Denkt man an Städtereisen, so fallen vielen im ersten Moment London, Paris, Prag, Amsterdam, Barcelona und Wien ein. Doch wer denkt schon an Riga, Brüssel oder Antwerpen? Wer hat schon mal Breslau oder Warschau für einen Kurztrip ins Auge gefasst? Wer denkt sofort an Istanbul, wenn es um eine Städtereise geht? Und genau mit dieser Metropole am Bosporus möchte ich beginnen und dem einen oder anderen eine Idee für seine nächste Städtereise geben.

Wer ein Märchen aus Tausend und einer Nacht erwartet, sollte nicht nach Istanbul reisen. Die Megacity auf zwei Kontinenten ist sicherlich in einigen Teilen der Stadt noch märchenhaft, zum Beispiel wenn sich am späten Abend ein wenig Ruhe in der Altstadt Sultanahmet einstellt, dann kann man sich im Lichte der Moscheen und Paläste schon ein wenig in die Zeit versetzt fühlen, als in Istanbul noch die Sultane auf Ihren Booten das Golden Horn entlang fuhren. Jedoch haben auch moderne Einkaufszentren, U- und Straßenbahn, die glitzernden Hochhäuser der Banken und Versicherungen von Levent sowie eine nicht enden wollende Autokolonne der Stadt ein neues Gesicht gegeben. Das Istanbul von heute zeigt sich bereits bei der Ankunft am Flughafen Atatürk von seiner modernsten Seite. Man könnte genauso gut in London oder Paris aus dem Flieger gestiegen sein. Doch spätestens wenn man in der Ferne die Minarette der Blauen Moschee und direkt dahinter die Kuppel der Hagia Sophia erblickt, schicke Menschen in westlicher Kleidung neben Kopftuch tragenden und tief verschleierten Frauen sieht, die Fahrt zum Hotel vorbei an alten herausgeputzten Holzhäusern führt, die im Schatten von Neubauten und glitzernden Fassaden ein zweites Leben erhalten haben, dann weiß man, man ist angekommen in einer der aufregendsten Städte der Welt. Die meisten Touristen wohnen im Bezirk Sultanahmet, in der Nähe der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Von dort kann man sie bequem zu Fuß erreichen: die Blaue Moschee, den Topkapi Palast, die Zisterne, die prächtige und beeindruckende Hagia Sophia und natürlich das Herz des Bezirks, den Großen Basar. Ein Gewirr aus überdachten Straßen und hunderten Geschäften, die fast alles zu bieten haben, was das Herz begehrt. Man verläuft sich schnell in den Gassen des Basars. Wenn man sich jedoch immer bergab bewegt, endet man am geschäftigen Hafen von Eminonü. Auf dem Weg erlebt man noch die aufregende Gegend der vielen Gassen, die außerhalb des Basars zu fi nden sind und alles zu bieten haben, was man so tagtäglich braucht. Hier sind dann weniger Geschäfte für Touristen zu finden, sondern man kann in das Leben der Istanbuler eintauchen. Kurz vorm Hafen von Eminönü befindet sich der zweit wichtigste Basar in Istanbul, der Ägyptische Basar oder auch Gewürzbasar genannt. Hauptsächlich Gewürze werden hier angeboten, doch auch jede Menge Schmuckhändler sind hier zu finden.

Den Basar hinter sich gelassen, hört man nun schon die Liniendampfer, die im Minutentakt die Anlegestelle in Eminönü anlaufen, dem Kai für die Passagierboote nach Asien. In Windeseile steigen Menschen aus und wieder ein und die Boote legen zur nächsten Überfahrt über die den Bosporus ab, der Istanbul in einem europäischen Teil und einen asiatischen Teil teilt. Die Zeit auf den Booten kann man für ein wenig Müßiggang nutzen. Die Aussicht auf das alte Istanbul ist einfach großartig, den Kopf schnell noch auf die andere Seite gedreht und schon tauchen am Horizont die Hochhäuser der Banken in der Neustadt Levent auf und während die Möwen die Schiffe immer auf Ihrem Weg begleiten, fährt man auch schon wieder den Zielhafen an, Üsküdar auf der asiatischen Seite. Hier ist alles etwas religiöser als in Sultanahmet oder in der Neustadt Pera, dem heutigen Beyoglu. Die Aussicht auf die beiden europäischen Teile aber dafür ist umso schöner. In Üsküdar kann man viel Atmosphäre schnuppern und sich nach ein paar Schritten über den Markt und durch das kleine Stadtzentrum wieder mit dem Boot auf den Weg zurück nach Europa machen oder je nach Tageszeit zum gegenüberliegenden Dolmabahce-Palast übersetzen. Für die, die sich für die Fahrt nach Besiktas, dem Hafen für den Dolmabahce-Palast, entschieden haben, bieten sich zwei Varianten für die Besichtigung an. Entweder nur den Palast oder in Kombination mit dem Harem. Zurück nach Sultanahmet geht es mit der Tram oder man nimmt die Standseilbahn hinauf zum Taksim-Platz. Dieser ist nicht gerade ein schöner Platz, gekrönt von einem Denkmal des Türkei-Gründers Kemal Atatürk und voller Menschen und Autos, doch liegen hier die meisten Häuser der internationalen Hotellerie. Blickt man gen Südwesten in die Einkaufsstraße Istiklal, dann sieht man dort eine kleine Straßenbahn, welche unermüdlich die drei Kilometer lange Strecke vom Taksim-Platz zur zweiten und ältesten Untergrundbahn der Welt zurück legt: zur Tünel-bahn.

Doch nehmen wir nicht die Bahn, sondern tauchen einfach ein, in die Menschenmassen auf der Istiklal. Kaffeehäuser, Restaurants und Geschäfte aller bekannten Modemarken und vieler lokaler Anbieter, säumen diese Straße mit ihren prächtigen Jugendstil-Fassaden. Als Istanbul noch Hauptstadt war, saßen hier die Botschaften. Mit dem Wechsel der Hauptstadt nach Ankara wurden diese zu Konsulaten. In den Seitenstraßen tobt am Abend das Leben und man fi ndet allerhand Möglichkeiten den Abend bei gutem Essen und Live-Musik ausklingen zu lassen – wenn man möchte sogar bis spät in die Nacht hinein. Istanbul hat viele verschiedene Facetten und somit fahren wir heute nach Kadiköy auf der asiatischen Seite und erreichen vom Hafen aus per Taxi die berühmte Bagdad-Straße in Fenerbahce mit vielen Geschäften bekannter Designer. Aber auch das Stadtzentrum von Kadiköy hat etwas zu bieten: Geschäfte aller Art und eine alte Gothaer Straßenbahn, die durch die Fußgängerzone, vorbei an der Nationaloper fährt. Wer es ruhiger mag, kann auch einen ausgiebigen Spaziergang an der Uferpromenade machen, Sultanahmet mit seinen Moscheen immer im Blick. Alternativ oder auch im Anschluss nimmt man eine Fähre direkt bis zum Endpunkt im Goldenen Horn und macht einen Streifzug durch den konservativen Stadtteil Eyüp. Hier zeigt sich Istanbul von einer anderen, ruhigeren Seite. Keine heraus geputzten Gassen und Holzhäuser mehr. Einfach nur Istanbul, so wie es vor vielen Jahren schon ausgesehen hat. Mit einer weiteren Standseilbahn kann man hier zum Pierre Loti Café fahren und einen Panoramablick über das Goldene Horn und Istanbul genießen. Bergab geht es dann durch den Friedhof von Eyüp.

Auf keinen Fall entgehen lassen, sollte man sich bei schönem Wetter eine Fahrt über den Bosporus. Die Boote nach Anadolu Kavagi starten täglich gegen 10 Uhr am Pier in Eminönü. Die Fahrt dauert ca. zwei Stunden und führt vorbei am Dolmabahce-Palast, unter den zwei Bosporusbrücke hindurch und vorbei an vielen kleinen, typisch liebevoll restaurierten Holzhäusern. Das Schiff macht abwechselnd in Europa und Asien Station, um Passagiere aufzunehmen oder welche von Bord zu lassen. Angekommen an der letzten Station wartet ein kleiner Aufstieg zu einer Burgruine, von der man einen ausgezeichneten Blick auf die Umgebung und die Mündung des Schwarzen Meeres hat. Bis zur Abfahrt bleibt noch ausreichend Zeit, um sich in einem der vielen kleinen Restaurants an der Anlegestelle ein leckeres Mittagessen zu gönnen, ehe es gegen 14 Uhr wieder zurück nach Istanbul geht. In Eminönü hat man dann die Qual der Wahl, ob es noch einmal zum Shoppen in die vielen Gassen des Basars geht oder man sich einen Kaffee und ein leckeres Stück Torte in einem der vielen Cafés der Istiklal gönnt. Für Istanbul reichen sicherlich keine 3 Tage aus, aber man kann sich einen ersten Eindruck verschaffen, eine Stadt kennen lernen, in die mancher nicht nur einmal zurückkehrt und auch nach vielen Besuchen immer und immer wieder neues entdeckt und bei der Abreise wehmütig auf eine schöne Zeit zurückblickt und sagen wird:
Yakinda görüsmek üzere Istanbul - Bis bald Istanbul

Nützliche Infos gibt es auf

www.istanbul-gay-hotel.com

www.istanbulgay.com

Urlaub auf 2 Kontinenten - Istanbul