Über Schwule sind unzählige Klischees im Umlauf. Zum Beispiel, dass wir alle Friseure, Floristen oder Kosmetiker wären. Schwule sind modeinteressiert, sexbesessen und nie ohne ihr Schminkset unterwegs. Und natürlich haben sie alle HIV, weil ja keine Kondome mehr ins Täschchen passen, wenn auch noch der Chihuahua darin Platz genommen hat. Sind wir also eine einzige homogene Masse? Mon dieu! „Mach die Augen auf, Schätzchen!“, möchte man da zärtlich aber bestimmt in den Stammtisch schnurren. Denn was haben bitteschön behaarte Bären mit vollbusigen Partytransen gemein?

Was hat ein schwuler Außenminister, der neuerdings Hornbrille trägt, mit einem Familienvater zu tun, der in den Brokeback Mountains Bullen melkt und Stuten dressiert und dabei überhaupt nichts trägt? „DEN“ Schwulen gibt es also genauso wenig wie Gaypornos mit einem Gastauftritt von Päpstin Ratzifatzi. Das Szenespektrum beschränkt sich nicht nur auf Extreme, sondern ist zwischen diesen aufgespannt. Zwischen Punks und Drags und Lederkerlen gibt es fließende Übergänge. Zum Beispiel Emo-Bären, die Damenunterwäsche unterm Anzug tragen. Bierbäuchige Skater-Skins mit Vorliebe für Latex-Rentner in Plüsch-Handschellen. Oder Politiker mit Schnauzbart und roter Milva-Perücke, die es im Urlaub mit saudischen Prinzen tun, die zuhause Schwule hinrichten. Doch eines haben wir, trotz aller Unterschiede, alle gemeinsam: den neuen GEGENPOL. Also, liebt die Vielfalt, genießt die folgenden Seiten und denkt immer daran: der queere Regenbogen ist nur dann schön bunt, wenn wir alle Farben mitspielen lassen.

Martin Bach,
Chefredakteur

Potsdam, 15.10.2011

STÖSSCHEN, DARLING!