Das war der CSD in Dresden

Bei strahlendem Sonnenschein war die CSD-Parade in Dresden in diesem Jahr mit 17 Fahrzeugen, viermal so viele wie 2008, vom Albertplatz zum Altmarkt unterwegs. Mit knapp 3000 Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Freunden der Community, die laut und bunt am Umzug teilnahmen und Respekt einforderten, war der CSD nicht zu übersehen. Als die Demo den Altmarkt erreichte, war klar, dass Dresden die bisher größte und längste CSD-Parade erlebt hatte.

Obwohl traditionelle Party-Trucks fehlten, gab es neben zahlreichen Vereinen und Parteien viele neue Repräsentanten, z.B. den Online-Sexshop "Dildoking" mit einem Truck. Alles, was Rang und Namen hatte, war mit Informations-Ständen oder Promotion-Teams vertreten und sogar vor dem Kulturpalast waren wieder Regenbogenfahnen gehisst.

"Willst Du meine Frau werden?", fragte auf der Dresdner CSD-Bühne ein Mädchen seine Freundin - sie wollte. Seit dem New Yorker "Stonewall-Aufstand" 1969 erkämpfen engagierte Menschen laut und bunt jedes Jahr auch all denen ihre Rechte, die zu Hause bleiben und ihre Freiheit für selbstverständlich halten, und haben erneut gezeigt, dass wir eine große Gemeinschaft von Individuen sind, die friedlich, aber konsequent für Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung eintritt.

Ob ich so gelagert sei, weil meine Eltern das auch gemacht hätten, und ob ich es nicht ändern könne oder nur nicht wolle, wollte gegen Ende der Veranstaltung ein älterer Herr von mir wissen. "Ich kann nicht, ich will nicht und ich muss nicht", antwortete ich. Normalität sieht anders aus, da stellen sich solche Fragen gar nicht mehr, aber ohne den CSD hätte dieser Mann sich vermutlich auch nicht mit dem Thema Homosexualität auseinander gesetzt. Die Bedeutung dieses Tags liegt also in der Kommunikation. Wir zeigen, dass es uns gibt und dass wir viele sind. Durch Aufklärung und Präsenz wurde in den letzten Jahrzehnten viel erreicht, doch noch immer gibt es Vorurteile in unserer Gesellschaft.

Klischees bleiben aber nur so lange am Leben, wie wir ihnen Nahrung geben und das hat sich einmal mehr am CSD-Abend gezeigt, als zeitgleich zur CSD-Abschluss-Party mit den Szenegrößen Regino (Black), Miss Claire Rasil (Disco) und DJ Atimo (Electro) die Indie-Party "queerbeats" stattfand, für alle, die nicht im "Mainstream" mitschwimmen wollten - homosexuell heißt eben nicht homogen, aber gerade auf diese Vielfalt können wir stolz sein - Einigkeit in der Verschiedenheit.

Als sich im Hauptbahnhof zwei Freunde von einander verabschiedeten, rief eine Frau: "So was! Da haben sich zwei Männer geküsst!" - und das dürfen sie auch. Sie waren nicht die einzigen und nicht nur an diesem Tag und in dieser Stadt. Deshalb werden wir auch zum nächsten CSD und an den restlichen 364 Tagen des Jahres unser Leben leben - das sollten wir, das werden wir und das müssen wir.

mb

Ja, ich will!