In Potsdam trifft man das "Teufelchen" bevorzugt in der Szene-Kneipe Leander an. Was es da so treibt und wo es sonst noch so sein Unwesen treibt, wollten wir im Berliner Fernsehturm bei stillem Wasser und Wildschweinbraten von ihm wissen.

Da du auch gerade in Berlin unterwegs bist, musste ich die Gelegenheit nutzen, unseren Lesern den Mann hinter unserem neuen Kooperationspartner www.gaybrandenburg.de vorzustellen, sag doch mal ein paar Worte zu dir - was machst du so?

Im wirklichen Leben arbeite ich in Potsdams buntester Bar, dem Leander. Ansonsten unterhalte ich mich ganz viel mit ganz unterschiedlichen Menschen. Dann schaue ich, mit welchen dieser Menschen man andere Menschen zusammenbringen sollte, um dann Projekte zu organisieren. So sind schwule und lesbische Ausstellungen, der Queensday oder www.gaybrandenburg.de entstanden. Wir freuen uns natürlich, dass blu uns als Kooperationspartner auserkoren hat. Ganz große Ehre für uns.

Solche schillernden Gestalten wie Dich haben wir selten im Interview, erstmal kennt Dich in der Potsdamer Szene jeder als Person und dank Deiner Frisur übersieht man Dich auch nicht - nervt es manchmal, ständig im Mittelpunkt zu stehen, nur weil man anders ist?

Ach nö... So schillernd bin ich gar nicht. Ich esse auch nur morgens mein Müsli und gucke mir die Welt an. Die Frisur ist mir irgendwann vor 14 Jahren gewachsen, seit dem werd ich sie nicht los. So sehr ich mich auch bemühe. Aber es ist ganz gut, wenn man ein "Standing" in seiner Stadt und im Land hat und die Leute wissen, wofür man steht. Da öffnen sich manche Türen doch leichter. Manche schlagen sie dann auch zu. Ich kann damit umgehen, wenn ich in den letzten Jahren polarisiert habe.

An der Entwicklung der Szenelandschaft nach der Wende warst Du von Anfang an maßgeblich beteiligt, wie hat sich die Community in Potsdam entwickelt und welche Projekte hast Du in Gang gebracht oder aktuell auf der Agenda?

Na, in der Homosexuellenarbeit werde ich jetzt wohl volljährig. Ich glaube ich mache das fast schon 18 Jahre. Wir, ich betone das Wir ausdrücklich, haben in den letzten Jahren, trotz der alles überstrahlenden Metropole Berlin und geringster finanzieller Unterstützung durch das Land und die Kommune, in Potsdam queere Kultur und Treffpunkte aufbauen können. Mit Wir meine ich eine ganze Reihe von PotsdamerInnen, die ein sich ergänzendes Netzwerk bilden. Ich spiele da zwar auch eine Rolle, aber eine Bescheidene (grinst). Aktuell kämpfen wir um eine zielgruppenorientierte Prävention und Beratung. Da ist unser Land wirklich nicht gut aufgestellt.

In letzter Zeit waren die Meldungen aus Potsdam nicht die besten - drei Szene-Kneipen mussten schließen, das Leander wurde überfallen und der CSD-Beirat löste sich auf. Erzähle doch mal was Positives, und damit meine ich diesen Monat konkret den CSD Potsdam ...

Juhu, endlich mal was total Positives. Ja wir freuen uns auf die Schwule Filmnacht, N8Schicht/Helki-Party, den Queensday, die Ausstellung im Landtag, das Turnier "Echte Mädchen spielen Fußball", Tuntenbingo und das Transistor-Frühstück. Der CSD in Potsdam ist eine Veranstaltungswoche. Da organisieren alle mit, die Lust, Laune und stahlharte Nerven haben. Ich weiß, beim Potsdamer CSD fahren nicht Riesen-Trucks durch den Park von Sanssouci und spielen für Millionen feierwütiger Tunten Techno und House. Das gefällt zwar nicht jedem, aber uns. Wir wollen ja, das präsentieren, was die Potsdamer Szene ausmacht, und das sind nun mal kleine schwule oder lesbische Mikroprojekte.

Was sagt man dazu, 365 Tage im Jahr setzen wir zwei uns dafür ein, als Schwule überall hingehen zu dürfen und jetzt hält uns der Liftboy auf der Aussichtsplattform fest, weil ich meine Eintrittskarte verloren habe! Egal, das Interview ist sowieso zu Ende, hat mich gefreut!

Jetzt kann ich es Dir ja sagen: Ich leide unter Höhenangst! Und schwindlig von dem Drehrestaurant des Berliner Fernsehturms ist mir auch geworden. Aber was tut man nicht alles für schwule Netzwerke. Da ist der Liftboy eine Randnotiz in meinen Memoiren.

Das Interview führte Martin Bach (blu)

blu unterhält sich mit Jirka Witschak