Interview mit Carsten Bock, Sprecher des Vereins Katte e.V.

Katte e.V. in Potsdam ist Ansprechpartner in vielen Fragen queeren Lebens. Anlässlich des Starts der deutschen CSD-Saison, die traditionell in Potsdam beginnt, sprach Martin von Deiner "blu im Osten" mit einem Vertreter des Vereins.

Katte e.V. ist die Abkürzung für Kommunale Arbeitsgemeinschaft ToleranTes BrandEnburg - die Namenswahl erfolgte aber nicht ganz zufällig - auf wen wird angespielt und welche Arbeit leistet Ihr in seinem Namen für die Community?

Der Name KATTE ist als Abkürzung nicht zufällig gewählt, denn der unglückliche Leutnant Katte war wegen der vermuteten homosexuellen Kontakte mit Friedrich dem Grossen zwar bestimmt nicht das erste, aber eines der bekanntesten Opfer der Intoleranz in Brandenburg. Wir berufen uns in unserer Arbeit auf das, was Brandenburger Tradition eigentlich bedeutet, die in der Zeit der Aufklärung von Friedrich dem Grossen dann als König begründet wurde: Akzeptanz von gegen Andersdenkenden, Andersglaubenden, Andersliebenden, Anderslebenden und anderen Nationalitäten.

Potsdamer Szene-Bars wie das Quartier, das Canapé und das Lapis Lazuli mussten schließen, das Jugendcafé "Come In" liegt brach und selbst das Leander stand bereits zweimal kurz vor der Schließung. Wo siehst Du die Ursachen für das Szenesterben?

Natürlich spielen Faktoren wie Gayromeo auch in Potsdam eine zwiespältige Rolle. Hinzu kommt das Fehlen einer relevanten Szenearbeit, wie in ganz Brandenburg. Läden wie das Leander können eben nur ganz niedrigschwellige Angebote machen. Die Erfahrungen zeigen, dass der Bedarf an Coming Out-Beratung und Gewaltprävention nicht nur quantitativ sondern auch in qualitativer Hinsicht hoch ist. Hier werden weit reichende aktive Netzwerkprojekte, die auch vom Land wertgeschätzt werden, benötigt.

Vom 16. - 26. April findet der CSD Potsdam statt. Welche Rolle spielt Ihr dabei und was steht 2010 auf dem Programm?

Wir sind als Potsdamer sehr stolz darauf, seit 1988 eine Schwulen- und Lesbenbewegung zu haben. Seit 1991 richtet unsere Stadt einen CSD aus. Seit 2006 wird er in Form einer Veranstaltungswoche organisiert. So sind queere Themen viel besser in die Öffentlichkeit und an die Landespolitik zu bringen. Beispiel ist hier das Thema Erinnerung an die schwulen Opfer der Nazidiktatur. Zusammen mit ver.di und dem LSVD haben wir hier seit Jahren die Gedenkveranstaltungen an der Außenstelle Klinkerwerk und im KZ Sachsenhausen unterstützt und mit organisiert.

Natürlich wird auch gefeiert. Am 17. und 18. April, dem Auftaktwochenende findet zum 7. Mal der Queensday statt. Mitten im Tulpenfest des Holländischen Viertels feiert die schwule, lesbische und transsexuelle Gemeinde eine ganz tolle Show, um dann danach bei der N8Schicht und der HELKI-Party zu feiern.

Wir als Verein setzten auf die Ideen und Kreativität der Potsdamer Szene. Veranstaltungen wie die Potsdamer Schwule Filmnacht werden von uns organisatorisch unterstützt. Mit dem Präventionsprojekt "Chill Out" machen wir gemeinsam eine Veranstaltung zum Thema "Feiern, Saufen, Ficken – Schwule und Alkohol". Andere Organisatoren arbeiten da völlig selbstständig. Wir koordinieren hier nur die Woche.

Aus dem Beirat CSD Brandenburg gingen Ende 2009 die Initiative CSD Land Brandenburg und das Netzwerk PoPPP! - Potsdam Pride - Partnerschaftsprojekt hervor. Warum gehen Potsdam und der Rest von Brandenburg in Sachen CSD ab diesem Jahr getrennte Wege?

Namen von Initiativen kommen und gehen. Unsere Wahrnehmung ist, dass Leute vor Ort erst einmal etwas für ihre Region machen wollen. Ende Mai macht der Verein UM–Queer die Uckermark mit den Queer Days unsicher. Im Juli feiern die Lausitzer ihren CSD. Und Lambda e.V. beginnt seine LesBiSchwule Akzeptanztour direkt nach dem CSD Berlin. Wir finden das ist eine gute Entwicklung. Wir sind ganz stolz darauf, dass wir an der einen oder anderen Stelle zu der Regionalisierung der Community beigetragen haben.

Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Martin Bach, freier Mitarbeiter Deiner "blu im Osten". Foto: Burghard Mannhöfer

Potsdams queere Seite