der geäußerte Verdacht in den 30er und 40er Jahren sogar lebensgefährlich war. Auch bei der Jugend ist ein positiver Trend zu bemerken. Immer mehr junge Menschen gehen offen und unbefangen mit diesem Thema um. Das ist sicher einerseits der Verdienst unseres Engagements vor Ort, aber auch der Selbstverständlichkeit geschuldet, mit der das Thema Homosexualität in den modernen Medien aufgegriffen wird.

Im Rahmen unseres Winterfestivals wird es auch ein Schul-Projekt am städtischen Gymnasium geben.

Woher kamen die Besucher so?

Wir haben für das Festival im Frühjahr natürlich nicht nur Werbung in Berlin und Brandenburg gemacht, sondern wollten auch die Nachbarn aus Mecklenburg-Vorpommern einladen. Der Landkreis Uckermark ist aber seit Jahren auch zu einem Geheimtipp für viele Künstler, Politiker, Manager, für hohe Beamte wie gleichermaßen auch für Aussteiger aus ganz Deutschland geworden. So war dies auch ein Grund, warum wir zum Festival auch Gäste aus München, Hamburg, Stuttgart, Erfurt und Chemnitz begrüßen konnten.

Kann man Bundeskanzlerin Angela Merkel auch ab und zu mal über den Weg laufen, die in Templin aufgewachsen ist oder legst Du als Schwuler da eher keinen Wert drauf?

Dass man der Kanzlerin hier über den Weg läuft, ist eher selten. Aber tatsächlich wird sie das ein oder andere Mal beim Spaziergang mit ihren Eltern in der Stadt gesehen. Zuletzt kurz nach ihrer Wiederwahl. Lustig ist, dass in dem Haus, wo sie mit ihrer Familie viele Jahre gelebt hat nun insgesamt drei lesbische Frauen wohnen und schon genervt von den regelmäßigen Besuchen von Kamerateams aus der ganzen Welt sind. Und in zwei Fällen sind die Väter von homosexuellen Freunden für die Bewachung der Kanzlerin und ihres Wochenendhäuschens verantwortlich. Die Welt ist klein. Besonders hier im größten Landkreis Deutschlands.

Sehen sich die "Queer Days" in der Tradition eines CSDs?

Nein, das sind verschiedene Ansätze. Wir wollen hier nicht für Forderungen demonstrieren, auch wenn wir sie natürlich landesweit mit tragen und auch mit unserem politischen Engagement unterstützen. Mitglieder unserer Gruppe sind bei den Schwusos, aber auch in anderen Parteien sehr aktiv. Zudem ist UM.QUEER Mitglied in der "Initiative CSD Brandenburg". Auf dem schwul-lesbischen Straßenfest in Berlin sind wir auch immer präsent. In unserem ersten Jahr haben wir sogar den Platz 1 im Wettbewerb um den schönsten Stand gewonnen. Auf den CSDs in Berlin und z.B. in Rostock zeigen wir natürlich auch immer Flagge. Hier auf dem Lande haben wir für die nächsten Jahre aber erst einmal noch ganz andere Herausforderungen und Ziele. Das Festival soll Menschen zusammenbringen und helfen, bestehende Vorurteile zu überbrücken und unbedeutende Unterschiede zu überwinden. Wir werden im Rahmen des Winterfestivals auch eine Ehrung für die Unterstützung unseres Engagements und für die gelungene Integration der Schwul-Lesbischen Gruppe verleihen. Das Symbol dieser Ehrung ist eine "Brücke". Der Bürgermeister wird in diesem Jahr stellvertretend für die Stadtverwaltung und die Einwohner der Stadt diese Ehrung erhalten.

Templin wird auch als "Perle der Uckermark" bezeichnet, woher kommt dieser Ruf?

Unsere Stadt hat sich bereits seit den 20er Jahren einen Namen als Urlaubsort gemacht. Seit den 80er Jahren waren wir staatlich anerkannter Luftkurort. Nach der Wiedervereinigung hat man diesen Bereich zielstrebig ausgebaut und Templin zur reizvollen Kur- und Bäderstadt entwickelt. Unbestritten ist Templin mit seiner sehr schönen und vollkommen sanierten historischen Altstadt, der völlig erhaltenen Stadtmauer und der sehr attraktiven Lage inmitten von vielen Seen und unendlichen Wäldern die schönste Stadt der Uckermark. In der Perle der Uckermark gibt es so viel zu entdecken. Die touristischen Angebote sind überaus verlockend. Außerdem ist hier soviel los, wie in kaum einer anderen Stadt in der Region. Unser Festival reit sich da nur in die Kette vieler beliebter Veranstaltungen ein.

Nach der erfolgreichen Premiere konntest Du für eine Fortsetzungsveranstaltung in diesem Monat wieder viele Partner gewinnen - wen zum Beispiel?

Ja, der Impuls kam von der Landeskoordinierungsstelle für schwul-lesbische Belange Brandenburg. Im Rahmen der landesweiten Akzeptanz-Kampagne wünschte man sich eine weitere Veranstaltung hier im Norden Brandenburgs. Und weil ich sowieso die Pläne in der Schublade zu liegen hatte, haben wir uns dann recht kurzfristig für ein QUEER DAYS WINTERFESTIVAL entschieden. Die Kooperationspartner waren sofort wieder bereit zur Mitgestaltung. Mit der Natur Therme Templin und dem Multikulturellen Centrum gab es bereits im Frühjahr eine gute Zusammenarbeit. Weitere Partner sind die Stadt Templin, die Stadtmarketing Templin GmbH, der Tourismus-Service. Der Kunstverein KVT e.V., das Jugendhaus "Villa" und das Gymnasium Templin beteiligen sich ebenfalls am Programm. Auch der Landkreis unterstützt unsere Projekte. Natürlich sind auch lokale Gastronomen, wie die World of Culinarius GmbH und das Bowlingcenter Templin wichtige Partner unseres Festivals.

Das "Queer Days Winterfestival" steht unter dem Motto "Ein Festival der Liebe" - was steht auf dem Programm?

Am Donnerstag den 03. Dezember wird es im Gymnasium Templin einen Thementag "Homosexualität an Schulen" geben. Die Landeskoordinierungsstelle Brandenburg, das Jugendnetzwerk Lambda und die Deutsche Fernsehwerke GmbH (Timm.TV) werden dieses Projekt mit Schülern der 7.-9. Klassen gestalten und begleiten. Am Freitag (04.12.) steigen wir dann mit einem Regenbogen-Abend in der Natur Therme Templin in das Festival-Wochenende ein. Wir haben hier einen supergünstigen Tarif für den Bad- und Saunabereich von der Thermen-Geschäftsführung angeboten bekommen. Im Anschluss soll es eine Winter-Party "Ice Nights" im Club "Aqua & Sol" geben, der gleich neben der Natur Therme zu finden ist. Am Samstag (05.12.) haben die Festival-Gäste tagsüber die Gelegenheit, die winterliche Stadt zu erkunden. Hier können die zahlreichen Freizeit- und Wellnessangebote genutzt werden, um vom Alltag abzuschalten. Templin glänzt auch mit vielen guten gastronomischen Einrichtungen. Am Nachmittag wird es einen offiziellen Festempfang im Ratssaal des Historischen Rathauses geben. Dort werden Vertreter aus der Landeshauptstadt sprechen und der Ehrenpreis wird überreicht. Der Bürgermeister heißt dann auch offiziell die Festivalgäste in Templin willkommen. Am Samstagabend folgt dann die zentrale Veranstaltung der QUEER DAYS. Das Netzwerk UM.QUEER lädt zur 5. Weihnachtsfeier unter dem Motto "Ein Festival der Liebe" ein. Neben einem Unterhaltungsprogramm und einer Benefiz-Aktion zum Welt-AIDS-Tag wird es auch ein Gay-Bowling-Turnier und die beliebte Disco-Nacht geben. Am Sonntag (06.12.) lassen wir dann das Festival mit einem gemeinsamen Nikolaus-Stadtlauf zum Advents-Café ausklingen.

Danke für das Gespräch!

Ich danke auch und sage noch einmal "Herzlich Willkommen in Templin" und hoffe, wir sehen uns in der Perle der Uckermark!

Queer Days Winterfestival 2009
4.-6.12. in Templin/ Uckermark
www.queerdays.de

Queer Days Winterfestival in Templin