HIV & HERZ

Die immer besser wirkenden medizinischen Behandlungsmethoden für HIV-positive Männer, wie zum Beispiel die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART), haben dazu geführt, dass die Lebenserwartung von HIV-Positiven extrem zugenommen hat. Dieser Umstand lenkt die Aufmerksamkeit der behandelnden Ärzte jetzt auf die "typischen" Alterserkrankungen. Besonders die Gefahr, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken, steigt einer aktuellen Studie zufolge für einen HIV-Positiven wesentlich stärker als für einen Mann mit negativem HI-Virus-Status.

Die HIV-HEART-Studie*

Die ersten Ergebnisse dieser in Deutschland unter 352 Patienten durchgeführten Studie zeigen, dass 50 % der HIV-positiven Patienten an einer messbaren diastolischen oder systolischen Dysfunktion leiden, jeder fünfte Patient bereits klinische Zeichen einer Herzinsuffizienz aufweist.

Risikofaktoren

Zum einen birgt die Behandlung von HIV durch die HAART selbst Risiken, die sich auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Viele der antiretroviralen Medikamente, speziell die Protease-Inhibitoren, wirken sich negativ auf den Fettstoffwechsel aus, was zum Beispiel den Cholesterinspiegel der Patienten messbar verschlechtern kann.

Neben den Medikamententoxizitäten bei dauerhafter Virensuppression durch die HAART sind es aber auch und im Besonderen die klassischen Einflüsse der Lebensumstände, die die Gefahr schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen von HIV-Positiven begünstigen. So wirken sich Rauchen, Alkoholkonsum, das Lebensalter, die genetischen Vorbedingungen (männliches Geschlecht, Diabetes mellitus) und die Ernährung erheblich deutlicher auf HIV-Patienten aus. Laut der HIV-HEART-Studie* sind diese kardiovaskulären Risikofaktoren bei HIV-Patienten zudem mit überdurchschnittlichen 62 % vertreten.

Maßnahmen

Trotz der kardiovaskulären Auswirkungen der HAART wird von den Machern der vorliegenden Studien eindrücklich darauf hingewiesen, dass eine frühzeitige Behandlung von HIV nach wie vor angebracht ist. Die Risiken würden bei Nichtbehandlung durch eine HAART überproportional ansteigen, da HIV selbst der größte Risikofaktor, nicht nur für die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ist. Bei der HAART selbst gilt es darauf zu achten, die richtige und auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Kombination von Medikamenten zu finden. Zum Beispiel zeigt Viramune® das laut der europäischen Leitlinien günstigste Lipidprofil.**

Behandelnden Ärzten wird empfohlen, bei HIV-Patienten mit ungünstigem Risikoprofil, einmal jährlich ein Ruhe-EKG zu erstellen. Bei besonders hohem Risikoprofil sollte dies sogar mehrmals jährlich erfolgen. Sollten bereits klinische Symptome von Herzkrankheiten festgestellt sein, wird eine ausführliche kardiologische Abklärung inklusive Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie, Belastungs-Myokardszintigrafie und/oder Koronarangiografie empfohlen*.

ck

* Med Welt 6/2007
** ARTEN, Soriano et al., 5. IAS-Konferenz, Kapstadt 2009

Aufgeklärt