"Sensation Night", Leipzig

Hallo Jan, Du bist im Münchner Nachtleben eine feste Größe, was hat Dich nach Leipzig verschlagen?

Der große Wunsch, in Ostdeutschland ähnlich große Partys zu etablieren wie etwa in Köln oder Stuttgart. Außerdem bin ich von der Location Volkspalast absolut begeistert. Für die Leipziger ist das sicher ein alter Hut, aber ein verdammt schöner!

Zur ersten "Sensation Night" in Leipzig hast Du ein spektakuläres Programm aufgefahren und bist damit gut angekommen - feiert man im Osten anders als im Westen bzw. im Süden?

Definitiv! Ich behaupte, dass man im Osten herzlicher und exzessiver feiert. Auch die Überheblichkeit und Arroganz, die in manch anderen Städten an den Tag gelegt wird, ist hier weitaus weniger zu spüren. Ich bin auch sehr überrascht, dass die Schwulen und Lesben so friedlich miteinander feiern. Woanders undenkbar. Aber ich finde es toll! An der Stelle einen Gruß an die Think Pink nach Dresden.

Du hast in München, Stuttgart und Frankfurt die Dinnershow "Pink Palazzo" veranstaltet, zuletzt anlässlich der blu Szenepreisverleihung im Januar - ist dieses Event auch für Sachsen geplant?

Das schliesse ich nicht aus. Es kommt auf die Rahmenbedingungen und die Nachfrage nach so einem Event an. Ich bin da für Vorschläge und Kooperationen offen.

Warum funktionieren Gayparties nicht donnerstags, wie du in München mit Deiner Partyreihe "Queer Kitchen" festellen musstest?

Gayparties unter der Woche sind in der Tat schwierig, aber nicht unmöglich. Man hat an diesem Tag nur wenig Klientel zur Verfügung. Dieses sollte aber einiges geboten bekommen abseits von Mainstream und jungen Hüpfern. Die Zielgruppe fängt da denke ich bei 25 an bis open end. Und um auf die eigentliche Frage zurückzukommen, in einigen Großstädten Deutschlands ist die Szene wahnsinnig "unmobil", d.h. veranstaltet man eine Party außerhalb der rosa Zonen fällt es vielen schwer, diese zu verlassen. Das haben wir in München leider falsch eingeschätzt. Übrigens ist diese Mobilität, die man in Ostdeutschland vorfindet, auch ein Grund, warum ich mich nach München auch für Leipzig entschieden habe.

Aufgrund der guten Resonanz findet die "Sensation Night" jetzt aller zwei Monate statt, nicht wie geplant vier Mal im Jahr, welche Star-DJ's schweben Dir nach Micky Friedmann für die Zukunft so vor?

Da schweben mir so einige vor, das wird an dieser Stelle aber nicht verraten. Viel wichtiger ist für uns, die optimale Musikmischung für ein breites Publikum zu erreichen. Denn ein bunt gemischter Abend ohne Kompromisse ist das Ziel der Sensation Night. Die musikalische Grundpfeiler bilden die Richtungen House, Dance und Charts. In naher Zukunft ist auch ein zweiter Floor geplant, dann sollte wirklich für jeden etwas dabei sein.

Nach den Shuttle-Services aus Dresden, Berlin und Prag zur Opening-Party berücksichtigst Du nun auch kleinere Städte wie Chemnitz, Halle und Magdeburg - warum?

Ganz einfach, die Nachfrage aus diesen Städten ist um einiges größer.

Du hast selber mal in Dresden gewohnt, was verbindest Du persönlich mit der Region?

In erster Linie verbinde ich viel mit der Region Sachsen allgemein. Ich bin in Leipzig geboren und in Dresden aufgewachsen. Ich freue mich jedesmal wie ein Schnitzel, wenn ich nach Dresden komme und wieder eine Wunde des Krieges oder des Sozialismus geheilt wurde und die ursprüngliche Schönheit dieser Stadt zum Vorschein kommt. Und das es auch einige Neubauten gibt, über die man sich streiten kann, liegt in der Natur der verschiedenen Betrachter. Andere Städte bestehen immerhin ausschließlich aus hässlichen und gesichtslosen Glas -und Stahlbauten. Und ich bin mir sicher, dass die überdurchschnittliche Entwicklung in Sachsen in allen Bereichen weitergeht, nicht zuletzt in der Partyszene, welche in Zukunft auch Leute außerhalb des Freistaates anziehen wird.

mb

VIP-Interview Jan Drews