Es gibt Frauen, denen scheint das derzeitige Grau des Herbstes nichts anzuhaben. Der Puls von Karla Pfützenreuter groovt derart lässig, dass die Sticks in ihren Händen via Schlagzeug und Percussion gleich in mehreren Latino-Projekten von sich hören lassen. blu traf Karla zu einem kurzen Gespräch.

Karla, Du spielst bei "enVivo" (Latino Rock/Pop), "Salsa Solera" (Salsa), "High Potentials" (Percussion), "Sonido" (EasyListening/World), und Gualaceo (World). Gibt es eine Band, bei der Du Dich zu Zeit besonders zu Hause fühlst?

Die Band, mit der ich gerade am intensivsten arbeite, ist enVivo. Wir haben uns gut aufeinander eingestellt und haben viel Spaß in den Proben. Bald sind wir für ein paar Wochen im Studio, - wenn wir einander dann also auch mal im Schlafanzug gesehen haben, gehen wir sicher noch familiärer miteinander um.

Gute Musiker stammen nicht selten aus Musikerfamilien. Mit 15 Jahren hattest Du zum ersten Mal professionellen Schlagzeugkontakt. Was hat Dich inspiriert?

Ich komme nicht aus einer musikalischen Familie, inspiriert hat mich der Hass auf meine Blockflöte, mit der ich zu jeder erdenklichen Familienfeierlichkeit ins Telefon hupen musste. 1999 sah ich zum ersten Mal eine Life-Performance am Schlagzeug, die mich so beeindruckte, dass ich noch am gleichen Abend - auf der Bettkante sitzend - die ersten abgeguckten Moves übte und einen einfachen Rockgroove lernte. Am Tag darauf durfte ich ihn am Set ausprobieren. Und los ging der Kampf um ein eigenes Schlagzeug.

Heute studierst Du Jazz/Rock/Pop Schlagzeug und Percussion und beschäftigst Dich parallel mit Musikpädagogik. Welche Zukunftspläne hast Du?

Zu meinen kurzfristigen Zielen gehören erst einmal die Fertigstellung der Studioarbeit mit Gualaceo und die Tonstudioaufnahmen für das enVivo Album im November.

Danach werde ich voraussichtlich ein Jahr in Brasilien verbringen und dort an der Universidade Federal da Bahia weiter studieren.

Danach kommen Examenskonzert und Diplomarbeit. Natürlich wird die "Beats'n'Bongos Tour ("House & Bum Slap Percussion") wieder aufgegriffen und das Tom Waits-Programm mit dem Sänger und Kabarettisten Claus Dethleff angegangen. Eine Stelle als Schlagzeuglehrerin habe ich bereits und gebe auch Privatunterricht.

Welche Clubs besuchst Du? Was inspiriert Dich heute?

Na wenn, dann richtig; in Dresden sind für Live-Konzerte die Tante Ju, zum Booty-Shakin' der Girls Club im Lofthouse meine Adressen.

In der Regel regeneriere ich mich, indem ich in der Muggerstarre auf der Couch liege und eine DVD schaue, bei einem Kinofilm, einem Buch oder einem Theaterstück. So vermeide ich Synapsenfasching vom zu vielen Musikhören.

Welche Platten stecken derzeit im Wechsler Deiner Heimanlage?

Cuba Nova (Agua), Gossip (Music For Men) und Miss Platnum (The Sweetest Hangover).

In all deinen Projekten sind Männer in der Mehrzahl. Das spricht für einen starken Charakter. Gibt es auch Frauen in Deinem Leben?

Klar, das wären die Sängerinnen meiner Bands und die nun langsam wachsende Anzahl Instrumentalistinnen in der Jazz/Rock/Pop-Klasse, worüber ich mich sehr freue.

In meiner Familie ist die Frauenquote dafür richtig hoch und in meinem restlichen Privaten habe ich eine sehr selbstbewusste Freundin, die mein vieles Üben, Proben, Wegsein und Tischgetrommel toleriert, meiner Arbeit gegenüber nicht kritikscheu ist (positiv wie negativ) und einen Ausgleich zu meinem oft stressigen Alltag schafft.

Karla Pfützenreuter im Netz:
www.karla-epage.com

Karla Pfützenreuter