Wenn Leipziger auf die Straße gehen ...

Der amerikanische Unabhängigkeitstag, der an die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erinnert, wurde - anders als im Film - in diesem Jahr nicht von Außerirdischen gestört. Wie gestörte Außerirdische behandelt dagegen, werden aber auch heute noch in vielen Teilen der Welt Schwule und Lesben, die im Judentum und in China offiziell nicht existieren, denen im christlichen Amerika durch Umerziehungsversuche schwere psychische Schäden zugefügt werden, die in islamischen Ländern als Kriminelle verfolgt und zum Teil hingerichtet werden und die selbst in Deutschland noch immer rechtlich und gesellschaftlich benachteiligt werden.

Also begann in Leipzig am 4. Juli gleich eine ganze Unabhängigkeits-Woche, die mit diversen Vorträgen und Veranstaltungen über die Situation sexueller Minderheiten aufmerksam machte und am 12.7. wieder im Umzug sowie dem allseits beliebten Prideball gipfelte. 2009 Jahre nach der Geburt Christi, dem John Lennon der Antike, stand dann schließlich auch mal wieder die CDU im Schafspelz auf dem CSD, während sie die letzte der großen Parteien ist, die gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften die rechtliche Gleichstellung zur Ehe verweigert und die den Artikel 3 des Grundgesetzes aus Rücksicht auf die Wirtschaft nicht um ein Verbot von Diskriminierung aus Gründen der sexuellen Orientierung erweitern will.

Vor dem Neuen Rathaus, auf dessen Gelände bis 1897 die Pleißenburg stand, in der Martin Luther vor 470 Jahren mit der "Leipziger Disputation" seinen Standpunkt zur zeitgenössischen Kirche darlegte - ein wichtiger Schritt zur Reformation - war in diesem Jahr zum ersten Mal die Regenbogenfahne gehisst worden, die in den vergangenen Jahren immer dahinter versteckt wurde, als müsste man zum Schwulsein in den Keller gehen.

Um 13 Uhr begann die Demonstration mit den Reden mehrerer Lokalpolitiker vor der Nikolaikirche, von der ausgehend 1989 mit der friedlichen Revolution erst die Mauer und schließlich der ganze Unterdrückungsapparat der DDR hinweggefegt wurde. Des Weiteren stellten sich Vereine, Parteien, Initiativen und andere Leipziger Institutionen vor.

Mit dem Motto "Homophobie ist heilbar" gewann Leipzig in einem Voting zum schönsten CSD-Motto 2009 auf queer.de Platz 1, insgesamt war der mit sechs Jahren noch sehr junge CSD der Messestadt wie immer sehr politisch, war aber mit dem bunten Demoausklang in der Münzgasse, vereinzelten Imbissbuden und dem erstmalig eingesetzten Truck samt Techno und Animateur um ein paar farbenfrohere Facetten bereichert worden, was sich prompt in der sprunghaft angestiegenen Gästezahl widerspiegelte.

mb

CSD in Leipzig