Folge 6: Macht Geld glücklich?

Es war ein Montagmorgen, als ich beim Sektfrühstück Besuch von der Polizei bekam. Offenbar hatte irgendjemand meinen seit Tagen verschwundenen vierten Ehemann als vermisst gemeldet. – Ich war es jedenfalls nicht. Ein sportlicher junger Beamter mit italienischen Wurzeln sprach auf mich ein, während er seine Brustmuskeln tanzen ließ und versuchte, sich mit der rechten Hand in der Hosentasche selbst unter Kontrolle zu halten. Unsere Holzbrücke sei eingestürzt, als der Maybach meines Mannes darüber fuhr, erklärte er mir und seine Stimme konnte entkleiden!

Die violett angelaufene Leiche sei in Müllsäcken verpackt in Einzelteilen auf dem Rücksitz des Wagens gefunden worden. Am Hals fand man einen straff zugezogenen Strick, in seinem Magen vergiftete Austern und in seiner Stirn steckte ein Stöckelschuh. Seine Haut war verbrannt und in seinem Rücken steckte eine Axt. Ich brach in Tränen aus! Der Polizist zog seine Hand aus der Hosentasche und ergriff meine, um mich zu trösten. Nun war der Blick frei und ich konnte abschätzen, dass es mindestens zweiundzwanzig Zentimeter massiver Trost waren, die da auf ihren Einsatz warteten. Da ich als einzige Person im näheren Umkreis als Täterin in Frage kam und für die Tatzeit kein Alibi hatte, mir als armer schmächtiger junger Erbin eine solch schreckliche Tat jedoch nicht zuzutrauen sei, ging man schließlich von Selbstmord aus, meinte der Polizist, während ich sexuell ausgehungert in seinen stahlblauen Augen versank. Nach einer kurzen Denkpause konnte ich ihm des Rätsels Lösung präsentieren: Mein Mann besaß einmal Telekom-Aktien und hat damit einen zweistelligen Verlust gemacht – nach dem Komma. Für einen echten Mann der Ehre ist ein solcher Skandal nicht zu entschuldigen und daher hat er sich wohl einem Leben in Schande entzogen. Nun stand ich da, ganz allein mit dem Schloss, den Firmen, Beteiligungen, Schuldbriefen, Staatsanleihen, Immobilien, Ländereien und zwei Bausparverträgen. Und dank diverser Kreditkarten konnte ich nun austesten, ob Geld allein glücklich macht oder nicht. Und, was soll ich sagen? Das ganze Geld allein auszugeben macht viel mehr Spaß als es zu zweit teilen zu müssen!

Eure Margot Schlönzke

Star Drag