Der CSD in Dresden in diesem Jahr war unbestritten der bisher beste, den die Landeshauptstadt erlebte. Die Teilnehmer hatten Spaß beim Umzug durch die Stadt und auch das Bühnenprogramm beim Straßenfest konnte sich sehen lassen. Trotzdem gab es auch wieder kritische Stimmen, weniger am diesjährigen Ergebnis, eher die Organisation bzw. die Organisatoren standen im Mittelpunkt der Kritik.

Wir sprachen mit Jürgen Kießlich, Vorstand des CSD e.V., über Licht und Schatten des Dresdner CSD 2009.

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Hallo Jürgen, erst einmal herzliche Glückwünsche zur erfolgreichen CSD-Woche in Dresden. Wie habt Ihr als Organisatoren den CSD erlebt?

Für uns war der CSD natürlich viel stressiger als die Jahre zuvor, denn immerhin haben wir uns in allem verdoppelt: doppelt so viel Tage Straßenfest, doppelt so viele Wagen zur Demo, fast doppelt so viele Besucher beim Straßenfest und doppelt so viele Ausgaben und Einnahmen - trotz Wirtschaftskrise und Co. Also wir waren überrascht von der Stimmung und vom Feedback dieses Jahr - trotz kleiner Fehler, die aber normal sind. Also wir fanden: das war hammergeil, wie die Community das Anliegen eines CSD präsentieren, politisieren und feiern kann.

Am Terrassenufer legte der Umzug einen längeren Zwischenstopp ein. Du erzähltest etwas von einer Gegen-Demo. Kannst Du hierzu Hintergründe berichten?

Wir haben von besorgten Anwohnern der Prager Straße den telefonischen Hinweis bekommen, ca. 50 Rechte würden sich mit Transparenten auf der Prager Straße nähe Kugelhaus zusammenrotten und da haben wir aus Sicherheitsgründen erst mal die Polizei zur Klärung vorgeschickt. Schließlich ist die Sicherheit der Demoteilnehmer das wichtigste. Deswegen auch der längere Stopp am Terrassenufer. Aber es sollen linke Autonome gewesen sein, laut Polizei. Aber eben die Sicherheit geht für uns und die Demoteilnehmer vor.

Kritik gab es in diesem Jahr weniger von den Besuchern als von teilnehmenden Vereinen oder Parteien. Die CDU war unzufrieden mit der Wagenposition am hinteren Ende des Umzugs, die HuK fühlte sich hinter Bierbänken versteckt und so diskriminiert, dass sie ihre Teilnahme am CSD 2010 absagten. Wir reagiert der CSD e.V. auf diese Kritik?

Demowagenplatzierung ist ein schwieriges Thema: letztendlich will keiner gern der letzte Wagen sein - dass es diesmal die CDU getroffen hat, tut uns leid, aber man kann ja auch positives drin sehen: So haben die Demobesucher und "Zaungäste" genug Zeit sich zu sammeln, um die CDU zu bewundern. Wir sind natürlich für jede Kritik, die konstruktiv und sachlich ist, offen und setzen uns damit auseinander. Nicht die HuK fühlte sich diskriminiert, sondern die Regionalgruppe Chemnitz/Erzgebirge, denn die Vertreter der HuK Dresden waren total begeistert. Schwierig ist es, jedem alles Recht zu machen. Aber wie gesagt, konstruktive Kritik ist willkommen und wir haben auch ein Ohr und nehmen uns die Zeit, um mit Betroffenen zu reden. Wer uns dazu allerdings gar nicht erst die Chance gibt, verspielt damit auch die Möglichkeit zur Verbesserung. Und alle Wünsche der HuK Chemnitz/Erzgebirge können gar nicht umgesetzt werden, da müssen und sollten Kompromisse gefunden werden, wenn man uns überhaupt dazu Gelegenheit gibt, was aber von vornherein ausgeschlossen zu sein scheint.

Des weiteren wurden undurchsichtige Standgebühren und eine so genannte Sondernutzungsgebühr beanstandet. Was hat es damit auf sich?

Naja, das leidige Thema Standgebühren. Wir haben uns auf Grund der Kosten allein für die Reinigung des Platzes von 1500 Euro dazu entschlossen, auch Infostände daran in geringem Maße zu beteiligen. Infostände zahlen für einen Stand ab 3x3 Metern pauschal 25 Euro Nebenkostengebühr. Das war für ALLE Infostände gar kein Thema - nur die HuK Chemnitz/Erzgebirge hatte sich darüber beschwert, aber auch deshalb, weil ich mich etwas undeutlich ausdrückte, was in der kürze der Zeit zwischen Anmeldedatum und Straßenfest selbst lag. Auch hier wurden aber keine Zeit oder Möglichkeit zur Erklärung gegeben, sondern gleich "Konsequenzen" gezogen, was uns sehr leid tut, aber Müll verursacht jeder und zwischen theoretischem und praktischem Platzaufbau ist ein großer Unterschied. Aber auch da können und sollten man miteinander reden. Wir sind zu jedem Gespräch generell bereit.

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick auf 2010, was erwartet uns 2010?

Naja, nach diesem CSD können und wollen wir so weiter machen. Es wird also, nach bisherigen Planungen wieder zwei Tage Straßenfest geben, auch werden noch mehr LKW zur Demo angestrebt und auch "Sachsen6er" wird wieder statt finden. Los gehen die offiziellen Planungen letzten Donnerstag im Monat ab September um 19 Uhr wieder im Rathaus. Jeder, der kann und will, ist herzlich eingeladen, den CSD in Dresden für Sachsen noch größer zu machen. Ehrenamtliche Helfer können in jedem Bereich mitmachen.

Wir als Organisatoren danken aber ganz sehr der gesamten Community, allen Helfern, Sponsoren und Spendern in Dresden und Sachsen für dieses megageile Event und versprechen: ES GEHT NOCH MEHR, BESSER und GRÖßER - mit und für euch.

Der CSD Dresden 2009 im Gespräch