20 Jahre AIDS-Hilfe Leipzig

"Meilensteine" der AIDS-Hilfe Leipzig e.V.
Programm zur Festwoche

Die Leipziger AIDS-Hilfe ist Kontakt- und Begegnungsstätte für Menschen mit HIV und AIDS sowie deren Freunde und Angehörige. Vom Finanzamt als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt und seit 2007 Trägerin der ersten Ehrenmedaille "Für herausragende Leistungen im Kampf gegen HIV und AIDS" des Staatsministeriums für Soziales des Freistaates Sachsen, bietet sie seit 1990 Beratungs-, Aufklärungs- und Präventionsangebote, um durch Vernetzung, Austausch und Information einen Bewusstseinswandel innerhalb der Gesellschaft der Immunschwächekrankheit gegenüber zu unterstützen.

In diesem Monat wird die AIDS-Hilfe Leipzig e.V. zwanzig - Grund genug, zwei ereignisreiche Jahrzehnte engagierten Dienstes für die Gesellschaft und insbesondere die queere Community Revue passieren zu lassen.

Deine "blu im Osten" sprach dazu mit Sandra Gödicke, Sozialarbeiterin und Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit der AIDS-Hilfe Leipzig e.V.

Frau Gödicke, in diesem Monat steht anlässlich des runden Jubiläums eine Festwoche auf dem Programm - was erwartet uns?

Die Festwoche der AIDS-Hilfe Leipzig anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens findet vom 19.03.2010 bis zum 27.03.2010 statt. Es wird in dieser Woche ein vielfältiges Programm geben, zu dem alle Interessierten recht herzlich eingeladen sind. Eröffnen werden wir die Festwoche mit unserem Frühlingsfest am 19.03. Am Sonntag, den 21.03. haben wir zwei Autoren im Rahmen von Leipzig liest QUEER! im Haus. An den folgenden Tagen gibt es einen Tag der Präventionsteam, einen Tag der Selbsthilfegruppen, eine Buchlesung mit Bernd Aretz und eine Plakatausstellung im Neuen Rathaus. Den Höhepunkt bildet dann eine Abschlussveranstaltung im Radisson BLU Hotel. Es gibt einige Überraschungen und man darf gespannt sein.

Details zu den Veranstaltungen findet man auf unserer Internetseite www.leipzig.aidshilfe.de. Anfang März werden außerdem über den culturtraeger Karten mit dem Veranstaltungsplan verteilt.

Die "Queer", bis 2003 die weltweit auflagenstärkste schwule Zeitung und heute die deutsche Hauptpublikation für schwule Nachrichten im Internet, begann ihren Siegeszug in der Leipziger AIDS-Hilfe. Ihr Nachfolger, die "Querele", informiert nun einmal jährlich über Ihre Arbeit - welche Kernaufgaben umfasst diese?

Die Kernaufgaben der AIDS-Hilfe Leipzig, welche von Stadt und Land grundfinanziert wird, sind Prävention, Begleitung und Betreuung, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising. Diese Bereiche verteilen sich auf den Vorstand, 3 hauptamtliche Sozialarbeiter, eine Verwaltungsfachkraft, Praktikanten und ca. 60 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne das Engagement der Ehrenamtler könnten wir die breite Palette an Aufgaben nicht leisten und unsere Angebote nicht aufrecht erhalten. Das fängt an bei unseren Präventionsteams, die in ihrer jeweiligen Zielgruppe und Szene unterwegs sind; der Betreuergruppe, die uns bei der Begleitung von Menschen mit HIV und AIDS unterstützt; bis hin zu unserem Caféteam, welches jeden Dienstag und Donnerstag und darüber hinaus mit liebevollem Engagement, unsere Begegnungsstätte mit einem lecker Essen und Leben füllt. Darüber hinaus gibt es viele Menschen und auch Institutionen, die uns mit Sach- und Geldspenden ausstatten, um bedürftigen Klienten helfen zu können. Die stete Zusammenarbeit mit Netzwerken erweitert unserem Angebotskatalog und macht eine qualitativ hochwertige Arbeit und zielgerichtete Verweisung möglich.

Neben der Präsenz auf anderen Großveranstaltungen sind Sie seit dem ersten Leipziger Lesbentreffen im Jahr 1992 und dem ersten CSD Leipzig im Jahr 2004 auch dort jährlich mit einem Informationsstand vertreten, um die Themen HIV und AIDS in die Öffentlichkeit zu tragen - findet die Hauptarbeit außer Haus statt?

Teils, teils. Es ist sehr wichtig in der Öffentlichkeit präsent zu sein und die Diskussion über HIV und AIDS wach zu halten. An Informationsständen werden erste Kontakte geknüpft, Spenden gesammelt, Kondome und Broschüren verteilt. Meist ist eines unsere Präventionsteam vor Ort, um mit einer Aktion auf uns aufmerksam zu machen. Die PoppPiraten z.B. sind in der schwulen Szene unterwegs und decken somit den Bereich der aufsuchenden Arbeit ab. Weiterhin nutzen wir dieses Gelegenheiten auch um für Solidarität und Dialog mit Menschen mit HIV und AIDS zu werben. Eine große Aktion war in diesem Zusammenhang die Aktion "Mensch in der Kugel", welche in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Deutschen AIDS-Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung am 20.11.2009 in Leipzig stattfand.

Auf der anderen Seite findet viel Arbeit auch in unseren Räumlichkeiten statt. Präventionsveranstaltungen, Beratungsgespräche, Selbsthilfegruppentreffen, aber auch Feste und Seminare machen die Arbeit in der AIDS-Hilfe Leipzig bunt und abwechslungsreich.

Die Wirkung von Präventionskampagnen hat besonders unter jungen Schwulen stark nachgelassen, das HI-Virus hat vor allem durch die 1996 eingeführte Kombinationstherapie an Schrecken verloren und das Angebot kostenloser Untersuchungen auf diverse Geschlechtskrankheiten nutzen viele nicht. Was antworten Sie Menschen, die sagen, es sei heute kein Problem mehr, mit dem HI-Virus zu leben oder, z.B. durch bewussten Verzicht auf Kondome Infektionen in Kauf zu nehmen, die eine HIV-Infektion begünstigen?

Auch heute lohnt es sich, HIV-negativ zu bleiben. Eine HIV-Infektion ist gut behandelbar, aber nicht heilbar. Eine HIV-Infektion bedeutet auch regelmäßige Arztbesuche, tägliche Medikamenteneinnahme mit Nebenwirkungen, eine Auseinandersetzung mit der Infektion im Rahmen einer neuen Beziehung oder der Familie, Angst vor einem Outing am Arbeitsplatz und Furcht vor Diskriminierung.

Der Fokus unserer Arbeit liegt darauf, Menschen zu befähigen eine informierte Entscheidung zu treffen, wenn es um die Benutzung von Kondomen und Ausübung riskanter Praktiken geht. Wir klären über die Risiken auf, aber jeder verfügt selbst für sich, ob und wann er oder sie Kondome benutzt. Jeder Mensch hat ein anderes Sicherheitsbedürfnis und individuelles Risikomanagement.

Wir wollen vermitteln, dass jede Entscheidung bewusst getroffen werden sollte und auch bestimmte Konsequenzen nach sich zieht. Schwerpunkt sollte dabei ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen und der Gesundheit des Gegenüber sein.

Zahlreiche Gruppen sind unter dem Dach der Leipziger AIDS-Hilfe entstanden, darunter Coming Out-Gruppen, Selbsthilfegruppen für Schwule Väter oder Homosexuelle Gehörlose, sowie Aufklärungsteams und die queere Theatergruppe HEU - welche neuen Projekte sind aktuell in Planung?

Die bestehenden Gruppen haben sich gut etabliert, arbeiten sehr engagiert und bringen ihre Ideen ein. Die Kontinuität, mit der sie arbeiten, trägt Früchte und langjährige Kooperationen und Netzwerke sind entstanden. Diese gilt es zu festigen und weiter auszubauen. Unsere Theatergruppe HEU hat dieses Jahr wieder eine Premiere mit dem Stück "Der Tag vor dem JA", die Multis wollen ihr Schülerprojekt KREAT(H)IV weiterführen, die PoppPiraten werden eine neue Broschüre zur Hepatitis auflegen und die S.L.G. - Schwul-lesbische Gebärde werden in diesem Jahr 15 Jahre alt. Es wird wieder ein ereignisreiches Jahr mit vielen Höhepunkten. Wir freuen uns auf bereichernde Gespräche und spannende Begegnungen.

Frau Gödicke, vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt:
AIDS-Hilfe Leipzig e.V.
Ossietzkystraße 18
04347 Leipzig-Schönefeld
Tel: 0341-23 23 126/7
Fax: 0341-23 33 968
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft
Kontonummer 3 530 500, BLZ: 860 205 00

Das Interview führte Martin Bach, freier Redakteur für deine "blu im Osten"

"Meilensteine" der AIDS-Hilfe Leipzig e.V.

1990

  • 30. März: Gründung der AIDS-Hilfe Leipzig e.V. auf einer Zusammenkunft des Arbeitskreis Homosexualität der Evangelischen Studentengemeinde
  • 20. November: Eröffnung der Beratungsstelle der AHL im Dachgeschoss der "Villa", Karl-Tauchnitz-Straße 1

1991

  • 1. Juli Beginn des Bundesmodellprojekts "Streetwork"

1992

  • erstes Leipziger Lesbentreffen
  • 1. Dezember: erstmalig finden Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag in Leipzig statt

1993

  • März: AHL zieht nach Leipzig-Schönefeld, Ossietzkystraße 18
  • Gründung der schwulen Coming-Out Gruppe "J.u.n.g.S."
  • erste Ausgabe "QUEER - Fachblatt für Subkultur" erscheint

1994

  • Team der AHL ist komplett
  • erste Querele erscheint

1995

  • erstes Friedensgebet zum Welt-AIDS-Tag
  • Gründung der Selbsthilfegruppe S.L.G. - Leipziger Allerlei (Schwul-lesbische-Gebärde)
  • Betreuergruppe formiert sich
  • Gründung der jugendlichen Präventionsgruppe "Die Multis"

1996

  • 7. Bundespositivenversammlung (BPV) "Power statt Mauern" in Leipzig
  • Eröffnung unseres Denkmals zum Gedenken an Menschen, die an den Folgen von HIV und AIDS verstorben sind
  • Internetseite der AHL geht online

1997

  • Förderkreis des AHL wird gegründet
  • Mitgliederversammlung der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. in Leipzig

1998

  • Wohnprojekt der AHL wird eröffnet
  • Gründung der drugscouts durch ehemalige Praktikanten der AHL

1999

  • Beginn der Migrantenarbeit
  • Gründung der Theatergruppe HomoErotischeUnion (HEU)
  • Trauerkulturprojekt in Plagwitz

2000

  • 10 Jahre AHL

2001

  • dreitägige Aktion "Mit Lust und Liebe - Kunst gegen AIDS" mit Kaffeetütenmodenschau in den Promenaden Hauptbahnhof Leipzig

2002

  • erste Premiere von HEU und PRIMA "So ist es!"
  • Gründung der Selbsthilfegruppe für HIV-positive Menschen aus Afrika "AfroLeben+"

2003

  • Projekt der Multis "Leipzig bei Nacht"
  • Regelmäßige Treffen der Sportgruppe der Positivengruppe
  • Erstes Rehabilitations-Wochenende der Positivengruppe

2004

  • Gründung der Präventionsgruppe für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) "PoppPiraten"
  • erster CSD in Leipzig
  • Erste Urlaubsreise der Positivengruppe

2005

  • 15 Jahre AHL
  • EU-Projekt der Multis
  • AHL bekommt ein neues "Sozialmobil" Fiat Doblo

2006

  • Konferenz "Positive Begegnungen" in Leipzig
  • Umgestaltung des Gartens und Denkmals auf dem Gelände der AHL

2007

  • Verleihung der sächsischen Ehrenmedaille "Für herausragende Leistungen im Kampf gegen HIV und AIDS"
  • Neues Corporate Design der Materialien und des Erscheinungsbild der AHL

2008

  • Gründung des Sächsischen Bündnis HIV/AIDS
  • Arbeitsbereiche der AHL strukturieren sich neu

2009

  • Veröffentlichung des eBook der PoppPiraten "Sexunfall - was nun?"
  • Veröffentlichung der Festzeitschrift der AHL zum 20-jährigen Bestehen

2010

  • 19.03. - 27.03.2010 Festwoche zum 20-jährigen Bestehen der AIDS-Hilfe Leipzig e.V.

Programm zur Festwoche

Freitag, 19.03.2010, 18.00 Uhr, Frühlingsfest, in den Räumen der AIDS-Hilfe Leipzig

Sonntag, 21.03.2010, Leipzig liest QUEER! im Rahmen der Leipziger Buchmesse, 14.30 Uhr Rainer Vollath "Zwei Lieben", 16.00 Uhr Martin Büsser "Der Junge von nebenan", in den Räumen der AIDS-Hilfe Leipzig

Montag, 22.03.2010, 18.00 Uhr, Ausstellungseröffnung "25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe e.V." und Plakatausstellung der AIDS-Hilfe Leipzig e.V., Untere Wandelhalle im Neuen Rathaus zu Leipzig, Martin-Luther-Ring 4-6 (die Ausstellung kann bis zum 08.04.2010 zu den Öffnungszeiten des Neuen Rathaus besucht werden)

Montag, den 22.03.2010, ganztägig, Aktionen des jugendlichen Präventionsteams "Die Multis" mit dem Stadtschülerrat an einigen Schulen Leipzigs, verschiedene Veranstaltungsorte

Dienstag, den 23.03.2010, ab 16.00 Uhr, Tag der Selbsthilfegruppen, in den Räumen der AIDS-Hilfe Leipzig

Mittwoch, den 24.03.2010, 19.00 Uhr, Bernd Aretz würdigt 25 Jahre Aidshilfe in Deutschland, Buchlesung, in den Räumen der AIDS-Hilfe Leipzig

Donnerstag, den 25.03.2010, 16.00 Uhr, Tag der Präventionsteams, in den Räumen der AIDS-Hilfe Leipzig

Samstag, den 27.03.2010, 19.00 Uhr, Abschlussveranstaltung und Dankeschönparty zur Festwoche im Radisson BLU Hotel, Augustusplatz 5, bitte Einladung beachten

Meilensteine