20 Jahre Homo-Wende

Im Herbst 1989 brachten die Menschen der DDR friedlich die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten zu Fall. An den Demonstrationen in Plauen, Dresden, Leipzig und Berlin waren auch Homosexuelle beteiligt, die mit den anderen Demonstranten für mehr Freiheit und Selbstbestimmung im Land eintraten. Aus "Wir sind DAS Volk" wurde dann nach der Dresdner Rede von Helmut Kohl rasch "Wir sind EIN Volk", die Wiedervereinigung 1990 war die Folge.

Für Schwule und Lesben brachte die Wende auch viele Veränderungen mit sich. Obwohl die DDR bereits 1988 den Schwulenparagraphen aus dem Strafgesetzbuch strich und sich damit fortschrittlicher zeigte als die damalige Bundesrepublik, spielte sich schwul-lesbisches Leben wenig öffentlich ab. In Dresden hatte sich Mitte der 80er Jahre der Arbeitskreis Homosexualität bei der evangelischen Studentengemeinde gebildet, aus dem sich dann Gerede zunächst als FDJ-Jugendclub, seit 1990 als eingetragener Verein formierte. Die RosaLinde Leipzig hatte ähnliche Wurzeln, gegründet 1988 am Jugendclub Phönix im Haus der Volkskunst. Mitglieder des Vereins Homosexualität in Halle/Saale begannen schon 1989 mit der Planung für eine Tanzveranstaltung im Club "Philipp Müller". Nach dem Umbau wurde daraus die GaySchorre, die in diesem Jahr auch ihr 20-jähriges Bestehen feierte.

Die Wiedervereinigung brachte auch Zugang zu kommerziellen Gütern wie Sextoys oder Pornographie und ermöglichte im Osten die Eröffnung von schwulen und lesbischen Lokalen, Partyveranstaltungen oder auch Saunen. Dabei hatten viele queere Lokale anfangs noch verschlossene Türen, nur wer klingelte, wurde nach Sichtkontrolle eingelassen.

Die CSD-Paraden in Berlin und auch Dresden wuchsen langsam und auch in den Medien traten Schwule und Lesben immer öfter in den Mittelpunkt. Es entstanden Zeitungen und Magazine für die Szene. In Leipzig etablierte sich Anfang der 90er das Magazin "Queer". Aus dem Infoblatt "Gegenpol" des Gerede e.V. Dresden 1996 ging das gleichnamige Szenemagazin hervor, aus welchem sich später "blu - Dein neuer Gegenpol im Osten" entwickelte.

Heute gibt es zahlreiche Angebote für lesbische Frauen, schwule Männer, Bisexuelle und Trans*. Es hat sich viel getan. Aber obwohl Homosexuelle nun eine offiziell anerkannte "Eingetragene Lebenspartnerschaft" begründen können, es offen schwul oder lesbisch lebende Politiker in Rathäusern, im Bundestag und in Ministerämtern gibt und eine große Auswahl queerer Freizeitangebote existiert, ist eine volle Gleichstellung nicht erreicht. Homosexuelle werden weiterhin vielerorts diskriminiert, z.B. am Arbeitsplatz, oder sehen sich homophober Ausgrenzung oder oft auch Gewalttaten ausgesetzt.

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1990

Aus dem Arbeitskreis Homosexualität der evangelischen Studentengemeinde formiert sich Gerede Dresden als Eingetragener Verein. Auch die RosaLinde Leipzig, gegründet 1988, wird ein Eingetragener Verein.

1994

Im Zuge der Rechtsangleichung mit dem Recht der ehemaligen DDR wird § 175 StGB (der so genannte Schwulenparagraph) in ganz Deutschland aufgehoben.

Der erste CSD findet in Dresden als Straßenfest mit Infoständen auf dem Altmarkt statt, die erste Demo ein Jahr später. Weitere CSD-Veranstaltungen, unter anderem in Halle, Chemnitz, Magdeburg, Erfurt Schwerin und Rostock, folgen Jahre später.

1996

Aus dem Infoblatt des Gerede e.V. entsteht das SchwuLesbische Monatsmagazin Gegenpol.

2001

Das Lebenspartnerschaftsgesetz tritt in Kraft, dass Schwulen und Lesben das Rechtsinstitut der Eingetragenen Partnerschaft, auch "Homo-Ehe" genannt, ermöglicht. In Sachsen und anderen Bundesländern können diese Lebensgemeinschaften zunächst nur ein den Regierungspräsidien eingetragen werden.

2004

Auch Leipzig feiert seit 2004 seinen eigenen Christopher-Street-Day

2005

Ab 1. Oktober 2005 können auch in Sachsen Lesben und Schwule eine "Eingetragene Partnerschaft" auf den Standesämtern eingehen.

2007-2009

Unter dem Namen "blu - Dein neuer Gegenpol im Osten" ist Euer "Gegenpol" seit 2007 überall dort zu finden, wo die Szene ist. Seit 2009 gibt's blu in ganz Mitteldeutschland und vernetzt hier die regionale Szene.

Jubiläum