CSD Schwerin und Rostock

Mit dem Hissen der Regenbogenfahne vor dem Schweriner Rathaus begann am 26. Juni die kleine aber feine CSD-Woche in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, die im CSD-Straßenfest am 4. Juli gipfelte. Mit gerade einmal 96.000 Einwohnern ist Schwerin die kleinste Hauptstadt eines deutschen Bundeslandes und auch die kompakteste Stadt in Ostdeutschland, in der in diesem Jahr eine schwullesbische Großveranstaltung stattfand.

Zwei Wochen später, am 18. Juli, donnerte schließlich auch durch Rostock, das schwullesbische Mekka für alle ostdeutschen Gays, die nördlich von Berlin wohnen, eine Parade mit 13 Fahrzeugen und 3.500 Demonstranten - genauso viele wie im dreimal so großen Dresden im Juni und fast doppelt so viele wie in Leipzig. Zwei Welten, eine zentrale Forderung: die Aufnahme des Merkmals "sexuelle Identität" in den Gleichheitsartikel der Grundgesetzes und beide Veranstaltungen durchgeführt in Kooperation mit den anderen Mitglieds-Vereinen des CSD Nord e.V., dem Dachverband aller norddeutschen CSDs. Einige der Paradewagen kamen aus anderen Partnerstädten innerhalb des Vereins, wie z.B. in Rostock ein Cabrio aus Hamburg, dass mit einem süßen Prinzenpaar auf der Rückbank den Demonstrationszug eröffnete. Ebenfalls vertreten waren in beiden Städten Vertreterinnen vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz, die in der Hansestadt eine eigene Niederlassung unterhalten und wie immer in den auffälligsten Kostümen Aufklärungsarbeit leisteten.

Im am dünnsten besiedelten der Neuen Bundesländer gab es mit den beiden CSDs somit genau so viele wie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin und doppelt so viele wie in Thüringen und Brandenburg. Unter dem Motto "Eure Freiheit muss auch unsere sein!", fand die "Love Parade für die Gleichstellung von Homosexuellen in Mecklenburg-Vorpommern" in Rostock zum siebten Mal statt, Schwerin erlebte seinen dritten CSD. Beim Straßenfest auf dem Neuen Markt, dass auf die Rostocker Demo folgte, gab es jedoch ein kleines Manko: die angekündigte politische Talkrunde musste wegen mangelnder Beteiligung ausfallen. Da auf dem Straßenfest aber an fast allen Ständen reichlich Bier und Pommes verkauft wurden, kann man davon ausgehen, dass der Alkoholisierungsgrad der Gäste ohnehin keine Diskussionen über Gleichstellung mehr verkraftet hätte, was nicht gerade für den CSD Rostock spricht. Gänzlich unpolitisch ging es trotzdem nicht zu, denn auch vor dem rosa Rathaus direkt nebenan wehten die Regenbogenfahnen.

mb

Queer mit Bier