Ist mir schlecht!
Gleich, wenn mein Bett aufhört sich zu drehen, versuche ich mit meinem mindesten 12 Hutnummern größeren Kopf das Bad zu erreichen, um mir wohltuendes, kühles, frisches Wasser ins Gesicht zu spritzen. Was is heute eigentlich für´n Tag, muss ich arbeiten oder hab ich frei? Ich sollte langsam und vorsichtig mal die Augen öff nen… Mist, es ist schon hell. Wenn ich heute arbeiten muss, bin ich schon zu spät! Die Überprüfung meiner Vitalfunktionen ergibt, dass ich heute kaum in der Lage bin, einen graden Satz zu formulieren geschweige denn, mich länger in der Senkrechten zu halten. Ok, ok ich brauche also eine gute Ausrede. Verdammt, wo ist nur meine Brille, das Ding könnte alle quälende Ungewissheit nehmen. Sie liegt eigentlich immer auf meinem Nachttisch, zu blöd nur, dass der nicht da ist, ach Quatsch, andere Bettseite. Oha, was’n das für’n Kissen? Ich hatte doch noch nie eines mit Aufdruck. Na bitte, meine Brille. Ach du meine Nase, das „Kissen“ schaut mich an! Wie um alles in der Welt kommt dieser Typ in mein Bett?

Morgen, mein Hübscher, na wollen wir schon aufstehen, oder lieber… Und reden kann der auch, ich träume leider NICHT. Hmm… ach nee bin total fertig, lass uns mal noch ne runde pennen. Jetzt fi x Augen zu, umgedreht und einen Schlachtplan entwickelt. Ich habe keine Ahnung, wie diese Mischung aus Mick Jagger und Mireille Mathieu in meine Wohnung, in mein Bett kommt, wenn der jetzt ’nen Annäherungsversuch startet, übergebe ich mich gleich hier im Bett. Zumindest ist heute Sonntag, soviel konnte ich schon mal sehen. Da mein Bettzeug aussieht, als hätten wir hier mit ’nem Malkasten experimentiert und der Typ reichlich viel verschmiertes Make Up in der Visage hat, glaube ich, mich dunkel daran zu erinnern, gestern auf ’ner Faschingsparty gewesen zu sein. Genau, jetzt macht’s Klick ich war mit ’nen paar Freunden in unserer Lieblingsschwuppenbar zum Fasching. Wie komme ich aber bitte an diesen Hässling, wo doch dort nur Traumprinzen unterwegs waren? Und noch viel wichtiger: Wie bekomme ich den aus meiner Wohnung raus, man will ja nur im Notfall unhöfl ich sein. Gut, ich muss dringend ins Bad, ich denke, die „Aufallenvierenvariante“ ist angebracht, um so die… Spritzhöhe zu verringern. Hey, ich dachte, wir wollten noch schlafen? Mir ist schlecht! Meine Augen tränen! Meine Zunge braucht dringend ’ne Rasur und meine Kehle die Niagarafälle! Kann der nicht einfach im Bett liegen und seine Klappe halten? Ja, machen wir auch oder sieht das hier für dich nach Frühstück machen aus? Wollte ich sagen, rausbekommen habe ich irgendwas mit Kotzen, Verdammt und Klappe halten. Spätestens jetzt sollte er doch mal das Weite suchen. Tja, ich bin ein Held, auf allen Vieren geht’s echt super in Richtung Bad. Das Bad ist dann links. Was´n mit dem los, ist sein Beschützerinstinkt geweckt, oder was? Ich werde mich wohl in meiner eigenen Wohnung auskennen, auch wenn es im Moment nicht so aussieht. Ja, is mir klar, Mireille. Verdammt, wie sieht´s denn hier aus? Das kann unmöglich der Müll von nur zwei Leuten sein und ich fürchte Rotwein verträgt sich nur mäßig mit den Teppichen. Und was Schreckliches ist meinen Grünpfl anzen geschehen? Du, sag ma,l brauchst du noch lange? Mensch, Mireille Jagger nervt aber. Wenn´s dich stört, hau doch ab! Diplomatischer konnte ich wohl kaum sagen, dass er nun bitte gehen kann. Naja, ich lasse nur ungern „fremde“ Männer allein in meiner Wohnung. Was redet der da? Ungern fremde Männer in… SEINER Wohnung! Ach du mein lieber mon Dieu… Dieser One Night irgendwas, meine lieben Freunde, liegt bereits 35 Jahre zurück. Aber nie wieder habe ich schrecklicheres erleben müssen. Ich erfuhr später von Freunden; dass da wohl noch echt was los war in dieser Wohnung, und die einzigen beiden, mit denen nix mehr anzufangen war, ich und der Gastgeber waren, also wurde wir beide Arm in Arm ins Bett gepackt. Die Fotos davon habe ich heute noch. Mireille Jagger fand mich, gelinde gesagt, mindestens genauso schrecklich wie ich ihn, was wohl zum größten Teil daran lag, dass ich ihm zweimal ins Aquarium kotzte. Hier nun meine Tipps für alle, die sich in den nächsten Tagen in den Faschingstrubel stürzen: Alkohol macht Männer nur für kurze Zeit schöner und begehrenswerter (Cinderellaeff ekt) Niemals, wirklich niemals neu entdeckte „Traummänner“ mit zu sich nach Hause nehmen (die eigene Einrichtung bleibt unversehrt und der Rückzug ist um vieles leichter) heute in Zeiten von Handys empfehle ich durchaus bei der Weitergabe der eigenen Nummer gekonnt einen Zahlendreher einzubauen, besser noch sieben Ach ja, um auch den pädagogischen Teil zu erfüllen, Alkohol in Mengen ist sehr, sehr schlecht. Macht zwar ab und an mal Spaß ist aber schlecht, schlecht, schlecht! Ich wünsche euch allen eine tolle Faschingszeit, ich gehe dieses Jahr als alter, weiser Mann, da brauch ich nicht soviel Kostüm und Schminke.

Helau und Alaaf und… nie wieder Alkohol.