Die Tunten sind Müde

Nach fast neun Jahren war am 15.7. Schluss mit lustig. Die schwule Kult-Radioshow Lattemio, die ihre Fans weltweit jeden Freitag über das Internet verfolgten, hat den Sendebetrieb unerwartet eingestellt. Die Begründung ist überraschend. Wir trafen Thomas Niemann und Matthias Weidner in Leipzig. •mb

WAS WAR LATTEMIO?

Lattemio war eine wöchentliche schwule Unterhaltungsshow im Radio, die über den offenen Kanal Funkwerk Erfurt und über das Internet ausgestrahlt wurde. Unser Ziel war, mit einem Mix aus Smalltalk, Nachrichten und Musik sowohl den Communitygeist zu stärken als auch Heterosexuellen unaufdringlich den schwulen Lifestyle zu vermitteln. Wir haben das immer als Aufklärung verstanden, nur eben ohne den sonst üblichen erhobenen Zeigefinger, sondern eher als kleinen CSD im Radio.

WARUM DAS PLÖTZLICHE ENDE?

Innerhalb der fast neun Jahre haben wir einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel beobachtet. Die Gesellschaft hat sich der Gay-Community geöffnet und die Community hat sich ebenfalls geöffnet. Also haben sich alle in der Mitte getroffen, die Kulturen haben sich vermischt und jetzt sind wir alle plötzlich nicht mehr schwul, sondern queer. Wir fanden deshalb, dass wir heute keine rein schwule Sendung mehr brauchen und basteln nun an einem umfassenderen queeren Konzept.

WAS IST DENN DER UNTER SCHIED ZWISCHEN SCHWUL UND QUEER?

Für uns ist queer das Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts. Es steht für Freiheit und Toleranz und umfasst Schwule, Lesben und Transgender genauso wie Heterosexuelle, die dieses ganze verkrustete Schubladendenken ablehnen und da einfach raus wollen. Und genauso wollen sich Schwule auch keinen Stempel mehr aufdrücken lassen und in Reservaten versauern. Der Community-Begriff hat sich stark erweitert und wir stehen als Schwule endlich in der Mitte der Gesellschaft. Ziel erreicht!

WWW.LATTEMIO.DE

Im Interview: Lattemio