Anlässlich der Bundestagswahl Ende September sprachen wir mit dem FDP-Spitzenkandidaten Jan Mücke. Jan Mücke lebt offen schwul, er engagiert sich vielfältig für die Szene, so unter anderem auch beim CSD in Dresden.

Du bist jetzt seit einer Legislaturperiode Mitglied des Deutschen Bundestags. Welches Resümee ziehst du nun nach fast vier Jahren Arbeit in Berlin?

Für mich als junger Mensch, ist es zunächst eine große Ehre. Es ist ja nicht üblich mit so jungen Jahren schon in den Bundestag einzuziehen. Andererseits finde ich es auch sehr wichtig, dass Politik für Junge auch von jüngeren gemacht wird. Ich bin ja auch nicht völlig unerfahren nach Berlin gekommen. Bevor ich in den Bundestag einzog, war ich ja schon lange im Dresdner Stadtrat. Natürlich hat man große Erwartungen, wenn man nach Berlin kommt. Man denkt, dass dort alles viel professioneller ist. Letztendlich zeigt sich aber, dass es sich nicht viel von der Arbeit auf kommunaler Ebene unterscheidet. Auch dort muss man sich Freunde suchen und schauen mit wem man welche Themen durchsetzen kann.

Warum ist Dir politisches Engagement so wichtig?

Das liegt vor allem daran, dass Freiheit unser liberaler Hauptwert ist. Dabei ist Freiheit nicht so zu verstehen, dass man tun und lassen kann was man will; Freiheit heißt vor allem auch Verantwortung.

Dass bedeutet, dass ich auch für die Gesellschaft selbst Verantwortung übernehmen muss. Ich bin kein Politikkonsument, der sich vor den Fernseher setzt oder nur Zeitung ließt; es ist schließlich auch meine Angelegenheit über die in der Politik entschieden wird.

Gerade daher finde ich auch die Debatten über mehr Elemente direkter Demokratie sehr wichtig, denn in einer Demokratie sind alle gefragt mitzumachen.

Man hört und sieht oft, dass den Berufspolitikern der Bezug zum Leben außerhalb des Bundestages fehlt. Wie versucht du den Bezug zu den Bürgern herzustellen und wie sorgst du dafür "auf dem Boden zu bleiben"?

Die Arbeit als Bundestagsabgeordneter lässt sich leider nur als Berufspolitiker gestalten. Das ist bei den Kollegen in Landes- oder Kommunalparlamenten eine andere Sache. Wenn man jedoch zwei Wochen pro Monat in Berlin ist, lässt sich eine berufliche Tätigkeit nebenbei kaum realisieren. Daher ist es wichtig, dass man sich viel unter Leute begibt und viel mit anderen Menschen redet, zum Beispiel in der Sprechstunde oder wie jetzt im Wahlkampf. Ansonsten habe ich auch einen Freundeskreis, der mich regelmäßig auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, wenn sie das Gefühl haben, jetzt hebt er ab.

Politikverdrossenheit macht sich immer breiter – vielen Menschen ist es egal ob große Koalition, schwarz-gelb oder rot-grün regiert, da sie das Gefühl haben, dass sich sowieso nichts ändert. Wie wirkst du dem entgegen?

Das ist leider richtig. Demokratie ist eine anstrengende Angelegenheit. Man ist gezwungen Kompromisse zu schließen. So kommt es, dass mancher Bürger das Gefühlt hat, er habe eine bestimmte politische Richtung gewählt und bekommt dann doch ein ganz anderes Ergebnis. Vieles liegt aber auch daran, dass Parteien den Bürgern vor der Wahl unhaltbare Zusagen machen. Andererseits wenn beispielsweise der Kompromiss aus 0% und 2% Mehrwertsteuererhöhung 3% lautet, kommt man sich als Wähler natürlich etwas verklappst vor.

So etwas schädigt unsere Demokratie und muss aufhören. Parteien sind daher gehalten realistische Versprechen zu geben, die sie dann aber auch einhalten können. Der Bürger muss wissen, was ihn erwartet wenn er die eine oder andere Partei wählt. Dass man dann in einer Koalition wieder einen gemeinsamen Nenner finden muss, ist klar, jedoch sollten manche Politiker dann daran erinnern, was sie vor der Wahl ihren Wählern versprochen haben.

Wir danken für das Gespräch.

Jan Mücke im Interview