VIP Interview

Der amerikanische Schauspieler und Sänger Eric Lee Johnson wird ab September in Dresden im Musical "La Cage aux Folles" als Hausdiener Jacob auf der Bühne stehen. Bereits bei der deutschen Erstaufführung des Musicals 1985 im Theater des Westens in Berlin war er in der selben Rolle Mitglied des Premierenensembles. Als er damals nach Deutschland kam, war Eric 25 Jahre alt, jetzt - 25 Jahre später und fast genau zu seinem 50. Geburtstag - schließt sich für ihn ein Kreis und er reist für die aktuelle Aufführung im Theater wechselbad extra aus den USA an.

Bei den Proben hatte blu die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Eric.

Du spielst zum dritten Mal in einer deutschen Produktion des Musicals "Ein Käfig voller Narren" die Figur des Hausdieners Jacob. Was verbindet Dich mit dieser Rolle?

Als Jacob stand ich ja schon über 500 Mal in drei unterschiedlichen Produktionen dieses Musicals auf der Bühne. Ich habe die Rolle 1985 bei der deutschsprachigen Premiere angenommen, weil mir Regisseur Helmut Baumann dafür die Gelegenheit gab, meine eigenen Ideen über die Figur einzubringen. Dadurch konnte ich dem Jacob mehr Charakter geben, sie stach mehr raus als im ursprünglichen Buch vorgesehen.

Es ist ja insgesamt eine sehr eigene Figur, die auch in der Dresdner Aufführung wieder auffallen wird, es wird einige visuelle Überraschungen geben. Die Idee, dass ich die Rolle in Dresden übernehmen soll, hatte übrigens der musikalische Leiter Rolf Kühn, der auch schon 1985 dabei war. Das Angebot habe ich natürlich gerne angenommen.

Worin liegt der Unterschied der Inszenierungen von 1985 und heute?

Die Inszenierung des Theaters des Westens damals war sehr opulent mit wuchtigen Kostümen. Es war fast zu viel des "schönen Scheins". Die Produktion in Dresden ist natürlich kleiner, bewegt sich aber gerade deswegen näher am Buch. Es ist eine neue Inszenierung mit einem neuen Regisseur, die eben auch anders sein soll. Ich habe da ein sehr gutes Gefühl. Die Dresdner Aufführung ist "klein und fein", auch wegen der großartigen Kostüme von Ella Späte. Und natürlich freue ich mich auch auf die neuen Spielpartner in Dresden.

Heute gibt es sogar bei den konservativen Parteien offen schwul oder lesbisch lebende Politiker, die in ihren Parteien akzeptiert werden und Führungspositionen einnehmen. So ein Versteckspiel wie im Stück scheint heutzutage nicht mehr notwendig. Wie aktuell ist für dich das Stück noch?

Ich denke, es ist leider immer noch sehr aktuell. Ignoranz und Intoleranz wird es immer geben. Aber es werden ja nicht nur Homosexuelle diskriminiert, es geht in der Welt ja auch um anderes mehr, um Hautfarbe, um Religionen und mehr. Eben darum, dass man anders ist. Viele haben ja auch Angst vor dem "Anderen" und das schlägt oft leider in Gewalt um.

Und viele haben ja auch den Nachteil, sich nicht verstecken zu können, wer z.B. schwarz ist, kann das nicht. Insofern hat es ein Schwuler in der Öffentlichkeit vielleicht etwas leichter. Aber jeder muss für sich eigene Entscheidung treffen, denn es gehört auch Mut dazu, sich zu etwas zu bekennen. Ich bin einfach ein Mensch: "I am what I am" - was ja auch das Motto des Stücks ist.

Du bist für deine Rollen in der ganzen Welt unterwegs. Bleibt da das Privatleben nicht auf der Strecke?

Ja, leider. Ich bin schon seit Jahren Single. Theaterleute führen oft ein Zigeunerleben. So einer bin ich, damit ich jederzeit "Kommen und Gehen" kann. Bis jetzt hatte ich auch nicht das große Bedürfnis, mich zu binden. Aber nun, so kurz vor dem 50. Geburtstag ändert sich das irgendwie und ich würde gerne einen Partner in meinem Leben haben.

Vielen Danke für das Gespräch

my

Eric Lee Johnson