Von den Machern dieses fabelhaften kleinen Magazins vor einiger Zeit darauf angesprochen, ob ich Lust hätte, in einer Kolumne die schwule Welt durch meine Augen für die Leser sichtbar zu machen, fiel meine Antwort denkbar knapp aus. NEIN. Was soll auch interessant daran sein, die schrulligen Ansichten eines alten Mannes, der 30 Jahre seines Lebens für die Szene arbeitete, mitgeteilt zu bekommen? Doch ich stellte mir mein Leben als Rentner vor der Rente deutlich spannender vor, als es sich jetzt lebt.

Also willigte ich schließlich doch ein. Nun hast du lieber Leser die große Freude, an meinem gewesenen und meinem jetzigen Leben in der schwulen Szene teilhaben zu müssen. Sollten sich zukünftig einige Leser wieder erkennen, dürfen sie davon ausgehen, dass es beabsichtigt war. Und sollten sie zudem nicht sehr gut dabei wegkommen: auch das ist beabsichtigt. Ist das nicht toll: Ich darf ganz offiziell mit allen Stinkstiefeln, Zicken oder langweiligen Bettgenossen der letzten 30 Jahre abrechnen. Heute nun möchte ich eine Frage aufwerfen, die mich seit einiger Zeit umtreibt. Wann hat das Wort NEIN seine Bedeutung verloren? Ab und an, wenn es meine kärgliche Rente hergibt, leiste ich mir den Besuch in Locations mit dunklen Räumen. In den letzten Jahren fällt es mir immer häufiger auf, dass die höfliche Zurückweisung eines Annährungsversuches durch das Wort „Nein“ oder Taten, die dieses ausdrücken, vom Eroberer komplett ignoriert wird. Meist kommt nach mehrmaligem Zurückweisen einer Hand der gesamte Kerl über dich, um auf diese unnachahmlich „charmante“ Art in die Offensive zu gehen. Niemals führte diese Taktik, „durfte“ ich sie denn beobachten, zum Erfolg. Vielmehr blieben beide verstört zurück, der eine genervt von soviel ekelhafter Aufdringlichkeit der andere frustriert über einen weiteren missglückten, „zögerlichen“ Annäherungsversuch. Eroberer! Macht’s Euch doch nicht so schwer, Ihr frustriert Euch in den meisten Fällen sehenden Auges. Manfreds Tipps für eine relaxte, zielführende Kontaktaufnahme: Blickkontakt: (hierfür sollte sich, grade im Dunkeln, die Anschaffung einer Taschenlampe lohnen… kleiner Scherz) Du schaust in die wunderschönen Augen deines temporären Traummannes und dein leidenschaftlicher Blick wird erwidert. Super, alles paletti, weitermachen. Du stierst, seit gefühlten drei Stunden, diesen Typen an und seine einzige Reaktion ist: genervtes Augenrollen? Vergiss es, such dir nen anderen! Berührungen: (Du kannst die Taschenlampe nun ausmachen, dein Gegenüber ist so geblendet, dass er dich eh nicht erkennt!) Vorsichtig fasst du deinen Wunschkandidaten an: Hey! Nicht gleich zwischen die Beine, das verschreckt die meisten! Er lässt sich deine Berührungen gefallen und erwidert sie sogar? Fabelhaft! Na dann habt Spaß. Ach ja, Kondome nicht vergessen! Wie immer fordernd, packst du nach dem Oberschenkel deines Auserwählten und dieser weist ebenso beherzt deine Hand ab. Was soll dir das sagen? Versuchs ruhig noch einige Male und am besten greifst du gleich nach meinem Schwanz, dann sag ich ja? Falsch, falsch, falsch! Finger und alle anderen Körperteile weg und einen anderen suchen. Wie ihr seht, ist es ganz einfach, den Frustfaktor aller Beteiligten so gering wie möglich zu halten. Ihr sagt, das hättet ihr schon längst gewusst? Na dann haltet euch auch dran, verdammt noch mal.

Macht's gut
Euer Manni

Mannis Welt