Folge 5: Glück gehabt

Ja, meine Lieben, letztes Wochenende lag ich mal wieder zur Entspannung zwischen einer kräftezehrenden Reitstunde und einem nervenaufreibenden Peeling im Whirlpool, als plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung die Katastrophe über mich hereinbrach: keine Blubberbläschen im Pool! – Was sollte ich machen? Da lag ich nun: Gefangen im Pool. In der einen Hand ein Glas Champagner, in der anderen eine Messerspitze jenes Kaviars, den mir Frank-Ferdinand, seineszeichens einer der renommiertesten Bonsai-Züchter östlich des Ganges, unter Einsatz des Lebens seiner polnischer Lakaien aus Weißrussland geschmuggelt hatte.

Mir direkt gegenüber schimmerte an der Poolwand der silberne Knopf der Erlösung. Der Knopf, der die Blubberbläschen wieder aufsteigen ließ, doch Kaviar in der einen und Champagner in der anderen Hand blockierten meine eben noch manikürten Finger. Und die frisch lackierten Zehen konnte ich ebenso wenig riskieren. Keine von ihnen war es wert für schnöde Blubberbläschen geopfert zu werden. Ich schlürfte verzweifelt an meiner Lalique-Champagner-Kristall-Schale, als sich ein Seufzer der Verzweiflung über meine rot glänzenden Lippen schlich. Und ich fragte mich mit einer im linken Auge anschwellenden Träne: „Wie grausam und ungerecht kann das Leben sein? Welche Schicksalsschläge hält es noch für mich parat?“ Und nicht zuletzt: „Warum immer ich?“ Doch „deus ex machina“: Wie ein Engel auf gleißendem Sonnenschein, ein weißer Ritter im Gewand der Hoffnung, kam mein Gärtner Lasse angespurtet, der meine Verzweiflung bis in den aus Yuccapalmen angelegten und über zwei Kilometer entfernten Irrgarten vernommen hatte. Auf Anhieb erkannte er die Gefahr, in der ich saß! Er riss sich sein eh viel zu enges weißes Shirt vom Leibe, sprintete am Mahagoni-Lagerfeuer vorbei, in dessen warmem Feuerschein sein leicht verschwitzter Oberkörper glänzte und die Abendsonne reflektierte, griff den für mich bereit gestellten Cocktail, goss ihn über die gleich neben mir sonnenbadende Latoya (irgendeines von diesen schnorrenden Jackson- Kindern, die sich bei mir einschleimen) und flog mit einem letzten Hechtsprung gerade noch rechtzeitig an den Pool, um mit einem aus dem Cocktailglas geretteten Strohhalm Blubberbläschen unter meine Schenkel zu pusten. In dieser hektischen Situation und meinem aufgelösten Zustand versprach ich ihm umgehend für seine Heldentat eine ordentliche Gehaltserhöhung! Ich hätte diesen Übereifer meinerseits beinahe bereut, hätte ich nicht nur mich selbst vergessen, sondern auch die Tatsache, dass Lasse gar kein deutsch kann! – Puh, das wäre aber ins Geld gegangen. Da habe ich wirklich noch mal ganz, ganz großes Glück gehabt.

Eure Margot Schlönzke

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