Die Gegenpol-Sex-Rubrik von Ich weiss was Ich tu

Fangen wir mit der Begriffsklärung an: Das Wort Fetisch fand seinen Weg in die deutsche Sprache über das Lateinische facticius („nachgemacht“ oder „unecht“) und über das Französische fétiche, das wiederum dem Portugiesischen feitiço entlehnt ist, wo es „Zauber“ oder „Zaubermittel“ bedeutet. Und ein Fetisch kann ja wirklich etwas Zauberhaftes sein. Für Sigmund Freud gehörten Fetischisten noch zu den „Perversen“. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert, denn Fetische sind gerade in der Sexualität zwischen Männern 2011 etwas vollkommen Alltägliches geworden. Es gibt Fetisch-Partys, Fetisch-Datingsites und bei Gayromeo kann man aus zwei Dutzend Fetischen auswählen, ohne sich dabei auf einen beschränken zu müssen, um das was einen wirklich anturnt zu beschreiben. Das ist zwar ziemlich modern, aber auch nicht ganz neu. Schon die Hanky-Codes der 1970er erklärten ohne Worte über links/rechts und einen Farbcode, nicht nur wie man es gerne hatte, sondern auch, welche Gegenstände dabei vielleicht zum Einsatz kommen konnten. Die meisten Männer unter 30, die Sex mit Männern haben, kommen heute allerdings nicht mehr unbedingt auf die Idee, dass ihre Vorliebe für Jeans, Leder, Sportbekleidung, Rollenspiele, bestimmte Unterwäschemarken, Brillen, Bärte oder andere Dinge, etwas mit Fetisch zu tun haben könnten. Aber genauso ist es. Dass sich Fetische bei MSM so durchgesetzt haben, hat erstens etwas damit zu tun, dass es für Sex unter Männern keine Jahrtausende alten Vorbilder gibt, wir also eher mal ausprobieren, ob uns auch Dinge jenseits des Gewöhnlichen Spaß machen. Und zweitens ist Sex mit Fetischen oft Safer Sex: Wer zum Beispiel auf Turnschuhe wichst, kann sich dabei nur schwer mit HIV infizieren. Das ist ein Grund dafür, dass die Fetischszene sich in der ersten Aidskrise bis 1994 wie im Zeitraffer ausbreitete und auch Männer Fetisch-Sex machten, die sich das vorher nicht hätten träumen lassen. Trotzdem gilt auch für Fetisch, wie immer: Vieles kann, nichts muss. Wer keinen Fetisch hat und auch keinen will, muss sich deswegen keine Sorgen machen. Aber wer einen Fetisch für sich entdeckt hat und seine Sexualität so um eine spannend lustvolle Facette erweitert, kann einmal mehr sagen:

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Topf und Deckel