Saunen haben in der schwulen Subkultur eine lange Tradition. Ob zum "Herren"tag im Familiendampfbad oder schwuler Sauna mit Cruisingbereich, Männer, die Männer mögen, findet man überall. Der blu Saunareporter hat sich umgesehen und stellt in dieser Serie interessante Badehäuser vor - in diesem Monat:

Treibhaus Berlin

Unlängst wurde ich in Berlin (ausgerechnet im darkroom!) Zeuge einer Unterhaltung zwischen zwei "Eingeborenen". So sehr ich mich über die lautstarke Störung ärgerte, so sehr musste ich doch dem Inhalt der Unterhaltung zustimmen. Das Fazit lautete: Hätte man Geld, müsste man in Berlin eine schöne, große Sauna aufmachen. Und tatsächlich fiel mir auf, dass mir der Gedanke schon vor ein paar Jahren selbst gekommen war. Vergleicht man die Spitzenhäuser schwuler Saunakultur in Deutschland, das Badehaus am Römerturm in Köln, die Deutsche Eiche in München oder die Stargayte in Leipzig mit den Saunen Berlins muss man zuallererst enttäuscht feststellen, dass es in Berlin nichts Vergleichbares gibt. Das ist für eine der angesagtesten europäischen Großstädte, die mehr als 3 Millionen Einwohner hat, doch recht erstaunlich.

Fand sich noch in den Neunzigern im Spartacus hinter dem Hinweis auf die Apollo-Sauna das berühmte Ausrufezeichen, das einem signalisierte, die solltest du gesehen haben, bevor du wieder abreist, so ist die größte Sauna Berlins inzwischen zu einem Lokal geworden, in dem die Beziehungen der Gäste zueinander eher geschäftlicher als freundschaftlicher Natur sind. Es gibt zwar seit geraumer Zeit Bemühungen die Sauna wieder aufzuwerten und es wurde auch einiges investiert, aber der Ruf scheint vorerst ruiniert und die dortige Geschäftsleitung wird langen Atem beweisen müssen, bis sich das wieder bessert.

So bleibt als empfehlenswert eine Sauna übrig, die, um ihren wirklich Nachteil gleich zu Beginn zu nennen, zwar klein ist, aber dennoch Atmosphäre besitzt. Das Treibhaus, so der Name der Sauna, hat schon mal den Vorteil der guten Lage. Mitten im Szene-Viertel Prenzlauer Berg kurz nach der Wende gegründet, hat sie den Vorteil in einem toleranten, studentischen und weltoffenen Milieu gewachsen zu sein. Und so wie die Einwohner des Stadtteils sind, so sind auch die Gäste der Sauna, überwiegend jung. So sehr der eine oder andere vielleicht den Jugendwahn der heutigen Zeit beklagen möchte, ist das junge Publikum doch ein ganz wesentlicher Magnet.

Die Räumlichkeiten bieten im Wesentlichen das, was man als Saunagänger erwartet. Die finnische Sauna ist ordentlich heiß, was man längst nicht in jeder Schwulensauna antrifft, und am Montag und Donnerstag werden ab 16 Uhr stündlich Aufgüsse gemacht. Die Dampfsauna stammt leider aus Tagen als die jungen Schwulen noch nicht so verklemmt waren wie heute, d.h. ein Labyrinth mit kleinen Rückzugsecken gibt es hier nicht. Die Karte ist gut, enthält kleine Speisen und die Preise sind nicht übertrieben hoch. Der im ersten Moment nicht gerade günstig erscheinende Eintrittspreis von fast 20 Euro enthält immerhin einen Verzehrgutschein für 6 Euro, sodass sich der Schock doch recht bald legt und man am Ende einer durchlebten Saunanacht am frühen Morgen zufrieden nach Hause geht.

Saunaguide