[Berlin] Wer bisher nur nach Kreuzberg gefahren ist, um ins „SchwuZ“ oder ins „Rauschgold“ zu gehen, hat nun seit dem 03.09. noch viel heißere Gründe, sich zum Mehringdamm aufzumachen. Denn während Edith Schröder im „BKA“ ihren Chantre schlürfte, wurde im Hinterhof des Theaters eine brandneue Gaysauna aus dem Boden gestampft. GEGENPOL fühlte dem Mann hinter dem „Boiler“, Geschäftsführer Tim Vogler, auf den Zahn. WWW.BOILER-BERLIN.DE

Du bezeichnest den „Boiler“ als Berlins erste „Hauptstadtsauna“ – Was meinst Du damit?
Eine Sauna, die die entscheidenden Veränderungen nach der Wende und damit Berlin wieder zur Hauptstadt zu machen in ihrem Konzept berücksichtigt. Das sind für uns drei Dinge: Berlin ohne Mauer, als West- und Ostberlin, Berlin als Touristenmagnet und ein ansprechender zeitgemäßer Standard. Darüber erleben wir in Berlin ein wachsendes schwules Selbstverständnis, sodass wir uns nicht mehr gegen die heterosexuelle Welt abschirmen müssen und unsere Sauna allen Männern offensteht. Wir sind eine Männersauna.

Ihr habt 1,5 Millionen Euro in den Bau investiert – trotzdem schwingt natürlich wie immer auch ein unternehmerisches Risiko mit. Was machte euch so sicher, dass das Geld auch wieder rein kommt?
Sicher kann man nie wirklich sein. Wir sehen uns aber nach dem gutem Start in unserer Annahme einer gewachsenen Nachfrage nach einem guten Saunaangebot in Berlin bestätigt. Dazu gehören Wellness, Sauberkeit, eine ansprechende, aktuelle architektonische Aufmachung und gute Ansprache durch das Servicepersonal. Ich glaube, wir haben ein gutes Gespür dafür, wann wir uns selber in einer Sauna wohlfühlen und wir kennen viele, nicht nur in Deutschland.

Seit dem Ende der „Steam“-Sauna im Jahr 2009 wollten mehrere Leute die Nische besetzen, doch nur der „Boiler“ machte seine Ankündigungen wahr. Mit welchen Schwierigkeiten hattet Ihr zu kämpfen?
Die richtige Lokation zu finden, war eine Herausforderung und hat die meiste Zeit gekostet. Wir haben bewusst immer wieder in Kreuzberg gesucht, weil uns auch das schwule Umfeld wichtig war. Dann mussten Gesellschafter gefunden werden, die an die Geschäftsidee geglaubt haben. Und letztlich haben wir selber die hohen Anforderungen an den Brandschutz weit unterschätzt. Doch wir konnten schließlich alle Auflagen erfüllen. Kurzum eigentlich keine wirklichen Schwierigkeiten.

Welche Erfahrungen aus deiner Zeit als Betriebsleiter der Kölner „Phoenix“-Sauna haben sich im „Boiler“-Konzept niedergeschlagen?
Meine Erfahrung von dort ist in die Planung und jetzt die Führung des „Boilers“ eingeflossen. Die Zehnerkarten des „Boilers“ gelten auch in der „Phoenix“-Gruppe und umgekehrt. Das ist für unsere Gäste vielleicht die wichtigste Verbindung und seit wenigen Tagen läuft zur Ankündigung des nächsten Saunagangs auch dieselbe Jodelmusik wie in der „Phoenix“. Und das Saunaangebot kommt aus derselben Hand wie dort. Ansonsten haben wir uns sehr auf Berlin und unsere eigenen Maßstäbe konzentriert und sind nun mit der Eröffnung froh, unsere Gäste auch willkommen zu heißen.

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