[Berlin] Andreas Kremin von „Radio QueerLive“, dem einzigen rein schwulen Hauptstadt-Hörfunkprogramm, macht seit 1991 queeres Radio für Berlin und Umgebung. Vor allem seine sonntägliche Magazinsendung genießt eine große Fan-Gemeinde. Aus Anlass seines Jubiläums besuchten wir ihn im Sendestudio.
Tägl. 24h-Livestream auf WWW.QUEERLIVE.DE sowie sonntags 15-16 Uhr Magazin auf UKW 88,4 (Berlin) und 90,7 (Potsdam)

Du machst jetzt seit zwanzig Jahren queeres Radio für Berlin. Kannst du dich noch an deine erste Sendung erinnern?
Ja klar, die erste Sendung war am 08.09.1991. Wir waren anfangs immer ein Team von zehn bis zwanzig Leuten und hatten den Drang, etwas umzusetzen, etwas zu bewegen. Das war immer unheimlich trashig am Anfang, wir mussten uns ja ausprobieren, aber meist waren die Ideen am Ende besser als die Umsetzung. (lacht) Aber als wir das allererste Mal live on air waren, saßen wir alle da wie gelähmt, hatten unglaubliches Lampenfieber und konnten uns nicht bewegen. Der erste Titel war übrigens „I’m So Beautiful“ von Divine.

Wie kam es zur Gründung von „Statt Radio – Migräne für Lesben und Schwule“?
Es gab ja damals nichts, die andere queere Radiosendung, „Eldoradio“ auf „Radio 100“, hatte kurz zuvor im Rahmen einer Ausschreibung ihre Frequenz verloren. Natürlich gab es auch damals schon queere Printmedien, aber die haben ja immer einen sehr zeitigen Redaktionsschluss. Wir haben uns dann also für ein schnelleres Medium mit dem Offenen Kanal in Verbindung gesetzt, also ein Bürgermedium, das einem freie Berichterstattung ermöglicht, weil man nicht von Werbekunden abhängig ist.

Im Juni 1992 wurde daraus „Radio Knackpunkt“, unter dem Dach des Jugendnetzwerks Lambda …
Ja, das ging da aber nur ein dreiviertel Jahr, das lief da im Rahmen einer Lambda-Projektgruppe. Aber die Unterstützung ließ zu wünschen übrig, am Ende mussten wir Ehrenamtler natürlich trotzdem für alles den Kopf hinhalten und damals mussten wir auch beim Offenen Kanal noch die GEMA bezahlen und zwar aus unserer eigenen Tasche. Dazu kam dann noch das ganze Bandmaterial zum Schneiden, für die Interviews usw., wir wurden da also finanziell nicht wirklich unterstützt und wollten uns irgendwann einfach auch nicht mehr ständig in die Gestaltung unserer Sendung reinreden lassen.

Im Jahr 2005 habt Ihr dann den Verein Gemeinsam mehr e. V. gegründet …
Genau, denn wir haben ja nicht nur das Radio gemacht, sondern auch noch andere Sachen wie z. B. das jährliche Sommer-Camp Gay Island, die Rosenstolz-Trucks beim CSD Berlin oder die Touren zum „Rosa Tag“ im Heidepark Soltau. Bei solchen Projekten konnte man natürlich nicht einfach als Einzelperson ankommen, da musste für den Fall der Fälle rechtlich schon eine richtige Organisation dahinterstehen.

Warum benannte sich „Knackpunkt“ 2003 in „Radio QueerLive“ um?
Das hatte verschiedene Gründe. Einmal war unsere Domain für eine eigene Website nicht mehr frei, da sich schon jemand anders „Knackpunkt“ mit allen möglichen Endungen gesichert hatte. Zum anderen waren wir der Meinung, dass wir als schwules Radio auch einen schwulen Namen brauchen und der Name „QueerLive“ erklärt sich ja von selbst. Da war die Wahrnehmung in der Szene auch plötzlich eine völlig andere.

Was waren die bisherigen Highlights?
Einmal natürlich die Gäste, da waren schon so Leute wie Mia, Nena, Ich + Ich, 2raumwohnung, Rosenstolz, Juliane Werding und so weiter, die wollten ja alle ihre schwulen Fans übers Radio erreichen, also wandten sie sich an uns. Für Rosenstolz haben wir auch zweimal die Berliner Album-Release-Partys organisiert, in der „Busche“ und im „Kino International“ waren die. Jeweils im gleichen Jahr hatten wir dann mit Rosenstolz auch immer einen gemeinsamen Truck auf dem CSD Berlin. Dann machen wir nun schon seit zehn Jahren jährlich die Liveübertragung vom Motzstraßenfest und auch an die ganztägige Livesendung aus der Akadamie der Künste 1997 zum Thema „100 Jahre Schwulenbewegung“ denke ich gerne zurück.

Wieviele Hörer erreichst du mit „Radio Queerlive“?
Unser Rekord liegt bei drei Millionen. Das war so um 2002 herum, da brachte ein sehr bekannter brasilianischer DJ in seiner Heimat ein Cover von „Drei weiße Tauben“ raus. Und da er selber schwul war und auch deutsch sprach, wollte er, dass das auch ein schwuler Sender in Deutschland ausstrahlt und landete bei uns. Einer der größten Radiosender von Rio hat dann an dem Tag unseren Livestream, den wir ins Internet gestellt haben, abgegriffen und die Sendung selber ausgestrahlt. Unser Musikredakteur hat uns das vorher natürlich nicht verraten, sonst wären wir vor lauter Aufregung gar nicht erst ins Studio gekommen … (lacht)

Seit zwanzig Jahren am Puls der Szene