Krieger

Einen Mann wie Philipp Tanzer, alias Krieger, übersieht man nicht. Er ist auffällig, nicht nur wegen seiner markanten Ganzkörper-Tattoos, mit denen er beim Tanzen bei einer Party immer die Blicke auf sich zieht.

In Dresden ist Krieger, der als Beruf auch schon mal Lebenskünstler angibt, seit Jahren bekannt. Er stand und steht als DJ an den Plattentellern und war vor Jahren Organisator der Fetisch-Veranstaltung "Ball Bizarr" in Dresden. 2004 wurde Krieger zum German Mr. Leather gewählt, später nahm er an der Wahl zum International Mr. Leather in Chicago teil. Freunden der erotischen Videounterhaltung ist er als Logan McCree bekannt. Wir trafen Krieger zu einem kurzen Gespräch.

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Hallo Krieger, willkommen wieder in Dresden. Du bist viel unterwegs, woher kommst Du und wo fühlst Du Dich zu Hause?

Leider bin ich in letzter Zeit sehr viel unterwegs, London, Prag, Budapest, Köln, Paris ... manch einer mag sich das spannend und interessant vorstellen, so viel auf Achse zu sein, doch für mich ist es vor allem ermüdend und hält mich davon ab, möglichst viel Zeit in meinem geliebten Dresden zu verbringen. Das ist dann auch schon die Antwort auf den zweiten Teil Deiner Frage ... Ich fühle mich ganz klar in Dresden zu Hause, und das von ganzem Herzen. Mit meiner Heimat, Pforzheim (bei Stuttgart) verbindet mich kaum noch etwas. Die Menschen in Dresden sind von Grund auf herzlicher und ehrlicher. Doch obwohl ich mich in Dresden wohl fühle, zieht es mich nach Schottland und ich plane fest, in wenigen Jahren in die wunderschöne Einöde der nördlichen Highlands zu ziehen.

Vor unserem letzten Gespräch von etwa 4 Jahren warst Du grade zum German Mr. Leather gewählt worden. Was hat sich seither in Deinem Leben verändert?

Zunächst einmal hat mich das Jahr als German Mr. Leather kräftig durchgeschüttelt und hat mich, da ich die Aufgabe als Vertreter der Szene sehr ernst genommen habe, an den Rand meiner Belastbarkeit gebracht. Danach habe ich mich auf das konzentriert, was mir seit über sechs Jahren das wichtigste in meinem leben ist (neben meinem Glauben und meinem Hund): Kriegerbeatz bzw. CozyCoreClub. Das ist der Name der Partyreihe, die ich 2003 ins Leben gerufen habe und bei der ich mich bemühe, immer die beste neue alternative Rockmusik zu spielen ... Je höher der Anspruch, desto schwieriger und kostenintensiver die Umsetzung. Und so habe ich angefangen, für die Pornofirma Raging Stallion in Amerika Filme zu drehen, um mein Hobby/meine Arbeit als DJ finanzieren zu können. Knapp drei Jahre habe ich nun in der Branche gearbeitet und habe glücklicherweise fast ausschließlich großartige Erfahrungen machen dürfen. Dafür bin ich vor allem meiner Firma Raging Stallion sehr dankbar, denn ich weiß, dass es auch sehr unangenehme Aspekte in diesem Beruf geben kann.

Die letzten 1,5 Jahre verbrachte ich mit meinem in Chicago lebenden Freund Vinnie D'Angelo, der auch als Darsteller in der Erwachsenenunterhaltung arbeitet.

Abgesehen von den vielen Reisen hat sich in meinem Leben jedoch kaum etwas geändert. Ich lebe immer noch bescheiden in einem kleinen Gartenhaus mit meinem Hund, nur habe ich jetzt eine Heizung und einen Fernseher, den ich kaum nutze ...

Die Leder- und Fetischszene spielt oft mit Uniformteilen, mit Dominanz und Unterwerfung sowie mit Schmerz und gewissen Gewaltphantasien. Du wurdest wegen einiger Auftritte (z.B. im Rahmen eines Fetischevents in Berlin) auch mehrfach in die rechte Ecke gestellt. Wie stehst Du zu Vorwürfen, Du wärst ein schwuler Nazi? Wie politisch ist Krieger?

Soweit ich weiß, wurde ich lediglich von einer dubiosen Person im Internet als Nazi diffamiert. Diese Anschuldigungen sind so ziemlich das abwegigste, was je über mich behauptet wurde ... allein im vergangenen Jahr hatte ich 3 Auseinandersetzungen mit Nazis, bei denen ich auch die Polizei hinzugezogen habe. Ich trete jederzeit klar (aber ohne Gewalt) gegen Ausländerfeindlichkeit und Nationalismus ein. Ich ertrage ja noch nicht mal das dämliche Auffachen von spontanem Massenpatriotismus zu Fußball-WMs.

Was meine Shows angeht, so sind sie nicht im geringsten Gewalt verherrlichend, sondern sind in der Regel spirituell angehauchte Selbstkasteiungsshows. Oder klingt der Songtitel "All Is Full Of Love", zu dem ich oft performe, nach Gewalt und Nazitum? Wohl eher nicht.

Zu der Frage, wie politisch ich bin, habe ich keine klare Antwort ... ich habe klare Ansichten davon, was richtig und falsch ist ... Für das Richtige stehe ich ein, das Falsche bekämpfe ich. Doch das hat nichts mit Politik zu tun, sondern mit meinem Glauben und gesundem Menschenverstand. Politisch gesehen unterstütze ich Die Grünen, da sie noch am ehesten meine Ansichten vertreten ... Hoffe ich zumindest :-)

Seit 2007 machst Du auch Pornos. Warum das?

Wie bereits oben erwähnt, war es ganz klar der Zwang, Geld zu verdienen, um künstlerisch unabhängig bleiben zu können. Und ich muss sagen, auf manche Leistungen in meiner Karriere als Darsteller bin ich tatsächlich stolz. So hat der Film "The Drifter" zu dem ich das Drehbuch geschrieben habe viele Preise gewonnen. Preise sagen natürlich nichts über der Qualität eines Film aus, aber die Resonanz der Publikums war ebenso gut, was mich sehr glücklich gemacht hat. Es wäre grundsätzlich schön, wenn es mehr gute, gefühlvolle Erotik im Film gäbe und weniger stumpfsinniges Gerammel. Sex sollte ja schließlich etwas Einfühlsames, Gefühlvolles sein und kein gebilligter Missbrauch. Ich denke, gerade junge Leute bekommen durch die Medien ein völlig falsches Bild davon, wie Sex sein kann.

Wir danken für das Gespräch.

Im Interview: