Magdeburg/Halle/Erfurt

Thüringen und Sachsen-Anhalt sind auch schwul, lesbisch und trans*. Das sollte spätestens seit dem 12. September auch der Letzte wissen, denn nach zehn Jahren Abstinenz fand neben Erfurt und Magdeburg auch in Halle wieder ein CSD statt. In den beiden Domstädten waren im August die Protest-Feierlichkeiten leider am gleichen Wochenende angesetzt, sodass man als CSD-Tourist nur eine besuchen konnte. Das SchwuLesBische Straßenfest in der Halle krönte einen Monat später sechs ereignisreiche Monate zahlreicher queerer Großveranstaltungen in Ostdeutschland.

Während in Sachsen-Anhalt gemütliches Beisammensein mit Bühnenprogramm im Vordergrund standen, bahnte sich in Erfurt eine Demo ihren Weg durch die Innenstadt und zog ca. 500 Teilnehmer mit sich. Wen sonst beim Wort "Thüringen" der Appetit auf pralle Klöße und dicke Würstchen überkommt, der war selbst Schuld, wenn er am 22. August nicht zum "Transengucken" bei der Demo in Erfurt war.

In Magdeburg lud der LSVD in den Hof des Volksbad Buckau, das sich neben dem Geburtshaus von DDR-Ikone Erich Weinert befindet und seit einigen Jahren vom Frauenzentrum "Courage" geführt wird. Vertreter der fünf großen Parteien sowie der Piratenpartei, die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz und diverse Vereinsvertreter stellten sich auf der Bühne bohrenden Fragen und leisteten Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, begleitet von musikalischen Leckerbissen und knisternder Travestie, woran sich etwa 800 Schwule, Lesben, Trans* und ihre Freunde bei Bier und Steak erfreuten. Zwar fehlte das Laufpublikum des Liebigstraßenfestes der letzten Jahre, dafür war aber die Fluktuation geringer und auch einige Anwohner mischten sich unter die vergnügte Schar.

Somit fuhren in diesem Jahr mit Ausnahme von Chemnitz die queeren Einwohner aller mitteldeutschen Großstädte ab 200.000 Einwohnern die lackierten Krallen aus, um gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung zu kämpfen. Nach dem Bruch einiger Chemnitzer Vertreter mit dem Vorstand des Dresdner CSD-Vereins in diesem Jahr darf aber erwartet werden, dass es 2010 nach der letzten schwul-lesbischen Großveranstaltung vor sieben Jahren in der - abgesehen von den Metropolen Dresden, Leipzig und Berlin - größten ostdeutschen Stadt endlich auch wieder einen eigenen CSD geben wird.

mb

CSDs 2009