Interview mit Steve Hebes, Inhaber des Buchverlags "bukstor"

Steve, in Zeiten von Webstores, Online-Marktplätzen und virtuellen Communities gründest du einen Buchverlag - wie kam es dazu?

Der ursprüngliche Gedanke hinter dem Verlag war die einfache Tatsache, dass ich, als ich mein eigenes Buch veröffentlichen wollte, bei großen, etablierten Verlagen auf Ablehnung gestoßen bin, da diese das Risiko scheuen, ein Buch eines unbekannten Autors in großer Stückzahl herzustellen. Und die kleineren, die so genannten on-demand-Verlage lassen sich meist die Herstellung und den Druck des Buches von den Autoren bezuschussen. Hier wollte ich einen Mittelweg finden. Ein Verlag mit kleinen Auflagen und geringerem Risiko, bei dem Autoren aber nichts bezahlen müssen.

"bukstor" ist bereits dein zweiter Buchverlag, was hast du verbessert?

Zunächst hatte ich mich damals mit dem falschen Partner eingelassen, dann Manuskripte angenommen obwohl noch nicht einmal der Produktionsprozess stand, Werbung für die falschen Dinge und in den falschen Medien gemacht usw. Aber es war kein totaler Reinfall. Ich habe so einige Autoren kennen gelernt, wie z.B. Wolfgang Hiller, Saskia V. Burmeister oder Sascha Hupach, deren Werke ich jetzt mit bukstor vertreibe. Außerdem werbe ich gezielter und als wichtigste Verbesserung: ich habe die Produktion, also den Druck der Bücher, in fähigere Hände als die meinen abgegeben, wodurch sich eine enorme Qualitätssteigerung erzielen ließ.

Wie sprichst du mit deinem Angebot speziell schwule Leser an?

Eigentlich gar nicht. Warum auch? Den schwulen Leser gibt es nicht, genauso wenig wie den heterosexuellen, bisexuellen oder lesbischen Leser. Das finde ich an Büchern das Faszinierende. Es gibt in jeder Altersstufe, in jedem sozialen Umfeld, ganz gleich welcher sexuellen Neigung jemand nachgeht, welchen Beruf er ausübt usw. Leute, die lesen, und solche, die es nicht tun. Speziell schwule Leser anzusprechen, würde ich von meinem Standpunkt aus betrachtet eher sogar als Diskriminierung ansehen.

Ist die Erweiterung deines Sortiments um schwul-lesbische Literatur erwünscht und vorgesehen?

Geplant ist diesbezüglich derzeit nichts. Unerwünscht ist es aber auch nicht. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, kein Manuskript abzulehnen, nur weil es nicht ins Verlagsprogramm passt. Sollte also ein schwullesbisches Werk eingereicht werden, wird dieses genauso geprüft wie jedes andere Skript und wenn es passt, bring ich es auch raus. Allerdings sicher nicht in einem regenbogenfarbenen Einband. (lacht)

Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich Verlagen durch moderne Kommunikationswege und speziell das Internet?"

Natürlich bietet das Internet Chancen. So zum Beispiel bei Buchrezensionen. Ich gebe von jedem Werk eine bestimmte Menge zu Werbezwecken an Zeitungen, Zeitschriften und Internetforen wie www.roterdorn.de. Aufgrund der Menge der Neuerscheinungen in Deutschland ist es für kleine Verlage wie bukstor einfacher, dort Gehör zu finden und so auch Werbung zu bekommen. Außerdem wird man im Netz einer breiten Masse zugänglich gemacht, ohne in jeder Stadt eine eigene Filiale zu besitzen. Denn genau das ist im Moment das Problem kleinerer Verlage. Der Buchgroßhandel setzt ein bestimmtes Sortiment voraus, damit es die Bücher des Verlages in sein Programm aufnimmt und nur wer im Großhandel ist, hat die Chance, seine Bücher irgendwann einmal in Buchläden oder bei amazon verkaufen zu können.

mb

www.bukstor.de