Der Leipziger CSD ist politisch

Die Reise auf dem CSD-Regenbogen geht im Juli in Leipzig weiter. Vom 4. bis 12. Juli feiert die Community in der Messestadt eine bunte und vor allem sehr politische CSD-Woche unter dem Motto: "Homophobie ist heilbar!".

Bereits im Vorfeld startete eine Plakataktion zum Thema Homophobie, um auf die alltägliche Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgendern aufmerksam zu machen (blu berichtete bereits im Juni-Heft). Die Kampagne soll den/die Betrachter/in mit seinen versteckten Vorurteilen konfrontieren und zum Nach- bzw. Umdenken anregen. "Wir hoffen, dass über unsere Plakatkampagne Vorurteile abgebaut werden und gleichzeitig zivilcouragiertes Verhalten zur Verhinderung von Übergriffen und Diskriminierungen gefördert wird." sagte Prof. Markus Dreßen (HGB).

Weitere Veranstaltungen gehen direkt auf das Problem Homophobie ein. Am Dienstag, den 7. Juli, findet im Neuen Rathaus die Diskussionsveranstaltung "Schwule (&) Nazis" statt, die sich nicht nur mit Homosexuellen in der Opferrolle beschäftigt, sondern auch diskutiert, warum Schwule auch (Neo)Nazi waren oder sind, oder ob eine entsprechende Symbolik (nur) als Fetisch benutzt wird.

Mit dem Thema "Homophobie im Sport" beschäftigt sich die Veranstaltung am Mittwoch, den 8. Juli, ebenfalls im Neuen Rathaus. Sind Spitzensport und Homosexualität miteinander vereinbar? Scheinbar müssen sich, gerade im machohaften Fußball, Sportler oder Sportlerinnen für eines entscheiden. Für Anerkennung und Förderung im Sport werden private Neigungen untergeordnet oder gar versteckt. Es geht aber auch um Homosexuelle im Breitensport. Gibt es hier Anfeindungen oder gar Gewalt gegen Lesben oder Schwule in Vereinen oder Sportzentren?

In diesem Kontext sind die Organisatoren stolz, dass der Sportbürgermeister Heiko Rosenthal die Schirmherrschaft für den CSD übernommen hat. In seinem Grußwort an den CSD Leipzig schreibt er: "... genauso wie viele andere Bereiche des täglichen Lebens ist leider auch der Sport nicht frei von Diskreditierungen und Diskriminierungen von Homosexuellen. Für mich ist dabei entscheidend, die wichtige und richtige Arbeit zum Abbau von Diskriminierungen gegenüber Lesben und Schwulen auf Vereinsebene fortzusetzen. Gerade in der großen Familie des Sports - dem Schmelztiegel unserer Gesellschaft - ist Vielfalt ein unantastbares Gut. Der Mut, offen zu dieser Vielfalt zu stehen, darf auch vor der sexuellen Orientierung nicht Halt machen. Weder auf dem Sportplatz, in der Vereinskneipe oder im Vorstand. Getreu dem diesjährigen Motto des CSD Leipzig möchte ich persönlich mit dieser Schirmherrschaft Mut machen." So schließt sich denn auch der Kreis zur bereits erwähnten Plakataktion, die auch ein Sportlermotiv enthält.

Die Leipziger Innenstadt wird am 11. Juli durch die Abschlussdemo und das anschließende Straßenfest aufgeweckt, wenn der CSD laut, politisch und bunt durch die Straßen zieht und die Teilnehmer für Gleichberechtigung und gegen Homophobie demonstrieren werden. Die Demo wird diesmal am Eingang der Münzgasse enden, wo ein buntes Bühnenprogramm von WIWA präsentiert wird. Zu erleben sind hier unter anderem Miss Chantal und "Das kleine Miststück - Die Rosenstolz Show". Der Partyhöhepunkt der CSD-Woche ist natürlich der Prideball, zu dem sich am Samstagabend wieder die Türen des Spiegelzelts in der Kongresshalle am Zoo öffnen werden.

Leipziger Motto überzeugt

Das Leipziger CSD-Motto "Homophobie ist heilbar!" hat auch die Besucher des Onlineportals queer.de überzeugt. Bei einer Online-Abstimmung über die besten Losungen der CSD-Städte erreichte das Leipziger Thema mit Abstand den ersten Platz. 47,7% der Teilnehmer an der Umfrage des Portals wählten "Homophobie ist heilbar!" zum schönsten CSD-Motto 2009.

Den 2. Rang belegte der CSD Rostock mit "Eure Freiheit muss auch unsere sein" (23,4%) vor Köln auf Platz 3 mit "Unsere Freiheit hat Geschichte".

Die Route 2009

Der Nikolaikirchplatz ist auch in diesem Jahr Startpunkt der CSD-Demonstration in Leipzig. Hier präsentieren sich ab 13 Uhr Vereine, Parteien Organisationen mit Infoständen. Um 15 Uhr startet der Umzug durch die Innenstadt. Die Route führt in zunächst über den Brühl und die Katharinenstraße zum Markt. Später wird das neue Rathaus erreicht, wo die Regenbogenflagge erstmals offiziell "vor" dem Rathaus gehisst wird.

In diesem Jahr endet die Demo an der Münzgasse/Ecke Petersteinweg. Hier erwartet die Teilnehmer ab ca. 16:30 Uhr ein buntes Bühnenprogramm mit vielen Überraschungen - präsentiert von der bekannten Leipziger Travestiegruppe WIWA.

Homophobie ist heilbar!