Im Jahr des 40-jährigen Jubiläums des Stonewall-Aufstands, auf den die weltweiten Pride- und CSD-Umzüge zurückgehen und 30 Jahre nach den ersten gleichnamigen Demonstrationen in der BRD denkt man auch in Thüringen an die Anfänge der 25-jährigen Tradition zurück, die sich am 22. August wieder in einer bunten Parade mit politischem Hintergrund ihren Weg mitten durch die Innenstadt der Landeshauptstadt bahnt.

Was vor einem Viertel-Jahrhundert wie die meisten Reform- und Protestbewegungen in der DDR nicht ins ideologische Bild passte, begann als Gedenkveranstaltung für die homosexuellen Opfer des Nazi-Terrors im ehemaligen KZ Buchenwald noch unter dem Dach der Kirche, hat sich seitdem aber zu einer großen und einflussreichen Veranstaltung entwickelt, die - im Verhältnis zur Einwohnerzahl - den CSDs in den anderen mitteldeutschen Großstädten in nichts nachsteht.

Mehr noch - was in Leipzig in diesem Jahr zum ersten Mal möglich war und in Dresden noch immer nicht durchgesetzt werden konnte, wurde in der Landeshauptstadt Thüringens schon seit 2006 verwirklicht: die Hissung der Regenbogenfahne am Rathaus als deutliches Zeichen der Volksvertreter, dass gesellschaftliche Gleichstellung auch von oben gewünscht ist und angestrebt wird und als offizielle Bestätigung dafür, dass Schwule, Lesben und Transgender in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und dort willkommen sind.

Nachdem in Dresden in diesem Jahr zudem zum ersten mal die Oberbürgermeisterin die Schirmherschafft über den CSD übernommen hat, die Zusage ihrer Teilnahme dann aber doch wieder zurückgezogen hat und in Leipzig ebenfalls alle aufgetretenen Politiker der Lokalpolitik von geringerem Rang waren, war ebenfalls Erfurt Vorreiter, wo die zentrale schwullesbische Demonstrationsveranstaltung bereits seit fünf Jahren durch den mächtigsten Mann der Stadt repräsentiert wird, der in diesem Jahr auch persönlich zugegen sein wird.

Nach verschiedenen Stationen in kleineren Städten des Freistaates hat der Thüringer CSD nun in der Landeshauptstadt seine feste Heimat gefunden, bleibt aber seinen Wurzeln treu, denn jedes Jahr wird in der Mahn- und Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers bei Weimar weiterhin der Verfolgung sexueller Minderheiten im Dritten Reich gedacht, 2006 wurde dort schließlich auch ein Denkmal für die homosexuellen Opfer eingeweiht. Bleibt zu wünschen, dass der CSD Thüringen in den nächsten Jahren weiterhin an Ausstrahlung und politischem Einfluss gewinnt, blu im Osten bleibt für Euch am Ball.

mb

25 Jahre homosexuelle Emanzipationsbewegung in Thüringen