Ein Mann mit vielen Gesichtern

Er ist ein Teil der Ruhmkugeln, die mit "Gretchen 89 ff." auf der Bühne in Dresden stehen, und im August feiert Christian Kühn bei der Komödie im Park mit dem Stück "Restlos ausverkauft!" gleich in 44 Rollen an einem Abend Premiere - 24 Frauen, 20 Männer und darunter 2 ½ Schwule.

Bei den Proben traf blu den Jungschauspieler zu einem kurzen Gespräch über seine Rolle, die Ruhmkugeln und Privateres. www.chris-kuehn.de

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Hallo Christian, danke dass Du Dir Zeit für uns genommen hast. Du probst gerade 44 Rollen für einen Theaterabend, wie behält man da den Überblick?

Tja, das frage ich mich derzeit auch öfter (lacht). Das geht nur, indem man jede Rolle wirklich sehr genau baut. Wie spricht sie, wie bewegt sie sich, was macht sie. Bei der großen Anzahl der Rollen ist das natürlich nicht einfach, aber gerade da liegt für mich der Reiz des Stückes. Das schnelle Switchen zwischen Rollen, ohne unterstützende Hilfe von Kostüm und Maske ist schon ein Kraftakt und ich bin sehr froh, noch einige Probentage vor mir zu haben.

Wieso eigentlich 2 ½ Schwule? Und welche Figuren sind unter anderem noch dabei?

Nun, Ben, die Hauptfigur des Stückes, hat eigentlich eine (zugegebenermaßen recht anstrengende) Freundin. Nach einer durchzechten Nacht landet er jedoch beim Tänzer Lukas im Bett, was ziemliches Chaos verursacht ... Für welches Geschlecht Ben sich am Ende entscheidet und ob er sich outet, verrate ich mal noch nicht.

Darüber hinaus gibt es seine ständig von Migräne geplagte Chefin Sabine, den österreichischen Intendanten, die Klatschreporterin Dagmar Danz, die Opernsängerin Uta Straßberg, Diddi, den persönlichen Assistenten von Heidi Klum und die Dramaturgin Dorte Zyprese, die man schon in "Gretchen 89 ff." kennen lernen konnte.

Du bist neben Philipp Richter Teil der "Ruhmkugeln", in Dresden auch im August mit "Gretchen 89 ff." zu sehen. Wie kam es zu den "Ruhmkugeln"?

Philipp und ich kennen uns schon seit Schulzeiten und haben damals parallel zum Abitur Theaterunterricht in Chemnitz genommen und in Inszenierungen am Theater Chemnitz auf der Bühne gestanden. Da wir mit unserem Humor auf der gleichen Welle schweben, entstanden mehr im Jux und zur Belustigung von Freunden witzige Figuren, bei denen schließlich die Leute um uns meinten: die müsst ihr auf die Bühne bringen! So fingen wir an, Sketche zu schreiben und testeten uns bei kleineren Veranstaltungen aus. Der Zufall hielt uns die folgenden Jahre immer zusammen: die selbe Schauspielschule, das erste Engagement in der selben Stadt. Somit wuchs nicht nur die Anzahl der Auftritte, sondern auch das Repertoire an Rollen.

Du wurdest in Chemnitz geboren, lebst jetzt aber in Berlin und Dresden. Du bist viel unterwegs, kommt das Privatleben dabei nicht zu kurz?

Ich mag eigentlich das "geteilte Leben". Meine Wohnung in Berlin ist für mich Lebensmittelpunkt und ich liebe die Stadt. In Dresden habe ich viele Freunde und genieße hier die Vorzüge des WG-Lebens mit meiner besten Freundin. Das Privatleben eines Künstlers ist immer schwierig, oft ist der Arbeitsort eben nicht der eigentliche Wohnort. Das ist für eine Beziehung natürlich eine Bewährungsprobe, die nicht immer gut geht.

Vielen Dank für das Gespräch. blu wünscht nicht nur einen Theaterabend, der "Restlos ausverkauft!" ist ...

Christian Kühn