[DRESDEN] Bereits kurz nach der Wende erschien der erste GEGENPOL. Und ist damit eines der ältesten noch existierenden Szenemagazine der Welt. Mit Myrko, der den GEGENPOL bis 2010 leitete, wollen wir an dieser Stelle einmal zurück blicken.

WIE IST DER „GEGENPOL“ ENTSTANDEN?
Im März 1990 gab der Dresdner Gerede e. V. erstmals ein schwullesbisches Infoblatt unter dem Namen GEGENPOL heraus, welches Ende 1995 eingestellt wurde. Aus der damaligen Jugendgruppe des Vereins fand sich eine Hand voll enthusiastischer Leute, die dieses Projekt fortsetzen wollten. Ich war auch darunter. Allerdings wollten wir ein neues Konzept umsetzen, wobei wir uns an Szenemagazinen anderer Städte orientierten. Im März 1996 erschien dann unser erster GEGENPOL in Magazinform im Format A4 für Dresden. Im Verlauf der Jahre entwickelte sich das Magazin immer weiter, wurde bunter und zum Magazin für ganz Sachsen und darüber hinaus. Dafür möchte ich allen Mitarbeitern im Nachhinein nochmal herzlichst danken.

OB „SIEGESSÄULE“, „BLU“/“SERGEJ“ ODER DER NACHFOLGER DER „QUEER“: ALLE WOLLTEN MIT DIR ZUSAMMEN ARBEITEN ...
Das stimmt, es galt dabei Synergien zu nutzen. Insbesondere auf dem umkämpften Werbemarkt war Zusammenarbeit mit einem starken Partner für den GEGENPOL damals notwendig, um zu überleben. Gerade für Markenartikler war unser Magazin zu diesem Zeitpunkt noch zu klein mit zu geringer Reichweite. Durch die Kooperationen konnte die Finanzierung des Hefts verbessert und das Erscheinen gesichert werden, auch wenn dazu Kompromisse – wie die Umbenennung in „blu GEGENPOL“ – erforderlich waren. Trotzdem war es stets unsere Intention, ein gutes Szenemagazin für die Region zu gestalten.

WARUM WAR IM APRIL 2010 SCHLUSS?
Der Mitherausgeber Felix und ich haben nach 14 Jahren die Verantwortung in neue Hände übergeben, was in erster Linie private Gründe hatte. Der zuvor von zwei Verlagen produzierte Gemeinschaftstitel wurde dann ja zunächst unter dem Namen „blu Dresden Leipzig“ aus Berlin fortgesetzt und erst Ende 2010 eingestellt. Ich habe in diesen 14 Jahren immer neben dem Studium und meinem eigentlichen Beruf für den „GEGENPOL“ gearbeitet. Diese Doppelbelastung war dabei schon sehr anstrengend und auch das Privatleben hat zeitweise darunter gelitten. Zuletzt wurde es immer schwieriger, Beruf und „GEGENPOL“ so unter einen Hut zu bekommen, dass man bei beiden gute Arbeit abliefert. Deswegen habe ich für mich dann die Reißleine gezogen und ich fühle mich jetzt gut dabei.

ES GING NICHT OHNE KOMPROMISSE