Die flächenmäßig sechstgrößte Stadt Deutschlands hat eingeladen und viele warm gekleidete, gut gelaunte Queers folgten dem Lockruf aus der Uckermark.

Viele Eingemeindungen haben Templin seit der Wende zu einer nach wie vor dünn besiedelten, aber extrem großflächigen Stadt gemacht, in der nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgewachsen ist, sondern die vor allem als Bad- und Kurort einen gesunden Ruf genießt. Nicht nur Rentner lassen hier die Seele baumeln - seit April wird die Stadt zu den "Queer Days" auch regelmäßig zu einem Wallfahrtsort für Gays und deren Freunde. Veranstalter Christian Hartphiel dazu bescheiden: "Das Festival verlief wirklich gut." Kein Wunder, denn nicht erst, seit selbst Elche und Wölfe in Brandenburg wieder geduldet werden, bleibt mancherorts sogar für die queere Community etwas Verständnis übrig - nicht überall natürlich, in Templins Nachbarort Prenzlau beispielsweise ist das Hissen der Regenbogenfahne am Rathaus immer noch tabu.

Dort, wo Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern küsst, wurde am 5. November Ulrich Schoeneich für seine Verdienste um die Integration der schwullesbischen Gemeinschaft ausgezeichnet. Der Bürgermeister der Stadt Templin bekam von Christian Hartphiel - dem Festival-Leiter - und einer Vertreterin der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange des Landes Brandenburg eine Urkunde überreicht - stellvertretend für tolerante Einwohner und eine offene Stadtverwaltung.

Vorgesehen war anfangs ausschließlich eine Frühlingsausgabe, doch aufgrund der guten Resonanz konnte im Winter eine weitere Veranstaltung ausgerichtet werden, was zeigt, dass Gays in der Uckermark zu jeder Zeit willkommen sind. Das Netzwerk UM.QUEER, das die Veranstaltung organisierte, hat auch nach der Veranstaltung große Pläne - nach bereits fünfjährigem Bestehen der Initiative ist beispielsweise eine Vereinsgründung, sowie die Einrichtung einer Anlauf- und Beratungsstelle für Schwule und Lesben in der Uckermark geplant, der auch eine Zufluchtswohnung für queere Teenager in Not angehören soll. Das gesellschaftliche Engagement der Festival-Veranstalter ist ein angenehmer Kontrast zu vielen CSD-Paraden, die nur noch Unterhaltung sind, statt Politik.

Im Mai steigt das nächste Queer Days Festival in Templin. blu - Dein neuer Gegenpol im Osten bleibt für Dich am Ball und informiert künftig neben den Neuigkeiten aus Mitteldeutschland auch jeden Monat über die schwullesbischen Entwicklungen in Brandenburg.

mb

Schwulen-Mekka Uckermark